27.06.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

27.6.2005: Mangelnde Transparenz und Liquidit?tsengp?sse? - Vestas wehrt sich gegen kritischen Pressebericht, Aktienkurs unter Druck

Die d?nische Vestas Wind Systems A/S ist mit einer umfassenden Presseerkl?rung einer kritischen Artikelserie der Berlingske Tidende ?ber das Unternehmen entgegen getreten. Darin hie? es unter anderem, der gr??te Hersteller von Windturbinen auf dem Weltmarkt habe bislang nur unzureichend ?ber seine Unternehmensrisiken und m?gliche Liquidit?tsengp?sse berichtet. Dies weist die F?hrung von Vestas zur?ck. Der Konzern verf?ge ?ber ausreichende R?ckstellungen für das Jahr 2005, daher sei die Liquidit?t nicht gef?hrdet. Durch das enge Zeitfenster für Auftr?ge in den USA existierten zwar durchaus Risiken für das Unternehmen, die aber seien stets benannt worden. In den Vereinigten Staaten laufe zum Jahresende die gegenw?rtige F?rderung von Windkraftprojekten aus, was Vestas bei der Lieferung und Errichtung von Anlagen unter hohen Zeitdruck setze. Verz?gerungen k?nnten zu hohen Kosten f?hren.

Trotz der Erkl?rung von Vestas geriet die Aktie des Turbinenherstellers heute unter Druck. An der Frankfurter B?rse verlor das Wertpapier bis zum fr?hen Nachmittag fast 6 Prozent und notierte bei 13,27 Euro. Damit fand der Aufw?rtstrend der letzten zwei Monate, in denen die Aktie um rund 50 Prozent an Wert gewann, ein abruptes Ende.

Vestas hatte im vergangenen Jahr einige Herausforderungen meistern m?ssen. Gr??te Aufgabe war dabei die ?bernahme des heimischen Konkurrenten NEG Micon A/S. Damit entstand zwar ein st?rkeres und besser aufgestelltes Unternehmen. Die Fusion f?hrte jedoch erst einmal zu h?heren Kosten und st?rte eingespielte Kundenbeziehungen und Arbeitsabl?ufe. Zus?tzlich hatte Vestas mit technischen Problemen des Offshore-Windparks Horns Rev zu k?mpfen, mit einem fast zusammengebrochenen US-Markt und mit dem Auftreten finanzstarker Konkurrenten.

Die D?nen mussten die Prognose für den Gesch?ftsverlauf mehrmals senken. Bis zum Sommer 2004 hatte das Management noch auf das Wiederaufleben der steuerlichen F?rderung der Windenergie in den USA gehofft. Diese kam dann zwar, doch nicht mehr rechtzeitig genug, um dem für Vestas wichtigen US-Markt zu der erwarteten Gr??e zu verhelfen. Im August korrigierte Vestas die Umsatz- und Gewinnerwartung nach unten. Kurz vor der Ver?ffentlichung des Gesch?ftsberichts im M?rz 2005 wurde die Gewinnprognose noch einmal drastisch gesenkt. Der Grund waren diesmal Einmalkosten, die h?her ausfielen als zuvor angek?ndigt. Bei der Vorstellung der endg?ltigen Jahresergebnisse erl?uterte das Vestas-Management die einzelnen Verlustpositionen.

Zun?chst mussten Zusatzkosten von 38 Millionen Euro für das Projekt Horns Rev verbucht werden. Bei diesem Offshore-Windpark waren im Herbst 2003 Probleme mit den (von Vestas fremdbezogenen) Trafos und Generatoren aufgetreten. Die Reparaturarbeiten sind nun zwar abgeschlossen, jedoch gingen offenbar die Verhandlungen der beteiligten Seiten nicht ganz im Sinne von Vestas aus.

Viel h?her lagen die Kosten im Zusammenhang mit der NEG Micon-?bernahme. Statt der urspr?nglich geplanten 67 Millionen Euro summierten sich die Verluste am Ende auf 115 Millionen. Allein 24 Millionen Euro resultierten aus Nachverhandlungen und Preisabschl?gen bei Vertr?gen, die zuvor NEG Micon ausgehandelt hatte.

Der Vestas-Konzern rutschte in die roten Zahlen: Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) lag bei minus neun Millionen Euro, unter dem Strich stand ein Konzernergebnis von minus 39 Millionen. In dem testierten Konzernabschluss ist die NEG Micon-?bernahme seit dem 1. M?rz 2004 bilanzwirksam. Das ergab einen Konzernumsatz von 2,56 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte Vestas 1,65 Milliarden Euro umgesetzt und NEG Micon 708 Millionen.

Ein Schatten f?llt auf die Fusion bei der Betrachtung des "goodwill". Diese Bilanzgr??e gibt den Betrag an, der ?ber den Zeitwert eines zugekauften Unternehmens hinaus bezahlt wurde; er muss im Laufe der Jahre abgeschrieben werden. Im Halbjahresbericht 2004 wurde der goodwill noch auf 217 Millionen Euro gesch?tzt. Sp?ter ergab eine Neuberechnung der Verm?genswerte, unter anderem infolge von Ver?nderungen in Marktstrategie und Produktpalette, eine Sch?tzung von 286 Millionen Euro.

Das (f?r 12 Monate) kombinierte Unternehmen hat im vergangenen Jahr 2270 Windenergieanlagen (WEA) verkauft, nach 2186 WEA im Jahr 2003. Das entsprach einem Plus von vier Prozent auf 2784 Megawatt (MW). Bei leicht zur?ckgegangenem Weltmarkt wurde der Weltmarktanteil auf 34,1 Prozent erh?ht (plus 2,2 Prozentpunkte; Quelle: BTM Consult ApS). Deutschland war weiterhin mit Abstand der Hauptmarkt, doch ging hier der Absatz um 20 Prozent auf 665 MW zur?ck. In den USA wurde mit 92 MW gar nur noch ein knappes F?nftel des Vorjahresabsatzes erreicht. Laut Vestas habe dieser Markteinbruch, versch?rft durch den schwachen Dollarkurs, zu intensivem Wettbewerb gef?hrt. Stark an Bedeutung gewonnen haben hingegen die Regionen Spanien/Portugal, Italien, Australien/Neuseeland und Indien. In manchen dieser M?rkte konnten die Verkaufszahlen vervielfacht werden, allerdings von einem niedrigen Niveau ausgehend.

Nachdem die Integration der NEG Micon als im wesentlichen abgeschlossen gilt, will sich Vestas nun verst?rkt der Qualit?tssicherung zuwenden. Nach einer vom Konzern selbst durchgef?hrten Untersuchung ist die Kundenzufriedenheit n?mlich deutlich gesunken. Auch die Wettbewerbsf?higkeit soll steigen: Noch im laufenden Jahr soll eine neue Blattfertigung in Australien die Produktion aufnehmen; weitere Fertigungsst?tten in China und in den USA werden derzeit verhandelt. Zugleich wird die Gondelproduktion in D?nemark reduziert. Diese Ma?nahmen sollen Wechselkurseffekte neutralisieren und die Transportkosten senken. Doch sie werden Geld kosten, und so k?nnte es notwendig werden, die Kreditlinien zu erweitern oder auf andere Weise neue langfristige Finanzierungen einzugehen. Zur Fertigungsaufnahme in China gibt es allerdings keine Alternative, denn das ist Bedingung, um an diesem vielversprechenden Markt teilzunehmen.

Vestas hat in den vergangenen Monaten eine Reihe gro?er Auftr?ge gemeldet, vor allem aus den USA. Die eigene Umsatzprognose für das laufende Jahr wurde mittlerweile auf 3,0 bis 3,2 Milliarden Euro angehoben; die EBIT-Marge soll vier Prozent erreichen. Als Fernziel gilt eine EBIT-Marge von 10 Prozent.

Vestas Wind Systems A/S: ISIN DK0010268606 / WKN 913769

Bildhinweis:
Windparks von Vestas: onshore in Portugal, offshore vor Horns Rev / Quelle: Unternehmen
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