27.06.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

27.6.2006: Nevag neue energie verbund AG: Außerordentliche Hauptversammlung muss EnerSys-Verkauf bestätigen - Teil der Aktionäre will ausbezahlt werden

Die Nevag neue energie verbund AG aus Hückelhoven will ihre Beteiligung an der EnerSys Gesellschaft für regenerative Energien mbH, Bietigheim an die Bremer WPD AG verkaufen. Nachdem sich die Vorstände und Aufsichtsräte beider Unternehmen geeinigt haben, muss die für den 12. Juli 2006 in Düsseldorf angesetzte außerordentliche Nevag-Hauptversamlung dem Verkauf zustimmen. Das Treffen verspricht spannend zu werden: Die Düsseldorfer eco eco AG, ein großer Nevag-Aktionär, will die Nevag dazu bringen, mit dem Verkaufserlös eigene Aktien anzukaufen. Damit könnte ein Teil der Anteilseigner aus der Gesellschaft ausscheiden.

Das Verhältnis zwischen dem Nevag-Hauptgesellschafter und den anderen Aktionären sei seit mehreren Jahren zerrüttet, so die eco eco AG in ihrem Antrag zur Nevag-Hauptversammlung. Hauptgesellschafter des Neue-Energie-Unternehmens ist laut Thomas Banning, Vorstand der eco eco AG, eine "Novgorod Holding" die ihren Sitz auf den British Virgin Islands habe. ECOreporter.de konnte diese Angabe bisher nicht überprüfen. Bei der Nevag wollte man auf Anfrage keine Informationen zur Aktionärsstruktur herausgeben; es hieß lediglich, das zuständige Vorstandsmitglied sei derzeit im Urlaub.

Im Sommer 2001 hatte die private Beteiligungsgesellschaft der damaligen Umweltkontor-Vorstände Lohmann und Noethlichs, Lohmann & Noethlichs Holding GmbH & Co.KG (LNH), die Mehrheit bei der Nevag übernommen. Lesen Sie dazu unsere Meldung vom 21. August 2001 und unser Interview mit Leo Noethlichs). Die börsennotierte Umweltkontor AG stellte im September 2004 Antrag auf Insolvenz. Laut einer Mitteilung der Nevag legte Noethlichs Ende 2004 sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats der Nevag nieder. Die Nevag-Hauptversammlung wählte den Angaben zufolge gleichzeitig "den Studenten" Sebastian Noethlichs in das Aufsichtsgremium. Dieser bekleidet laut der Nevag-Homepage derzeit das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaft.

Laut der eco eco in ihrem Antrag zur Tagesordnung der Hauptversammlung gab es zwischen den Aktionären der Nevag in der Vergangenheit eine "Fülle gerichtlicher Auseinandersetzungen", dies lasse sich auch für die Zukunft nicht ausschließen. Die daraus resultierenden finanziellen und zeitlichen Belastungen würden die Nevag, den Hauptgesellschafter und die anderen Aktionäre an einer sinnvollen Entwicklung ihres Geschäftes hindern. Eine Entflechtung sei deshalb dringend geboten.
"Wir wollen mit unserem Vorschlag die Möglichkeit schaffen, dass die Beteiligten auseinander gehen. Indem die Nevag eigene Aktien zurückkauft, können die Aktionäre, die seit Jahren im Streit mit dem Hauptanteilseigner liegen, aus der Gesellschaft ausscheiden", so Banning gegenüber ECOreporter.de.

Wie die Nevag AG in einer Pflichtmitteilung bekannt gab, hat die eco eco AG mit dem erforderlichen Anteil von 470.000 Aktien (11,19 Prozent) eine Ergänzung der Tagesordnung der außerordentlichen Hauptversammlung beantragt. Die Antragstellerin verlange die Beschlussfassung über eine Kapitalherabsetzung durch Einziehung von Aktien in Verbindung mit einem Erwerb eigener Aktien, so der Bericht. Dazu schlage eco eco folgende Beschlussfassung vor:

"Die Hauptversammlung möge Beschluss fassen, dass die Gesellschaft eigene Aktien gemäß nachfolgender Bestimmungen erwirbt und einzieht und dass im Umfang des rechnerischen Nominalwertes der eingezogenen Aktien das Grundkapital der Gesellschaft herabgesetzt wird. Die Aktien sind nur von den Aktionären zu erwerben, die am Tage der Einladung zur Hauptversammlung nicht dem Mehrheitsgesellschafter oder einem mit diesem verbundenen Dritten zuzurechnen sind. Dabei darf der Preis für den Erwerb der Aktien im Einzelfall nicht unter dem Wert von 2,00 Euro je Aktie sinken und muss im Durchschnitt den Wert von 2,50 Euro je Aktie übersteigen, ein höherer durchschnittlicher Erwerbspreis liegt in der Entscheidung des Vorstandes, so lange die aus dem Erwerb der Aktien mit nachfolgender Einziehung resultierende Kapitalherabsetzung in Summe den Wert von 8.000.000,00 Euro nicht überschreitet."

Durch den Verkauf von EnerSys werde die Nevag 5,5 Millionen Euro einnehmen, begründete eco eco die Beschlussvorlage für die Hauptversammlung. Des weiteren erhalte die Nevag für 2005 aus dem Jahresergebnis der EnerSys eine Gewinnabführung von weiteren 2,5 Millionen Euro. In der Bilanz zum 31. Dezember 2004 weise die Nevag ein Netto-Eigenkapital von 4,67 Millionen Euro aus. Zusätzlich enthalte die Bilanz stille Reserven aus abgeschriebenen Forderungen gegenüber der Lohmann Noethlichs Holding GmbH & Co. KG (LNH) und gegenüber der Umweltkontor AG von bis zu fünf Millionen Euro. Nach Ansicht des Vorstandes, des Aufsichtsrates und des Hauptgesellschafters könnten diese Forderungen realisiert werden. In der Gesellschaft seien demnach Vermögenswerte von bis zu 17,5 Millionen Euro vorhanden, rechnet die eco eco laut dem Bericht vor. Angesichts einer "Wertbasis von mindestens 10,7 Millionen Euro Nominalkapital" gefährde eine Entflechtung der Aktionärsstruktur nicht die Substanz der Gesellschaft, zudem blieben "erhebliche Gewinnpotentiale" für die verbleibenden Gesellschaftern. Den ausscheidenden Gesellschaftern aber werde die Möglichkeit geboten, zumindest einen Teil ihres eingesetzten Kapitals zurück zu erhalten und einen Schlussstrich unter das Engagement bei der Nevag zu ziehen.

Bilder: EnerSys-Windpark Edersleben; Umweltkontor-Vorstände Noethlichs und Lohmann / Quelle: Unternehmen
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