27.09.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

27.9.2004: Wochenrückblick: Sinkende Kurse - Windturbinenhersteller trumpfen auf - Trojan Technologies vor Übernahme

In der vergangenen Woche ging es mit den Aktienindizes bergab. Der TecDAX gab drei Prozent nach. Zwei Prozent verloren der DAX sowie die Indizes Dow Jones Industrial Average, Nasdaq Combined Composite (USA) und Nikkei-225 (Japan). Der Euro war im Wochenverlauf bis auf 1,2350 US-Dollar geklettert, er lag zum Wochenschluss mit 1,2276 Dollar 0,7 Prozent höher als am Ende der Vorwoche. Die Preise für Rohöl haben neue Allzeithochs erklommen. An der New Yorker Rohstoffbörse schloss der November-Kontrakt für die Sorte Light Sweet Crude bei 48,88 Dollar je Barrel. Die in London gehandelte Sorte Brent erreichte ihr Rekordhoch schon am Donnerstag mit 45,75 Dollar.

Für heftige Reaktionen sorgte ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Unter der Überschrift "Ausbau der Windkraft macht Stromausfälle wahrscheinlicher" berichtete die FAZ über eine Studie der Deutschen Energie Agentur (dena), nach der der weitere Ausbau der Windenergie angeblich enorme Folgekosten nach sich ziehe, die Wahrscheinlichkeit großflächiger Versorgungsausfälle dennoch zunehmen werde. Die dena dementierte den Artikel "in allen wesentlichen Punkten" - schon die Überschrift entbehre jeder sachlichen Grundlage. Nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie e.V. habe die FAZ einen Zwischenbericht verwendet, der wegen massiver fachlicher Mängel von den Auftraggebern nicht einmal abgenommenen worden sei.

Der Kurs der dänischen Vestas Wind Systems A/S ist um neun Prozent auf 86 Dänische Kronen gestiegen. Am Freitagvormittag wurden bis zu 91 Kronen für die Papiere gezahlt. Der Hersteller von Windturbinen hatte mitgeteilt, dass die Zusammenarbeit mit Torben Bjerre-Madsen im gegenseitigen Einvernehmen zum Ende September beendet werde. Bjerre-Madsen war Präsident und CEO von NEG Micon A/S, die im April 2004 durch Vestas übernommen wurde. Bei der vergrößerten Vestas nahm er anschließend die Position des Vizepräsidenten und stellvertretenden CEO ein.

GE Energy, der Energietechnik-Geschäftsbereich des US-amerikanischen Mischkonzerns General Electric Co., hat in Salzbergen-Holsterfeld ein Service- und Schulungszentrum eröffnet. Das Unternehmen will mit diesem Zentrum den technischen Service sowie Training und Schulung für Windenergie-Kunden weiter professionalisieren. GE Energy gehört mit weltweit 6.700 verkauften Windenergieanlagen neben Vestas zu den Weltmarktführern.

Zu Besonderheiten des deutschen Windenergiemarkts hat ECOreporter.de zwei norddeutsche Windturbinenproduzenten befragt. Die Hersteller finanzieren zuweilen ganze Windparks vor oder beteiligen sich an ihnen. Dies erhöhe zwar das Risiko für die Hersteller, ermögliche jedoch eine schnelle Realisierung und Bezahlung der Projekte, geht aus den Erläuterungen der Sprecher von REpower Systems AG und Nordex AG hervor.

Die Nürnberger UmweltBank kündigte die Emission eines Genussscheins im Volumen von rund fünf Millionen Euro an. Emittentin sei eine Windparkgesellschaft des Unternehmers Ingo de Buhr; diese werde die Mittel aus der Emission an de Buhrs Prokon Nord Energiesysteme GmbH ausleihen. Vier Millionen sollen für den Bau eines Biomasse-Heizkraftwerkes verwendet werden. Eine Million sei für die Errichtung des Prototypen der 5 Megawatt-Windturbine "Multibrid" vorgesehen. Nach Angaben des grünen Geldhauses handelt es sich um eine Wertpapieremission mit hoher Sicherheit. Voraussichtlich Mitte Oktober sollten die Zeichnungsbedingungen bekannt gegeben werden.

Die Kurse der deutschen Hersteller von Sonnenstrom-Technik haben sich in der vergangenen Woche von ihren Rückschlägen wieder etwas erholt. Sunways AG, Solarzellenhersteller aus Konstanz, stiegen um fünf Prozent auf 3,77 Euro. Die Solarmodul-Produzenten Solar-Fabrik AG (Freiburg) und Solon AG (Berlin) legten sechs beziehungsweise neun Prozent zu.

Um 13 Prozent auf 35,20 Euro verteuerten sich die Papiere der Bonner SolarWorld AG. Einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa-AFX zufolge hat es vor einem dreiviertel Jahr ein Übernahmeangebot der General Electric Co. gegeben, welches SolarWorld jedoch abgelehnt habe. Die Offerte habe im "mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich" gelegen, so dpa-AFX unter Berufung auf SolarWorld-Vorstandsvorsitzenden Frank Asbeck. General Electric wollte dies nicht bestätigen: Ein Sprecher des US-amerikanischen Konzerns erklärte auf ECOreporter.de-Nachfrage, dass General Electric grundsätzlich keine Anfragen dieser Art kommentiere.

Kyocera Corp. will zum weltgrößten vollintegrierten Photovoltaik-Konzern werden. Dazu habe man in Amerika und in Europa Solarmodul-Fabriken errichtet, teilte das japanische Unternehmen mit. Die neue Fabrik in Mexiko soll ab Oktober monatlich ein Megawatt Module ausstoßen, Ende 2005 sollen es bereits drei Megawatt sein. In der Tschechischen Republik soll der monatliche Produktionsausstoß von einem Megawatt im Oktober auf vier bis fünf Megawatt Ende 2005 steigen. Damit könne man die vier großen Solarmärkte Japan, Europa - hier vor allem Deutschland -, USA und China nun aus lokalen Produktionsstätten beliefern. Die Kapazität für die Zellenproduktion am japanischen Standort soll bis August 2005 auf 20 Megawatt pro Monat verdoppelt werden. Insgesamt seien zehn Milliarden Yen investiert worden, so Kyocera.

Das Mannheimer Energiedienstleistungs- und -verteilungsunternehmen MVV Energie AG hat die Prüfung der Werthaltigkeit seiner Beteiligungen und Firmenwerte abgeschlossen. Aus dem geprüften Gutachten ergebe sich ein wertzuberichtigender Betrag von insgesamt drei Millionen Euro, teilte MVV mit. Weiter hieß es, dass der ursprünglich mit 52 Millionen Euro veranschlagte Restrukturierungsaufwand um eine Million höher ausfallen werde. Insgesamt belaufen sich die Einmalaufwendungen damit auf rund 56 Millionen Euro. In der Presse war zuvor über weit höhere Beträge spekuliert worden. MVV plant älteren Mitteilungen zufolge im kommenden Jahr einen "zweiten Börsengang", um die Kasse für weitere Zukäufe zu füllen. Die MVV-Aktie legte bis zum Freitagabend sechs Prozent auf 14,55 Euro zu.

Die kanadische Trojan Technologies Inc. gab ein Übernahmeangebot bekannt. Der Hersteller von Technik für die Reinigung und Desinfektion von Wasser mittels UV-Licht soll durch die Danaher Corp. aufgekauft werden. Danaher biete den Trojan-Aktionären 10,65 Kanadische Dollar je Anteilsschein. Dieser Preis liege um 36 Prozent über dem Kurs von 7,85 Dollar vom 17. September. Bei 23,2 Millionen ausstehenden Aktien habe die Offerte ein Volumen von 247 Millionen Kanadischen Dollar. Trojan werde danach über bessere finanzielle Ressourcen sowie über eine stärkere globale Basis verfügen, sagte Trojan-CEO Marvin DeVries. Man werde in der Lage sein, in wichtige Märkte wie China, Osteuropa und Indien zu expandieren. Das Board of Directors habe der Offerte zugestimmt und empfehle den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Die Übernahme stehe unter der Bedingung, dass mindestens 66,67 Prozent der Aktien angedient werden, sowie behördlicher Genehmigung, so die Mitteilung. Der Kurs der Trojan-Aktien sprang in Toronto um 35 Prozent auf 10,57 Kanadische Dollar. Danaher ist an der New York Stock Exchange gelistet. Das Unternehmen mit 37.000 Mitarbeitern erzielte im Jahr 2003 einen Umsatz von 5,29 Milliarden US-Dollar. Zu den Produkten zählen Mess- und Steuerungstechnik für verschiedene Anwendungen, darunter für die Wasseraufbereitung.

Die im Bulletin Board gehandelte Aktien der WorldWater & Power Corp. notierten zeitweilig wieder über 0,30 Dollar, insgesamt legte der Kurs 3,5 Dollarcent auf 0,28 Dollar zu. Der US-amerikanische Hersteller von solar betriebenen Wasserpumpen hatte auf der Hauptversammlung über positive Entwicklungen bei Umsatz und Auftragseingang berichtet. Das Unternehmen benannte sich in WorldWater & Power Corp. (zuvor WorldWater Corp.) um.

Die Vossloh AG aus Werdohl stellte auf der Schienenverkehrsmesse InnoTrans die neue MaK 2000-4 BB vor. Die Diesellok sei nicht nur die leistungsstärkste dieselhydraulische Lokomotive der Welt auf vier Achsen, sondern mit ihrer aktiven Partikelfilterung auch in ihrer Klasse die weltweit sauberste. 99,8 Prozent der Feinstaubpartikel würden aus den Abgasen gefiltert. Die Lok sei darüber hinaus besonders leise, erläuterte das Unternehmen auf der Messe. Vossloh wurden am Freitagabend für 34,04 Euro gehandelt.

Zwischen dem dänischen und dem deutschen Umweltministerium gibt es Einigkeit über eine internationale Inititative, Abgaben auf Flugbenzin einzuführen, berichteten dänische Zeitungen. Eine solche Abgabe könnte den Wettbewerb zugunsten der Bahn entzerren.

Das deutsche Bundeskabinett hat mit der Veröffentlichung der Mehrwegquoten den Weg zur Ausweitung des Einwegpfands auf weitere Getränkeverpackungen frei gemacht. Ein Pfand auf beispielsweise Getränkekartons könnte allerdings durch den Bundesrat noch verhindert werden. Dieser hat die Entscheidung über eine Novelle der Verpackungsverordnung verschoben. Für die Hersteller von Rücknahmeautomaten besteht somit nach wie vor Unsicherheit über die Marktentwicklung in Deutschland. Tomra Systems ASA verloren in Oslo vier Prozent auf 23,60 Norwegische Kronen.

Fannie Mae, einer der weltgrößten Immobilienfinanzierer, ist Gegenstand einer Untersuchung der US-amerikanischen Überwachungsbehörde Federal Housing Enterprise Oversight (OFHEO). Die Behörde wirft Fannie Mae unter anderem Bilanzierungsmethoden und -praktiken vor, die nicht in Übereinstimmung mit den GAAP-Vorschriften stünden. Darüber hinaus werde eine Unternehmenskultur gefördert, die mehr dem Ziel stabiler Gewinne als korrekter Buchführung untergeordnet sei. Dies habe zu Zweifeln an der Richtigkeit zurückliegender Geschäftszahlen geführt. Nach Auffassung der OFHEO scheine das Management die Bilanzierungsregeln missachtet zu haben, um den Erwartungen der Analysten entsprechen zu können. Fannie Mae hat Kooperation mit der OFHEO und der Börsenaufsicht SEC zugesichert. Die Aktie sackte an der New Yorker Börse 15 Prozent auf 65,51 Dollar ab.

Ohne dass zunächst kursbeeinflussende Nachrichten bekannt wurden, verlor der US-amerikanische Hersteller batterieloser Stromversorgungsgeräte Active Power Inc. 13 Prozent auf 2,82 Dollar. In Deutschland loteten zwei Windenergie-Unternehmen neue Tiefs aus. Plambeck Neue Energien AG gaben 26 Prozent auf 1,04 Euro ab. Zeitweilig notierte die Aktie als Pennystock. Der Windparkprojektierer hat seinen Halbjahresbericht für den 28. September 2004 angekündigt. REpower Systems AG gaben acht Prozent auf 14,93 Euro nach. Einen Zugewinn von acht Prozent auf 15,68 Euro verbuchten Centrotec Sustainable AG, ein Hersteller von Wärmerückgewinnungsanlagen, Abgassystemen für Brennwerttechnik und Medizintechnik.

Active Power Inc. (ISIN US00504W1009 / WKN 502716)
Centrotec Sustainable AG (ISIN DE0005407506 / WKN 540750)
Fannie Mae (ISIN US3135861090 / WKN 856099)
General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)
MVV Energie AG (ISIN DE0007255903 / WKN 725590)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Trojan Technologies Inc. (ISIN CA8969241071 / WKN 902023)
UmweltBank AG (ISIN DE0007233025 / WKN 723302)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
Vossloh AG (ISIN DE0007667107 / WKN 766710)
WorldWater & Power Corp. (ISIN US98155N1063 / WKN 909889)


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.


Bildhinweis: Produktion bei Vestas / Quelle: Unternehmen;
Modul der Solarworld AG / Quelle: Unternehmen;
Vossloh-Lok / Quelle: Unternehmen;
Fannie Mae Präsident Raines / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x