28.07.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

28. 7.2004: Georgische Regierung stoppt umstrittenes Pipeline-Projekt - Wie reagieren die beteiligten Nachhaltigkeitsunternehmen?

Das BTC-Konsortium um den Mineralölkonzern British Petroleum (BP) erfüllt beim Bau der umstrittenen Pipeline durch die georgische Region Borjomi die vertraglich festgelegten Umweltauflagen nicht. Deshalb hat die neue Regierung Georgiens den Anfang Juli begonnenen Bau der Ölpipeline vorerst gestoppt. Das meldet der World Wildlife Fund for Nature (WWF). Umweltministerin Tamar Lebanidse werfe BP und seinen Konsortialpartnern unter anderem vor, beim Bau der Pipeline keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen gegen Erdbeben und terroristische Anschläge getroffen zu haben. Laut der Meldung führt die Pipeline durch Erdbeben gefährdete Gebiete. Im südlichen Kaukasus träten im Durchschnitt alle dreißig Jahre Erdbeben der Stärke 7,0 auf. Eine Ölpipeline wie die der BTC werde für etwa vierzig Jahre ausgelegt. Der Ölkonzern hatte mit dem Bau in Borjomi begonnen.

Das Pipelineprojekt Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC) ist dem WWF zufolge eines der teuersten und größten Bauprojekte der internationalen Ölindustrie: In der 3,6 Milliarden Euro teuren und 1.760 Kilometer langen Pipeline soll ab 2005 Öl von Baku in Aserbaidschan über Tiflis in Georgien bis nach Ceyhan in der Türkei fließen. Sie sichert dem Betreiberkonsortium Zugriff auf eines der größten Ölvorkommen der Welt im Kaspischen Meer. Die Pipeline führt unter anderem durch das direkte Umfeld des 80.000 Hektar großen Borjomi-Kharagauli-Nationalparks. Der erste Nationalpark Georgiens wurde 2001 mit Hilfe des WWF und der Kreditanstalt für Wiederaufbau eingerichtet.

Neben dem WWF zählen auch die Nichtregierungsorganisationen urgewald, WEED, Germanwatch sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zu den Kritikern des Pipeline-Projektes. An dessen Finanzierung beteiligen sich neben der Bundesregierung und dem Weltbank-Arm IFC auch die HypoVereinsbank und die West LB. Nach Angaben von Frank Mörschel vom WWF Deutschland hatten sich die internationalen Geldgeber zu Beginn des Projektes "als Garanten der Umweltstandards präsentiert". Sie müssten nun auch auf deren Einhaltung drängen. BP ist der größte Anteilseigner im BTC-Konsortium. Weitere Beteiligte sind: die norwegische Statoil, die aserbaidschanische SOCAR, Unocal Corporation, ConocoPhillips und Amerada Hess Corporation (alle USA), TotalFinaElf (Frankreich), Agip-Aserbaidschan (eine Tochtergesellschaft der italienischen ENI-Gruppe) und die japanische Itochu.

Bild: Gletscher und schneebedeckte Kaukasusgipfel in Georgien / Quelle: ECOreporter.de
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x