28.10.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

28.10.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Amerikanische Umwelttitel mit Kursgewinnen - Aktiensplits bei Solon und H Power

(H.K.) Wirtschaftsforscher und Volkswirte haben sich erneut pessimistisch über die Konjunkturaussichten Deutschlands geäußert. Die Entwicklung scheint ihnen Recht zu geben. Das Baugewerbe meldete einen starken Rückgang der Auftragseingänge. Der Einzelhandel rechnet mit weiter sinkenden Umsätzen, man fürchtet wachsenden Preisdruck durch die Großen der Branche. In den USA ist der Index der Frühindikatoren den vierten Monat in Folge gefallen. Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter ging dort ebenso zurück wie die allgemeine Wirtschaftsaktivität. Japan meldete hingegen eine weiter leicht verbesserte Stimmung der Verbraucher. Bankanalysten machten auf ein neues Problem aufmerksam, das auf international agierende Großkonzerne zukommen könnte: Aufgrund der langanhaltenden Aktienbaisse seien viele Pensionskassen unterfinanziert; künftig werde ein größerer Teil der Unternehmensgewinne zur Stützung derselben verwendet werden müssen.

Mehrere große Unternehmen traten mit Gewinn- oder Umsatzwarnungen an die Öffentlichkeit. Für Diskussionen sorgte die Warnung der Schweizer ABB Ltd. (WKN 919730). Die Aktie brach daraufhin um fast die Hälfte ein. Analysten von Merill Lynch merkten an, dass der CEO noch vor sechs Wochen die ursprünglichen Ziele bestätigt habe, nun - zwei Tage vor der Bekanntgabe der Quartalszahlen - aber eine Gewinnwarnung erfolge.

Die deutschen Aktienindizes sanken in der zurückliegenden Woche um etwa zwei Prozent, mit Ausnahme des MDAX, der nur 0,4 Prozent verlor. In den USA stiegen die Börsen weiter: Der Dow Jones Industrial Average legte anderthalb und der Nasdaq Combined Composite Index drei Prozent zu. Der japanische NIKKEI-225 gab vier Prozent ab. Nach gemäßigteren Tönen im Irak-Konflikt ist der Ölpreis wieder deutlich gefallen.

Eine aktuelle Marktstudie des Branchendienstes ECOreporter.de zeigt eine deutliche Zunahme bei den Investitionen in Umweltaktien: 2001 wurden 1,9 Milliarden Euro investiert, 1998 waren es erst 100 Millionen gewesen. Deutliche Verschiebungen gab es von Aktien hin zu Fonds und Zertifikaten. Der größte Teil des Geldes geht laut der Studie in die Branche der erneuerbaren Energien. Andere Quellen wollen herausgefunden haben, dass Privatanleger zunehmend auch Transparenz und Unternehmensführung zu Kriterien ihrer Investitionsentscheidungen machten - beides sind zugleich auch Kriterien nachhaltiger Geldanlage. Dem ethisch-ökologisch orientierten Investor kommt insofern das Europäische Parlament entgegen: In zweiter Lesung wurde der Weg für die EU-Richtlinie über Insider-Geschäfte und Marktmissbrauch frei gemacht.

Zu den Umweltaktien, die ohne wesentliche Nachrichten stiegen, zählten diesmal vor allem nordamerikanische Werte wie Active Power Inc. (WKN 502716) mit plus zehn und Energy Conversion Devices Inc. (WKN 858643) mit plus neun Prozent. Hersteller von Brennstoffzellen sind wieder mehr in den Blickpunkt gerückt. In den USA stiegen FuelCell Energy Inc. (WKN 884382) um 19 Prozent, in Kanada Ballard Power Systems Inc. (WKN 890704) um 15 und Stuart Energy Systems Corp. (WKN 579 775) sogar um 31 Prozent. Die Anzahl der Verlierer ist gering, nennenswerte Abgaben gab es bei dem Luftfilter- Spezialisten CECO Environmental Corp. (WKN 906379) und bei dem Kölner Kondomhersteller condomi AG (WKN 544490).

Die beiden in der Vorwoche gefallenen Windturbinen-Hersteller NEG Micon A.S. (WKN 897922) und Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769), beide aus Dänemark, legten nun wieder deutlich um über sieben Prozent zu. Hingegen fiel die deutsche Nordex AG (WKN 587357) um sieben Prozent auf 3,14 Euro zurück.

Bei den Aktien der Wassertechnologie verlor die österreichische Best Water Technology AG (BWT, WKN 884042) deutlich um elf Prozent auf 9,76 Euro. Die kanadische Trojan Technologies Inc. (WKN 902023), eine Spezialistin für die chemikalienfreie Wasseraufbereitung mittels UV-Licht, stieg um sieben Prozent auf glatte 10 kanadische Dollar (6,54 Euro), während die Düsseldorfer Konkurrentin Wedeco AG (WKN 514180) leicht schwächer bei 11,55 Euro notierte. Analysten von Equinet hatten Wedeco-Aktien zum Kauf empfohlen; sie berufen sich auf Pläne der UNO zur Trinkwasserversorgung in der Welt und rechnen mit steigendem Absatz für die Wedeco-Produkte. Das Kursziel laute 14,40 Euro.

Severn Trent Plc (WKN 878228), britischer Wasserversorger und Entsorgungsunternehmen, verteuerten sich um sechs Prozent auf 672,5 Pence (10,69 Euro). Das französische Pendant Vivendi Environnement SA (WKN 501451) meldete einen Großauftrag zur Wasseraufbereitung; die Aktie verlor dennoch fünf Prozent auf 23,40 Euro. Grund könnten neue Gerüchte über weitere geplante Anteilsverkäufe durch den Großaktionär Vivendi Universal SA gewesen sein.

Zwei Unternehmen haben sogenannte reverse Aktiensplitts durchgeführt. Der Berliner Solarmodul-Hersteller Solon AG hat im Zuge einer Kapitalherabsetzung die Anzahl der Aktien halbiert. Die Papiere mit der neuen WKN 747119 notierten am Freitag mit 1,35 Euro; der letzte Kurs der alten Aktien (WKN 724630) war am Freitag der Vorwoche mit 0,95 Euro festgestellt worden. Umsätze gab es kaum. Bereits am 17. Oktober hat der US- amerikanische Brennstoffzellen-Hersteller H Power Corp. die Aktienanzahl auf ein Fünftel reduziert. Die Anteilsscheine werden nun mit dem Symbol HPOWD an der Nasdaq gehandelt, der Kurs hat sich um die zwei Dollar eingependelt. Nach Ablauf von 20 Handelstagen soll wieder das ursprüngliche Symbol HPOW verwendet werden.

Heiß umstritten ist derzeit das Erkelenzer Unternehmen Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810). Am 25. Oktober waren die Aktionäre um Zustimmung zur Einbringung der Beteiligungsgesellschaft New Mine Energy GmbH und die damit einher gehende Kapitalerhöhung gebeten worden. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung gab es Kritik von Einzelaktionären und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Journalisten, Aktionäre und Analysten sind derzeit offenbar höchst verunsichert und beobachten das Unternehmen mit Misstrauen. Immerhin, der Börsenkurs hielt sich beinahe konstant bei 2,85 Euro.

Ganz anders der Kursverlauf der farmatic biotech energy AG (WKN 605192). Die Aktie hatte sich in den vergangenen Wochen nahezu versiebenfacht, um sich von Dienstag bis zum Freitag wieder auf 1,65 Euro zu halbieren. Am Freitag teilte der Aufsichtsrat mit, dass mit Hubert Loick nun ein neuer Vorstandsvorsitzender bestellt sei. Loick war bisher Mitglied des farmatic-Aufsichtsrats sowie Mitgeschäftsführer der zur Loick-Gruppe gehörenden ENR - Energiegesellschaft nachwachsender Rohstoffe mbH, Dorsten. ENR soll nun in die farmatic eingebracht werden, der Erwerb eines weiteren Unternehmens der Loick-Gruppe sei geplant. farmatic solle damit strategisch neu ausgerichtet werden. Nach dieser Mitteilung erholte sich der farmatic- Kurs wieder leicht auf 1,94 Euro, was um acht Prozent über dem Schlusskurs der Vorwoche liegt.

Der Freiburger Betreiber von Solarkraftwerken S.A.G. Solarstrom AG (WKN 702100) meldete für das im April abgelaufene Geschäftsjahr einen gut verdreifachten Umsatz. Der Jahresverlust betrage vier Millionen Euro. Für das schlechte Ergebnis machen die Freiburger Solarparkbetreiber Formfehler bei ihrer Kapitalerhöhung sowie den Einbruch des Solarmarktes verantwortlich. Für das aktuelle Rumpfgeschäftsjahr gebe es Chancen auf ein erstmals ausgeglichenes Ergebnis, hieß es. S.A.G. gaben sechs Prozent auf glatt drei Euro ab. In gleicher Höhe verloren die Scheine der Freiburger Solar-Fabrik AG (WKN 661471). Dagegen konnte der stark gefallene US-amerikanische Solarzellen-Hersteller Evergreen Solar Inc. (WKN 578949) wieder deutlich auf 0,58 Dollar zulegen. Auch Spire Corp. (WKN 870534) verzeichneten einen Kurssprung um 13 Prozent auf 2,42 Dollar. Spire stellt Ausrüstungen für die Produktion von Solaranlagen und medizinische Geräte her. Die Medizintechnik-Tochter hatte kürzlich einen Lizenz-Transfer gemeldet, der dem Unternehmen kurzfristig Geld einbringt.

Der schwäbische Tondachziegel-Hersteller Creaton AG (WKN 548303) meldete sinkende Umsätze für das Quartal. Creaton sanken unter geringen Umsätzen um sechs Prozent auf 9,55 Euro. Eine fast gleichlautende Meldung traf von dem Immenstädter Bekleidungshersteller Kunert AG (WKNs 634190, 634193) ein. Der Handel mit Kunert-Aktien ist fast völlig zum Erliegen gekommen, der Kurs für Stamm- und Vorzugsaktien liegt bei 7,50 Euro fest.

Die österreichische Agentur APA berichtete vorab über das Ergebnis des Tiroler Gasmotoren-Herstellers Jenbacher AG (WKN 851442). Demnach soll das Ergebnis leicht unter dem Rekordwert des Vorjahres liegen, es soll eine attraktive Dividende ausgeschüttet werden. Jenbacher zogen leicht auf 13,45 Euro an.

Der Schweizer Mischkonzern Sulzer AG (WKN 854367) berichtete über sinkende Auftragseingänge, das Betriebsergebnis werde in diesem Jahr geringer ausfallen als im Vorjahr. Sulzer ist auch in der Fertigung von Brennstoffzellensystemen tätig. Analysten der Zürcher Kantonalbank stuften die Aktie mit "Marktgewichten" ein. Sulzer brachen um neun Prozent auf 173,50 Schweizer Franken (118,28 Euro) ein.

Der schwedisch-finnische Holz- und Papierkonzern Stora Enso Oyj (WKN 871004) kündigte eine Umstrukturierung der Vermögenswerte an. Nach dem schwierigen dritten Quartal erwarte man "zögernde Fortschritte". Die Absatzmärkte für Holzprodukte seien stabil, im derzeit schwachen Papiermarkt sei eine leichte Belebung festzustellen, hieß es. Stora Enso notierten in Frankfurt unverändert bei 11 Euro.

Wie Transmeta Corp. (WKN 564775) berichtet, ist ihr energiesparender Crusoe-Prozessor von der Microsoft Corp. für eine spezielle Version des Windows XP-Betriebssystems zertifiziert worden. Laut Transmeta würden sich damit die Absatzmöglichkeiten für den Chip verbessern. Transmeta stiegen um 24 Prozent auf 0,97 Dollar.

Interface Inc. (WKN 868656), ein Hersteller ökologisch sinnvoller Bodenbeläge aus den USA, berichtete über die Ergebnisse des dritten Quartals. Der Umsatz sei gegenüber dem Vorjahresquartal leicht zurückgegangen. Der Verlust pro Aktie liege bei 0,05 Dollar (Vorjahr: 0,83 Dollar). Das Ergebnis sei durch Einmaleffekte beeinflusst und liege im Rahmen der Erwartungen des Managements. Eine Quartalsdividende gebe es nicht. Interface legten fünf Prozent auf 3,25 Dollar zu.
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