28.11.02

28.11.2002: ECOreporter.de-Interview mit Dr. Martina Streiter, Jenbacher AG: "Vorteile einer möglichen Übernahme liegen insbesondere in drei Bereichen."

Der österreichische Gasmotorenbauer Jenbacher AG (WKN 851442) steht möglicherweise vor einer Übernahme durch einen der größten Technologiekonzerne der Welt , die amerikanische General Electric Company (GE; WKN 851144). Wie das Unternehmen am 19. November in einer Ad hoc Mitteilung bekannt gab, wurde zwischen GE und der Mehrheit der Jenbacher-Aktionäre (55,56 Prozent der Aktien) ein aufschiebend bedingter Aktienkaufvertrag abgeschlossen. ECOreporter.de sprach mit Dr. Martina Streiter, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Jenbacher AG, zu Einzelheiten der geplanten Übernahme.

ECOreporter.de: Was verbirgt sich hinter dem in der Ad hoc Meldung genannten § 22 Absatz 11 Übernahmegesetz?
Martina Streiter: Das Gesetz sieht freiwillige Angebote und Pflichtangebote vor. In unserem Fall handelt es sich um ein freiwilliges Angebot von General Electric.

ECOreporter.de: Welche behördlichen Genehmigungen sind jetzt noch erforderlich?
Martina Streiter: Übernahmerechtliche und kartellrechtliche Genehmigungen sind damit gemeint.

ECOreporter.de: Was ist unter der Formulierung "Kontrollprämie" zu verstehen? Ist es zutreffend, dass die Mehrheitsaktionäre einen um 15 Prozent höheren Preis für ihre Anteile erhalten sollen? Im Gespräch sind 20,5 Euro.
Martina Streiter:Das ist eine Eigenheit im österreichischen Gesetz; Hintergrund ist die Idee, dass die Ausübung der Kontrolle über das Unternehmen honoriert werden sollte. Wir sind die Zielgesellschaft, der Vertrag zwischen den Großaktionären und GE liegt uns nicht vor und wir können keine Angaben zu dem Preis machen, der durch die Großaktionäre verhandelt wurde.

ECOreporter.de: Wer sind die Mehrheitsaktionäre?
Martina Streiter: Die Albona Privatstiftung hält mehr als 20 Prozent der Anteile, die Herbert Liaunig Privatstiftung mehr als 10 Prozent, die Bank in Liechtenstein mehr als 5 Prozent und die Grazer Wechselseitige Versicherung weniger als 5 Prozent.

ECOreporter.de: Wie wurde der Preis von 17,43 Euro ermittelt?
Martina Streiter: Der Preis wurde zwischen den Verhandlungsparteien ermittelt. Wir als Zielgesellschaft werden in einem eigenen Verfahren zu dem Übernahmeangebot Stellung nehmen, ich darf da jetzt nicht vorgreifen. Das Angebot des Bieters wird bis spätestens Ende Januar 2003 vorliegen.

ECOreporter.de: Noch im Frühjahr wurden die Gerüchte um einen Verkauf der Mehrheitsaktionäre dementiert. Nach unseren Information wurde die Jenbacher-Aktie als "unterbewertet" angesehen und ein Kurs von mehr als 20 Euro für angemessen bezeichnet. Was hat sich seitdem an der Situation des Unternehmens und der Grossaktionäre verändert? Weshalb zieht sich mit der Jenbacher AG ein gesundes und rentables Unternehmen von der Börse zurück?
Martina Streiter: Die Vorteile einer möglichen Übernahme durch GE für unser Unternehmen liegen insbesondere in drei Bereichen:

- Das Vertriebsnetz wird deutlich enger. Dadurch verbessert sich unser Marktzugang.
- Mit General Electric im Rücken werden sich unseren Einkaufskonditionen deutlich verbessern.
- Mit Hilfe der GE-Capital wären wir in der Lage, unseren Kunden attraktive Finanzierungsmodelle für unsere Anlagen - zum Beispiel in Form von Leasing - anzubieten.

ECOreporter.de: Wird es zu Synergieeffekten im Rahmen der Übernahme kommen? Sind Arbeitsplätze bei Jenbacher durch die Übernahme gefährdet?
Martina Streiter: Nein, GE will mit Jenbacher ein Unternehmen, das profitabel arbeitet und mir seinen Produkten das Konzernportfolio erweitert, kaufen. GE kann uns vielmehr darin unterstützen, die bereits begonnene Expansion beschleunigt voranzutreiben.

ECOreporter.de: Frau Dr. Streiter, wir danken Ihnen für das Gespräch.
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