28.11.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

28.11.2006: "Windkraftprojekte im Ausland sind sehr attraktiv" - ECOreporter.de-Interview mit Cerstin A. Lange, Sprecherin der Energiekontor AG

Der Markt für Erneuerbare-Energien-Beteiligungen befindet sich im Umbruch. Seit dem "Aus" für reine Steuersparmodelle im November 2005 werden nur noch wenige Windfonds angeboten. Was tun Windprojektierer, um am Markt zu bestehen? Wie attraktiv sind Windkraft-Investments im Ausland? Und wie reagieren die Anleger auf die veränderten Rahmenbedingungen? Über diese und weitere Fragen sprach ECOreporter.de mit Cerstin A. Lange, Sprecherin der Energiekontor AG.

ECOreporter.de: Wie entwickelt sich der Markt für Neue-Energie-Fonds nach dem Wegfall der Steuervorteile seit November 2005? Die Energiekontor AG hat über Jahre hin einen großen Kundenstamm aufgebaut, werden Sie in 2006 noch neue Windkraftprojekte auf den Markt bringen?
Cerstin A. Lange: Die Nachfrage in 2005 war so stark, dass wir erst zum Jahresende ein neues Projekt auf den Markt bringen können. Dabei handelt es sich um eine Beteiligung an einem portugiesischen Windpark, von den Steueränderungen in Deutschland ist sie nicht betroffen. Durch ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen den Ländern unterliegt es ausschließlich dem Progressionsvorbehalt, die Ausschüttungen sind in Deutschland steuerfrei.

Seit letztem Jahr ist die Verrechnung von Verlusten nur noch innerhalb derselben Beteiligung möglich, nicht mehr mit anderen Einkunftsarten. Für deutsche Projekte bedeutete das, dass die Ausschüttungen innerhalb der ersten zehn Jahre steuerfrei sind. Wir gehen davon aus, dass dieses Modell für viele Investoren interessant ist.

ECOreporter.de: Gibt es neben den Steuergesetzänderungen bei den Windfonds weitere Änderungen im Markt, die sich auswirken, z.B. geänderte Anlagenpreise und Lieferzeiten? Welche Rolle spielt das für Fonds?
Lange: Verändert hat sich vor allem der Anlagenmarkt. Die hohen Stahlpreise haben dazu geführt, dass die Anlagen deutlich teurer geworden sind. Gleichzeitig haben sich die Lieferfristen verlängert. Vor diesem Hintergrund kann man die vorgesehene Degression im EEG hinterfragen; denn hier ist man immer von sinkenden Preisen ausgegangen. Grundsätzlich sind steigende Preise für einen Fonds nicht zu begrüßen, die Wirtschaftlichkeit hängt aber von so vielen Faktoren ab, dass die Anlagenpreise nicht allein entscheidendes Kriterium sind.

ECOreporter.de: Was für Renditen können Ihrer Einschätzung nach aktuell mit Windkraftbeteiligungen im Inland erwirtschaftet werden?
Lange: Die Rendite kann zwischen sieben und neun Prozent liegen.

ECOreporter.de: Wie attraktiv sind Fondsprojekte im Ausland?
Lange: Sehr attraktiv. Mit höheren Windgeschwindigkeiten erwartet den Anleger auch eine höhere Rendite. Wir betreiben sowohl in Großbritannien als auch in Portugal Windparks, die wir sehr gut am Markt platzieren konnten. Die Windgeschwindigkeiten sind dort mit über 7,5 m/s herausragend. Außerdem gibt es in beiden Ländern eine gesicherte Einspeisevergütung.

ECOreporter.de: Wie hoch sind die geplanten Ausschüttungen und die Verzinsung für Ihr neues Projekt in Portugal und wann wird der Emissionsprospekt erhältlich sein?
Lange: Der Prospekt erscheint Anfang Januar 2007. Die Ausschüttungen belaufen sich über die gesamte Laufzeit des Fonds auf 302 Prozent. Hinzu kommen weitere 48 Prozent, durch den von uns garantierten Rückkauf der Anlagen für 20 Prozent des Festpreises. Die Rendite nach den Internen Zinsfuss (IRR) wird zehn Prozent betragen. Das Gesamtinvestitionsvolumen für das Vorhaben liebt bei 10,5 Millionen Euro, davon wollen wir 3,72 Millionen als Eigenkapital einwerben.

ECOreporter.de: Wie sehen Sie die Situation für Finanzvermittler, die sich in den letzten Jahren auf die Vermittlung von Windfonds spezialisiert haben: Haben die Ausweichmöglichkeiten?
Lange: In diesem Jahr war das Angebot an Windkraftfonds unterdurchschnittlich. Das wird sich in den nächsten Jahren aber wieder normalisieren. Wie sich andere Finanzmakler aufgestellt haben, kann ich nicht beurteilen. Bei Energiekontor gab es vor etwa zwei Jahren einen tiefen Einschnitt bei der Zahl der Beschäftigten. Wir haben unsere Kräfte gebündelt: Die verbliebenen Mitarbeiter sind überwiegend schon lange im Geschäft, sehr erfahren und vielseitig einsetzbar.

Aktuell sind wir nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland sehr gut aufgestellt. Aufgrund der Betriebsführung für neue Projekte haben wir im laufenden Jahr eher Personal eingestellt.

ECOreporter.de: Wie viel Eigenkapital hat Ihr Unternehmen in 2005 für Erneuerbare-Energien-Projekte eingeworben und wie viel wollen sie voraussichtlich im laufenden Geschäftsjahr einwerben?
Lange: Im letzten Jahr konnten wir unser Volumen im Vergleich zu 2004 um 50 Prozent erhöhen. In 2005 haben wir über 18,2 Millionen Euro Eigenkapital platziert. In 2004 waren es noch 12,1 Millionen Euro. Da die Platzierung unseres Portugalprojekts erst Anfang 2007 beginnt, werden wir in 2006 voraussichtlich kein Eigenkapital einwerben.

ECOreporter.de: Wie sehen Sie aktuell die Chancen der verschiedenen Segmente: Windkraft, Solarenergie und Biomasse?
Lange: Die Energieformen haben unterschiedliche Stärken. Wir haben und werden uns ganz auf den Bereich Windkraft konzentrieren, da wir hier große Potenziale, auch in Europa, sehen.

ECOreporter.de: Frau Lange, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Cerstin A. Lange; Turmsegent einer Windkraftanlage von Energiekontor / Quelle: Unternehmen
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