27.01.02

28.1.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Licht und Schatten bei den Umweltaktien: Transmeta mit erster Erholung - Energiekontor unter Druck

(H.K.) Die Aktien des Bremer Windparkprojektierers Energiekontor AG (WKN 531 350) verloren in dieser Woche 21 Prozent auf 9,09 Euro. Zeitweise wurden nur noch 8,40 Euro für die Papiere gezahlt - ein historischer Tiefstand. Ausgelöst hat diesen Kursrutsch ein Zeitungsartikel, demzufolge Energiekontor drei Windparks zurückkaufen "müsse", weil Anleger über geringere Renditen "geklagt" hätten als in den Prospekten ausgewiesen. Das Unternehmen sei in der Krise.

In einer am Freitag verbreiteten Stellungnahme stellte der Energiekontor-Vorstand richtig, dass es sich nicht um Klagen im juristischen Sinne handele. Drei von insgesamt 45 durch das Unternehmen errichteten Windparks lieferten nicht die prognostizierten Erträge, darüber gebe es Beschwerden von privaten Anteilseignern der Parks. Die Windparks würden rentabel arbeiten; Energiekontor stehe mit den Windpark-Beiräten in Verhandlungen und sei bereit, im Interesse der Kundenzufriedenheit die Parks auch komplett zurückzukaufen. Nach Angaben des Unternehmensvorstands würde ein Rückkauf die Energiekontor AG wirtschaftlich nicht wesentlich belasten. Von einer Krise könne keine Rede sein. Zuvor hatte Energiekontor bestätigt, dass die im Dezember nach unten korrigierten Ergebniserwartungen eingehalten würden. Die Korrektur war wegen Projektverschiebungen erforderlich geworden; für das erste Quartal 2002 rechnet man daher mit höheren Umsatz- und Ergebniszahlen. Analysten der Bank Merck Finck & Co. bekräftigten am Freitag ihre Empfehlung, Energiekontor-Aktien zu kaufen.

Auf einer Fachverbandstagung bestätigte der Bundesumweltminister das Ziel seines Ministeriums, die Rahmenbedingungen für die Windkraft, insbesondere für Windparks auf See (sog. Offshore-Anlagen) weiter zu verbessern. Gleichzeitig gab die Energiebehörde des US-Bundesstaates Kalifornien Pläne bekannt, Staatsanleihen über fünf Milliarden Dollar auszugeben, um damit Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur Energieeinsparung mitzufinanzieren.

Der Hamburger Windparkprojektierer P&T Technology AG (WKN 685 280) teilte mit, dass er in die Errichtung von Offshore-Windparks einsteigen wolle. Begründet wurde die Veränderung in der Geschäftspolitik mit der attraktiven Kostensituation für einen vor der polnischen Küste geplanten Windpark. Spätestens 2004 solle mit dem Bau begonnen werden; die Aufwendungen für die vorgeschriebenen Untersuchungen würden eine Mio. Euro betragen. Der Aktienkurs sank nach dieser Meldung unter geringem Handelsvolumen bis auf 9,25 Euro ab; der Schlusskurs von 9,40 Euro bedeutet ein Wochenminus von sechs Prozent. P&T hat unter anderem eine Tochtergesellschaft in Kalifornien; in verschiedenen Bundesstaaten der USA werden gegenwärtig Windparks errichtet.

Die Papiere der Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760 810, Erkelenz) verloren vier Prozent auf acht Euro; Plambeck Neue Energien AG (WKN 691 032, Cuxhaven) ein Prozent auf 20,65 Euro. Die Österreichische Erste Bank hat die Plambeck-Aktie auf ihre Empfehlungsliste gesetzt; man sehe für den Kurs noch Spielraum nach oben, hieß es.

Einen weiteren Großauftrag meldete der Norderstedter Windkraftanlagenbauer Nordex AG (WKN 587 357). Die Bank ABN Amro empfahl zum dritten Mal in diesem Monat, die Aktie zu kaufen. Der Kurs stieg um ein Prozent auf 7,55 Euro. Am Rostocker Produktionsstandort verlangten die Nordex-Beschäftigten in einem Warnstreik gleiche Lohnbedingungen in Ost und West. Der dänische Konkurrent Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913 769) will in einer neu errichteten Rotorblattfabrik im Land Brandenburg demnächst 400 neue Mitarbeiter einstellen. Vestas hat nach eigenen Angaben im Jahr 2001 seinen Marktanteil in Deutschland um sechs Prozent gesteigert, die Umsätze in den USA lägen hingegen unter den Erwartungen. In diesem Jahr plane man, für Offshore-Anlagen geeignete Drei-Megawatt-Maschinen zu bauen. Die Vestas-Aktie verlor 17 Prozent auf 182 dänische Kronen, das sind rund 24,50 Euro.

Der Bonner Solarkonzern SolarWorld AG (WKN 510 840) hat seinen Anteil an dem Tochterunternehmen WindWelt AG (WKN 635 253) auf 85 Prozent erhöht. Als Begründung nannte SolarWorld unter anderem die derzeit günstige Bewertung der WindWelt-Aktie. Der Kurs der WindWelt stieg um 13 Prozent auf 7,50 Euro, während die SolarWorld-Papiere um drei Prozent auf 34 Euro nachgaben.

Beim Berliner Solarmodulhersteller Solon AG (WKN 724 630) wurde wegen hoher Bilanzverluste eine außerordentliche Hauptversammlung abgehalten. Die Solon-Aktien sanken um sechs Prozent auf 2,45 Euro ab. Die Anteilsscheine der US-amerikanischen Astropower Corp. (WKN 912 953) stiegen um drei Prozent auf 39,60 Dollar.

Seit Jahresanfang in einem Aufwärtstrend befinden sich die Aktien der Nortorfer farmatic biotech energy AG (WKN 605 192). Sie legten auch in dieser Woche zwei Prozent auf 16,50 Euro zu. Ähnlich wie bei deutschen Windparks gibt es nun auch bei den von farmatic errichteten Biogas-Kraftwerken die Möglichkeit für Privatanleger, sich an den Erträgen über den Erwerb von Anteilen geschlossener Fonds zu beteiligen.

Der Kurs des österreichischen Spezialmaschinenbauers Jenbacher AG (WKN 851 442) fiel bis auf 13,10 Euro. Der Schlusskurs von 13,98 Euro entspricht einem Wochenminus von vier Prozent. Gründe für den Kurssturz wurden nicht bekannt. Jenbacher-Gaskraftwerke eignen sich unter anderem auch für die Energiegewinnung aus Biogas.

Um 36 Prozent auf 3,47 Dollar stieg der Kurs des nordamerikanischen Chipherstellers Transmeta Corp. (WKN 564 775). Die Aktie ist im Natur-Aktien-Index (NAI) enthalten. Das Unternehmen hatte in der Vorwoche kräftige Umsatzsteigerungen angekündigt. Die ebenfalls im NAI enthaltene Kölner Condomi AG (WKN 544 490) berichtete über eine Kapitalerhöhung. Ein Großaktionär habe leihweise 378.750 Condomi-Aktien zur Verfügung gestellt, die unter Führung der Stadtsparkasse Köln bei institutionellen Investoren zum Preis von 17 Euro platziert worden seien. Die Kapitalerhöhung sowie die Zulassung der neuen Aktien würden nun eingeleitet. Condomi meldete außerdem den Eingang neuer Großaufträge sowie die Gewinnung weiterer Vertriebspartner in verschiedenen europäischen Ländern. Der Kurs stieg leicht auf 18 Euro an.

Der Luftschiffbauer Cargolifter AG (WKN 540 261) kündigte Veränderungen in Vorstand und Aufsichtsrat an. Die im MDax enthaltenen Aktien hatten in der Vorwoche 32 Prozent ihres Wertes verloren, nachdem eine Zeitung vom drohenden finanziellen Aus gesprochen hatte. Das Unternehmen wird sich nun nach eigenen Angaben um verschiedene Möglichkeiten der Finanzierung bemühen, darunter weitere öffentliche Förderung; erste Gespräche auf mehreren politischen Ebenen seien bereits geführt worden. Außerdem gab man weitere Kooperationen zum Bau der Luftschiffe sowie die vorläufigen Quartalszahlen bekannt. Die Regierungsfraktionen haben die Bundesregierung aufgefordert, die Luftfahrtforschung stärker an der Nachhaltigkeit auszurichten. Ein Sprecher der Grünen nannte dabei ausdrücklich das Unternehmen CargoLifter. Die Aktien stiegen um sechs Prozent auf 3,92 Euro.

Einen Vertrag im Gesamtvolumen von 2,5 Mio. Euro gab das Berliner Telematik-Unternehmen IVU Traffic Technologies AG (WKN 744 850) bekannt. Die IVU-Aktie stieg um zehn Prozent auf 1,60 Euro. Die SW Umwelttechnik Stoiser & Wolscher AG (WKN 910 497) ist mit dem Umweltpreis der österreichischen Industrie ausgezeichnet worden. Die Papiere verbilligten sich um zwei Prozent auf 44,90 Euro. Eine erhöhte Dividende kündigte die österreichische Mayr-Melnhof Karton AG (WKN 890 447) an. Die Anteilsscheine stiegen um weitere fünf Prozent auf 58,55 Euro.

Einem Zeitungsbericht zufolge hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf unangemeldeten Insiderhandel gegen den Vorstand der norwegischen Tomra Systems ASA (WKN 872 535) eingeleitet. Der Kurs des Weltmarktführers für Pfandrücknahmeautomaten und Recyclingzentren schloss mit 60 norwegischen Kronen unverändert zur Vorwoche. Wegen verändertem Wechselkurs entspricht dies nun 7,65 Euro. An der Osloer Börse haben kurssenkende Transaktionen derzeit höhere Volumina als kurssteigernde; dies lässt auf nach wie vor erhöhten Abgabedruck schließen.

Im Gesamtmarkt herrscht weiter Unsicherheit. Die wichtigsten Indizes der Weltbörsen stiegen geringfügig an. Den stärksten Zuwachs hatte der deutsche Index für mittelgroße Unternehmen zu verzeichnen, der MDax: Er stieg um ein Prozent auf 4.406 Punkte.


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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