28.01.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

28.1.2005: Nach dem R?cktritt des gesamten Aufsichtsrates: Wie geht es weiter mit der unit energy europe ag?

Der Aufsichtsrat ist geschlossen und kommentarlos zur?ckgetreten, das Wasserkraftwerk Ancinale ist Gegenstand eines Rechtsstreits (ECOreporter.de berichtete) - wie geht es weiter mit der unit energy europe ag aus Bad Homburg? ECOreporter.de sprach mit Vorstand Walter Felix Beyer ?ber die Situation der Gesellschaft.

ECOreporter.de: Herr Beyer, alle drei Aufsichtsr?te der unit energy europe AG haben Ende 2004 ihr Amt niedergelegt. Die Mitglieder des Gremiums waren dem Unternehmen ?ber viele Jahre verbunden, haben teilweise auch schon als Vorstand für die unit energy europe gearbeitet. Wie kam es zu dem Entschluss des Aufsichtsrates?

Walter Felix Beyer: Die ehemaligen Aufsichtsr?te m?chten zu ihrem R?cktritt und ihren einzelnen Gr?nden keine Stellungnahme abgeben und gehen davon aus, dass auch ich das nicht tue. Bitte haben Sie deshalb Verst?ndnis daf?r, dass ich den R?cktritt der Aufsichtsr?te nicht kommentiere.

ECOreporter.de: Gab es gravierende Differenzen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ?ber die F?hrung des Unternehmens? Wenn ja, um welche Streitpunkte ging es?

Beyer: Unterschiedliche Auffassungen bei verschiedenen Unternehmensprozessen sind nur nat?rlich. Das bedeutet aber nicht gleich, dass es "gravierende Differenzen" oder un?berbr?ckbare Hindernisse gibt. Jeder muss für sich entscheiden, was der richtige Weg ist. Dabei kann man durchaus zu unterschiedlichen Auffassungen gelangen. Die hat man m. E. aber zu respektieren und zwar kommentarlos. So werde ich es auch weiterhin halten.

ECOreporter.de: Wie ist die Aktion?rsstruktur Ihres Unternehmens? Gibt es Gro?aktion?re mit einem Stimmrechtsanteil von mehr als 20 Prozent? Wenn ja, um wen handelt es sich?

Beyer: Die unit energy europe AG hat circa 5000 Aktion?re. Die Aktien befinden sich im Streubesitz. Klassische Gro?aktion?re mit einem Stimmenanteil um die 20 Prozent gibt es bei uns nicht. Der gr??te Aktion?r - eine katholische Ordensgemeinschaft - hat etwa 3 Prozent der Aktien. Dann gibt es noch einige Gro?aktion?re: Einzelpersonen mit einem Anteil etwas unter 2 Prozent. Hierzu geh?rt auch Bernd Weber (Anmerkung der Redaktion: ehemaliger Vorstand und bis Ende 2004 Aufsichtsrat der unit energy europe), der nach wie vor als Nat?rliche Person die meisten Aktien in dieser Gruppe h?lt.

ECOreporter.de: In der ?ffentlichkeit gibt es noch immer keine Klarheit ?ber den Stand Ihrer Bem?hungen um die R?ckgewinnung der Kontrolle ?ber das italienische Projekt Ancinale. Sind Sie dabei weiter gekommen?

Beyer: Die Gesellschaft befindet sich inzwischen wieder in unseren H?nden und meine Bestellung zum Gesch?ftsf?hrer wurde bereits bei Gericht eingereicht. Aber das Kraftwerk selbst ist nach wie vor im Besitz anderer. Hiergegen haben wir alle rechtlich m?glichen Schritte eingeleitet. Ich setze auf das gemeinsame Rechtsverst?ndnis des in Parma angerufenen Gerichts. Es wird sicher noch eine Zeit dauern, bis das Gericht einen ordentlichen Rechtsstatus wieder herstellt.

Unabh?ngig davon strebe ich nach wie vor an, in einem au?erprozessualen Gespr?ch eine Einigung zu finden.

ECOreporter.de: Wie weit ist der zust?ndige Energieversorger Enel mit dem Bau des Netzanschlusses? Gehen die Arbeiten voran?

Beyer: Ich wei? aus zuverl?ssiger Quelle, dass der Netzanschluss für ca. 3 MW fertiggestellt ist. Green Energy Technolgies (GET; Generalunternehmer für das Kraftwerk Ancinale in Italien) muss zun?chst an der Erdung weitere Ma?nahmen vornehmen, damit Enel eine h?here Kapazit?t zulassen kann.

ECOreporter.de: Wie oft haben und hatten Sie in der Vergangenheit pers?nlich Gelegenheit, sich vom Stand der Arbeiten in Ancinale zu ?berzeugen?

Beyer: Ich selbst hatte mehrfach Gelegenheit, mich vom Bauzustand zu ?berzeugen, das gilt auch für die Herren Schwarzenbohler und Dr. Jovkov (Anmerkung der Redaktion: Amtierender Aufsichtsrat und ehemaliger Mitarbeiter im Bereich Wasserkraft). Ich erhalte zu jeder Zeit zuverl?ssige Informationen ?ber den Stand der Entwicklung.

ECOreporter.de: Wenn es im laufenden Gesch?ftsjahr nicht zur erhofften Inbetriebnahme von Ancinale kommt, wie lange kann die unit energy europe mit der verbliebenen Liquidit?t noch durchhalten?

Beyer: Mir ist vor einigen Tagen mitgeteilt worden, dass Enel die Produktionsaufnahme des Kraftwerks best?tigt hat. Ancinale produziert bzw. hat produziert. Nach j?ngsten - bislang unbest?tigten - Informationen soll das Kraftwerk derzeit still liegen. Die Gr?nde daf?r sind mir noch nicht bekannt.
Wie gesagt, die Inbetriebnahme hatte gerade begonnen. Aber wenn wir die Einnahmen nicht bekommen, ist es wirtschaftlich irrelevant, ob Ancinale produziert oder nicht. Lediglich ein Gutes hat die Inbetriebnahme: technisch scheint beim Start alles gut gegangen zu sein.

Wie lange wir das durchhalten, h?ngt von verschiedenen Aspekten ab. Ich habe mich in der letzten Zeit intensiv der Suche nach einem Investor gewidmet. Daf?r habe ich zusammen mit Beratern ein Investorenkonzept erstellt. Das umfasst einen F?nf-Jahres-Plan. Wichtig sind zum einen die darin enthaltenen für uns akquirierbaren Projekte der Wasser-, Windkraft und Photovoltaik. Eine wesentliche Rolle spielt zum anderen jetzt unser immenser Verlustvortrag. Bis dato war dieser Punkt wegen anderer zu hoher Risiken im Unternehmen nur von untergeordneter Bedeutung, aber mittlerweile sind nahezu alle Probleme der Vergangenheit beseitigt und die Sanierung ist weitgehend abgeschlossen.

Wir werden nun für Industrieunternehmen interessant, die in unserer Branche aktiv sind. Gegenw?rtig verhandeln wir mit verschiedenen Investoren ?ber ein nicht unbetr?chtliches Investment.

Es wird n?tig sein, den l?ngst anstehenden Kapitalschnitt zu vollziehen. Bei einem Aktienkurs von gegenw?rtig ca. 0,15 Euro wird niemand bereit sein, Aktien mit einem Nennwert von 1,0 Euro zu zeichnen. Unser Ziel muss dabei ein Kurs von 1,0 Euro je Aktie sein. Wir m?ssen auf der n?chsten Hauptversammlung diesen Kapitalschnitt beschlie?en. Gleichzeitig soll das Kapital ohne und mit Bezugsrecht der Aktion?re erh?ht werden. Geplanter Ausgabekurs: 1,0 Euro je Aktie. Wir verf?gen derzeit noch ?ber Genehmigtes Kapital I und II in H?he von ca. 3,5 Millionen Euro und 2,6 Millionen Euro Das sollten wir aussch?pfen. Nur mit dem dadurch eingeworbenen Kapital ist ein Neustart der unit energy sichergestellt.

Wir wollen die g?nstige Zeit für den Neustart nutzen. Deshalb plane ich, die diesj?hrige Hauptversammlung schon für Ende April/Anfang Mai. Einzelheiten zum Investorenkonzept, zum Kapitalschnitt und den Kapitalerh?hungen werde ich rechtzeitig den Aktion?ren darlegen. Ich werde soweit m?glich auch ?ber den Stand in Italien berichten.

ECOreporter.de: Herr Beyer, wir danken Ihnen für das Gespr?ch!

Bilder: Walter Felix Beyer; Wasserkraftwerk Ancinale (Bild vor der Inbetriebnahme) / Quelle: Unternehmen

unit energy europe AG: ISIN DE0007760100 / WKN 776010
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