28.03.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

28.3.2006: Windkraftaktien haben seit Jahresbeginn kräftig zugelegt - Wird der Rückenwind anhalten? ECOreporter.de sprach mit Branchenexperten

Aktien von Unternehmen aus der Neue-Energie-Branche zählen seit einem Jahr zu den erfolgreichsten Titeln an den Börsen. Windkraft-Aktien bekamen den Rückenwind für die Branche erst in diesem Jahr so richtig zu spüren - aber dann oft deutlich: Einige verdoppelten innerhalb kurzer Zeit ihre Kurse. Experten bewerten die weiteren Aussichten der Unternehmen differenziert.

Die Vestas Wind Systems A/S aus dem dänischen Randers ist der Weltmarktführer bei den Windkraftanlagenherstellern. Der Aktienkurs der Nummer eins der Branche lag vor einem Jahr bei elf Euro, vor sechs Monaten bei 21 Euro, es folgte ein Absturz auf zwölf Euro, nun hat sich die Aktie wieder auf über 16 Euro vorgearbeitet. "Vestas hat derzeit Probleme", sagt Olaf Martin, Fondsmanager der Züricher Bank Vontobel und Manager des Vontobel Fund - Global Trend New Power Tech. "Vestas fällt es schwer, das starke Wachstum zu steuern und die zugekauften Unternehmen zu integrieren. Wir halten in unserem Vontobel Fund - Global Trend New PowerTech keine Aktien von Vestas", so Martin. Er meint, der Kurs werde derzeit durch die Übernahmespekulationen im Markt gestützt. Als Interessent für Vestas gilt insbesondere der US-Konzern General Electric. Arthur Hoffmann, der bei der Baseler Bank Sarasin AG den New Energy Fund managt, sagt: "Vestas steht derzeit unter Druck." Die Dänen seien bei den Kaufverhandlungen um den belgischen Getriebehersteller Hansen Transmission nicht zum Zuge gekommen. "Das ist schlecht, denn das Getriebe ist eines der Herzstücke einer Windturbine, es macht zudem rund zehn Prozent der Kosten für eine Anlage aus", so Hoffmann. Längerfristig habe Vestas das Problem, dass es nur wenige Getriebelieferanten gebe, unter ihnen sei Hansen Transmission der größte Lieferant. "Das kann teuer für Vestas werden, es drohen Margenprobleme", so Hoffmann.
Aus seiner Sicht hat Vestas überdies regelmäßig enttäuscht. Hoffmann hat die Anzahl der Vestas-Aktien im New Energy Fonds reduziert. Die Übernahmephantasien seien aufgrund des vergleichsweise niedrigen Börsenwertes zu beachten, sagt er. "General Electric beispielsweise könnte den aktuellen Börsenwert von Vestas locker bezahlen", gibt er zu bedenken. ."

Statt den Dänen hat ein indisches Unternehmen die Mehrheit bei dem belgischen Getriebehersteller Hansen Transmission übernommen: der Windanlagenbauer Suzlon Energy Limited, dessen Aktien derzeit nur in Indien gehandelt werden. Suzlon operiert nach Beobachtung von Vontobel-Fondsmanager Martin "aggressiv". Der Schweizer bezeichnet Suzlon als "sehr interessant". Auch Sarasin-Experte Hoffmann lobt die Inder: "Das Unternehmen war bisher ein Außenseiter. Aber jetzt fahren sie auf der Wachstumsschiene."

Rosige Zukunftsassichten gibt es für die Windanlagenbauer vor allem in den USA und China. Nahezu jede Woche melden die Hersteller Abschlüsse im dreistelligen Millionen Euro Bereich. Philipp Spitz, Analyst bei der Bonner Murphy&Spitz Umwelt Consult GmbH und Geschäftsführer der Umwelt Aktiendepots Welt und Deutschland, sagt: "Internationale Energieerzeuger und Finanzinvestoren bauen derzeit Windkraftportfolios auf. Das steigert die Nachfrage nach Windturbinen; die Verkaufspreise der Turbinenbauer sind, wie zu hören ist, teilweise im zweistelligen Prozentbereich angestiegen." Spitz kalkuliert, dass die Umsätze und Gewinnmargen der Turbinenbauer mindestens kurz- bis mittelfristig deutlich klettern werden - und das sei in den Aktienkursen noch nicht vorweggenommen, meint er.

Dagegen sieht Vontobel-Fondsmanager Martin beispielsweise die Bewertung der Aktie der Norderstedter Nordex AG schon jetzt als hoch an. "Die Windenergieaktien sind eben in der Vergangenheit schon sehr gut gelaufen", sagt er. Nordex stand 2005 noch auf der Kippe; im Zuge einer Kapitalherabsetzung sowie anschließender Barkapitalerhöhung übernahmen die Investorengruppen CMP und Goldman Sachs rund 31,45 Millionen Aktien des Unternehmens. Weitere Kapitalmaßnahmen folgten. Seit Anfang 2006 kletterte die Nordex-Aktie von gut fünf Euro um über 60 Prozent auf 8,66 Euro.

Der Schweizer Neue-Energie-Fachmann sieht auf dem gegenwärtigen Niveau auch die Nordex-Konkurrentin REpower Systems AG aus Hamburg als teuer an. Das Unternehmen habe zwar einen starken Großaktionär, den französischen Energiekonzern Areva. Auch die zukunftsweisende 5-Megawatt-Technologie spreche für Repower. Um den aktuellen Aktienpreis von 44,16 Euro, immerhin gut 40 Prozent höher als zu Jahresbeginn, zu rechtfertigen, müsse das Unternehmen die Profitabilitätsziele erreichen, die es seit Jahren ausgebe. Im Geschäftsjahr 2005 wuchs der Fehlbetrag der Gesellschaft beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf minus 4,3 Millionen, nach einem Minus von 3,4 Millionen Euro im Vorjahr. Bis zum 6. April 2006 läuft die Bezugsfrist für eine Kapitalerhöhung der REpower Systems AG. Sie soll fast 80 Millionen Euro in die Kassen der Gesellschaft spülen.

Nicht nur die großen Anlagenbauer profitieren von der weltweit wachsenden Nachfrage nach Windkrafttechnologie. Der US-amerikanischen Zulieferer Zoltec Companies aus St. Louis/Missouri, hat sich auf Glasfasern spezialisiert, dem Grundmaterial für die Flügel der Windräder. Die Anlagen werden immer größer, und das Gewicht der Rotoren muss möglichst gering sein. Gleichzeitig müssen die teilweise über 60 Meter langen Rotorblätter stürmischen Belastungen gewachsen sein. Die Zoltec-Materialien sind derzeit gefragt - ein Grund dafür, dass die Aktie seit Anfang des Jahres mehr als 100 Prozent zugelegt hat.

Um knapp 100 Prozent kletterte die Notierung der Aktie des Cuxhavener Windprojektierers Plambeck Neue Energien AG seit Jahresbeginn. Am 2. Januar wurden 1,13 Euro für die Papiere notiert, am morgen wurden Plambeck zuletzt für 2,25 Euro gehandelt (Xetra; 9:17 Uhr). Spitz von Murphy&Spitz Umwelt Consult sieht den Plambeck-Konkurrenten Energiekontor AG aus Bremen als aussichtsreich an. "Projektentwickler haben aufgrund der Nachfragebelebung wieder bessere Voraussetzungen. In den Rechten an Offshore-Projekten könnten noch erhebliche stille Reserven stecken", so Spitz.

Sarasin-Fondsmanager Hoffmann bringt dagegen den Münchener Elektroriesen Siemens ins Spiel. Die Siemens AG habe sich in der letzten Zeit durch strategische Investments in der Windkraftbranche gut positioniert, so Hoffmann. Zuletzt hätten die Münchener das Getriebegeschäft der Winergy gekauft. Schon in 2004 übernahm Siemens die dänische Bonus Energy, einen weltweit tätigen Windanlagenbauer. Siemens unterhalte zudem traditionell gute Verbindungen zu den Energieerzeugern. "Siemens hat sich zur Windkraft bekannt und das Unternehmen ist groß genug, um die Entwicklung im Markt mitzubestimmen. Ich habe sie jetzt im Fonds", sagt Hoffmann.

Bilder: Aufbau einer Vestas V90 Windkraftanlage; Turbinen der indischen Suzlon in Texas; Montage einer REpower 5M-Anlage; 1,3 Megawatt-Windkraftanlage der früheren AN Bonus / Quelle: Unternehmen
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