Nachhaltige Aktien, Meldungen

28.3.2007: Viel Dunkel und wenig Licht - Studie über die Nachhaltigkeit von Metall- und Bergbauunternehmen vorgelegt

Dass Unternehmen bei der Jagd nach Rohstoffen angesichts des steigenden Rohstoffbedarfs etwa der Schwellenländer China und Indien nicht unbedingt verantwortlich mit Mensch und Umwelt umgehen, zeigen unter anderem immer wiederkehrenden Meldungen über Grubenunglücke und vehemente Umwelteingriffe. In einer aktuellen Untersuchung beleuchtete die Rating-Agentur oekom research die Aktivitäten der 20 weltweit bedeutendsten börsennotierten Metall- und Bergbauunternehmen und bewertete, inwieweit ökologische und soziale Aspekte in der Unternehmenspolitik eine Rolle spielen. Die Notenskala reicht von A+ (beste Note) bis D- (schlechteste Note). Die beste Bewertung erhielt der britisch-australische Bergbaukonzern BHP Billiton mit der Note B+, gefolgt von dem US Aluminium-Konzern Alcoa. BHP Billiton und Alcoa konnten vor allem durch ihr hohes gesellschaftliches Engagement punkten. "Insgesamt gibt es deutliche Unterschiede, wie konsequent die Unternehmen der Branche ökologische und soziale Kriterien in der Unternehmensführung implementiert haben", berichtet Kristina Rüter, branchenverantwortliche Analystin bei oekom research. Im unteren Viertel der Rangliste rangieren die internationalen Stahlkonzerne Thyssen Krupp und Arcelor Mittal.

"Die Herausforderungen der Branche in den Bereichen Umwelt und Soziales sind verglichen mit anderen Industriezweigen sehr hoch", erklärt Rüter. Wie exponiert beispielsweise die Arbeitsbedingungen sind, zeige die Tatsache, dass nur ein einziges der analysierten Unternehmen keine tödlichen Arbeitsunfälle innerhalb der letzten drei Jahre verzeichnete: der Kupferhersteller Norddeutsche Affinerie. Bei dem kürzlich fusionierten Stahlunternehmen Arcelor Mittal dagegen seien im Jahr 2006 allein an Standorten in Kasachstan und Rumänien 47 Arbeiter Opfer tödlicher Unfälle geworden. Die Unglücke ereigneten sich überwiegend in unterirdischen Minen und seien zumindest teilweise auf mangelnde Sicherheitsstandards zurückzuführen gewesen.

Als weiteren wichtigen sozialen Aspekt überprüften die Analysten die Menschenrechtspolitik der Unternehmen. Konflikte entstehen hierbei laut oekom vor allem durch die raumgreifende Landnutzung durch Abbauaktivitäten in Entwicklungsländern. Dadurch werde die lokale Bevölkerung verdrängt oder müsse massive Einschnitte in ihre Lebensgewohnheiten ertragen. Lediglich neun der 20 analysierten Unternehmen konnten laut oekom eine interne Richtlinie vorweisen, die Maßnahmen beschreibt, wie Menschenrechte vor Ort gewahrt bleiben. "Bezeichnenderweise für die Branche haben wir bei insgesamt sieben Unternehmen eindeutige Menschenrechtsverstöße registriert", so Rüter.

Auch im Umweltbereich stehen die Unternehmen der Metals & Mining - Branche der Oekom-Studie zufolge vor einer großen Bandbreite an Herausforderungen: Verminderung der Luftverschmutzung und des Ausstoßes klimawirksamer Gase, sichere Entsorgung hochgiftiger Produktionsrückstände und der verantwortungsvolle Umgang mit Altanlagen und Altlasten. "Die meisten Unternehmen zeigen sich hier deutlich engagiert. Was nicht zuletzt auf den Druck der Öffentlichkeit in den letzten Jahren zurückzuführen ist", erklärt Analystin Rüter. Dennoch blieben massive Defizite offenkundig. "Die derzeit größten Probleme sind zum einen die gezielte Entsorgung giftiger Rückstände in Flüsse und Meere, zum anderen die oft vernachlässigte Sicherung der Altanlagen". So würden beispielsweise einzelne Minen von Barrick Gold und Newmont Mining schwermetallhaltige Aufbereitungsschlämme in Gewässer in Papua Neuguinea beziehungsweise Indonesien einleiten. Die Folge seien Jahrzehnte bis Jahrhunderte bestehende Verseuchungen der Flüsse und Küsten und damit eine akute Gefährdung der Bevölkerung vor Ort.

Als Fazit der Untersuchung erklärt die Expertin, dass die meisten Unternehmen zwar versuchen, die negativen Auswirkungen der Großprojekte zu begrenzen. Insgesamt jedoch würden Projekte allein aus Rücksicht gegenüber Umwelt oder Bevölkerung nicht aufgegeben. "Der wachsende Rohstoffhunger wird bestehende Interessenkonflikte zwischen Unternehmen, Bevölkerung und Umwelt künftig noch verstärken. Vor allem der Druck auf Regierungen, Großprojekte zu genehmigen, wird durch die hohen finanziellen Anreize steigen", prognostiziert Rüter. Allerdings sieht sie auch Chancen: "Die hohen Preise am Markt gewähren den Rohstoffunternehmen möglicherweise mehr Spielraum für eine umwelt- und sozialverträglichere Gestaltung ihrer Aktivitäten."

Bildhinweis: Der Rohstoffhunger wird häufig auf Kosten von Mensch und Umwelt gestillt: Von der Aufforstungsgesellschaft Precious Woods dokumentierte Abbauschäden im brasilianischen Regenwald. / Quelle: Unternehmen
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