29.04.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

28.4.2004: "Die hohe Nachfrage hat uns bestärkt" - ECOreporter.de-Interview mit Horst P. Popp, Vorstand der UmweltBank AG, zur aktuellen Genussschein-Emission

Die Nürnberger UmweltBank gibt Genussscheine im Volumen von 4,7 Millionen Euro heraus. Wie das Grüne Bankhaus mitteilt, sollen die Papiere über 5,5 Jahre hin mit jährlich fünf Prozent verzinst werden. Die festverzinslichen Wertpapiere sollen den Angaben zufolge das Eigenkapital der Bank stärken und das weitere Wachstum bei der Finanzierung von Umweltprojekten unterstützen. ECOreporter.de sprach mit Horst P. Popp, Vorstand der UmweltBank AG, über die Emission und die Wachstumspläne des Bankhauses.

ECOreporter.de: Herr Popp, die UmweltBank AG will mit ihrem Genussschein 4,7 Millionen Euro frisches Kapital einsammeln. Was haben Sie denn mit dem Geld vor?
Horst P. Popp: Wir werden unser Eigenkapital auf über 35 Millionen Euro aufstocken, eine gute Basis für unser weiteres Wachstum. Wir wollen schließlich auch in Zukunft unsere Kredite für Umweltprojekte so solide mit Eigenkapital unterlegen wie in der Vergangenheit.

ECOreporter.de: Die Papiere sollen zunächst nur den Aktionären ihres Unternehmens angeboten werden. Die haben sich bei der Genussschein-Emission im letzten Jahr stark engagiert. Werden Sie diesmal mehr auf andere Käufer am Kapitalmarkt angewiesen sein?
Horst P. Popp: Unsere Aktionäre werden in der Frist vom 30. April bis zum 14. Mai bevorzugt, da haben Sie recht. Allerdings war das Interesse anderer Käufer bereits im letzten Jahr überraschend hoch. Durch die Genussschein-Emission, die nach sechs Wochen überzeichnet war, konnten wir eine Reihe von Neukunden gewinnen. Die hohe Nachfrage insbesondere von Interessenten außerhalb unseres Aktionärskreises hat uns darin bestärkt, einen zweiten Genussschein anzubieten.

ECOreporter.de: Wie hoch wird die jährliche Zinsbelastung der Bank aus den beiden Genussscheintranchen bei vollständiger Platzierung sein?
Horst P. Popp: Beide Genussscheine werden mit fünf Prozent jährlich verzinst, jeweils für die ersten 5,5 Jahre. Wenn Sie jetzt rechnen, kommt dabei etwa eine Summe von rund 470.000 Euro an jährlicher Zinsbelastung heraus, ein Bruchteil unseres Zinsaufwands im Jahr 2003 von über 11,6 Millionen Euro.

ECOreporter.de: Wie hoch wird der Anteil der Genussscheine am Eigenkapital der UmweltBank bei vollständiger Platzierung der Emission sein?
Horst P. Popp: Ab Juli 2004 wird der Anteil des Genussrechtskapitals 26,6 Prozent des gesamten Eigenkapitals betragen. Nach bankaufsichtsrechtlichen Regelungen sind bis zu 50 Prozent möglich.

ECOreporter.de: Die Laufzeit der Papiere ist befristet, das heißt sie werden die Kapitalausstattung der Bank nur für einige Jahre stärken. Wird es in absehbarer Zeit auch eine Kapitalerhöhung aus jungen Aktien geben?
Horst P. Popp: Zunächst besteht die Möglichkeit, beide Genussscheine über die Mindestlaufzeit von 5,5 Jahren hinaus zu halten. Nach dieser Mindestlaufzeit verlängert sich die Laufzeit um 2 Jahre, sofern weder von der Bank noch vom Anleger gekündigt wird. Der Anschlusszins orientiert sich an der 2-jährigen Bundesschatzanweisung - dazu kommt ein Bonus von 1,5 Prozent. Beide Genussschein-Emissionen geben uns also durchaus für die nächsten Jahre eine solide Eigenkapitalbasis.
Wir reagieren damit auf die Nachfrage der Anleger. Auch wenn die Anleger bei Aktieninvestments wieder deutlich mutiger werden, greifen viele nach wie vor bei festverzinslichen Wertpapieren zu. Eine Reihe von Interessenten, die im letzten Jahr wegen der Überzeichnung leer ausgegangen sind, warten bereits seit Monaten auf unsere zweite Emission. 2004/ 2005 steht dann der Tausch der stillen Beteiligungen in Aktien auf dem Programm (genehmigtes Kapital). Eine weitere Kapitalerhöhung mit Ausgabe junger Aktien wird deshalb wohl noch geraume Zeit auf sich warten lassen.

ECOreporter.de: Wie hoch sind die Kosten einer Genussscheinemission gegenüber einer Aufstockung des Aktienkapitals?
Horst P. Popp: Beim Emissionsaufwand besteht für uns als Bank kein großer Unterschied, da wir selbst ohne Kosten Dritter emittieren.

ECOreporter.de: Die Bezugsfrist für die Aktionäre ist diesmal nur zwei Wochen lang (30.4. bis 14.5.04), gegenüber vier Wochen im letzten Jahr. Glauben Sie, dass die Käufer diesmal entschlussfreudiger sind und schneller zugreifen?
Horst P. Popp: Anders als im letzten Jahr können wir bei der aktuellen Emission bereits auf Erfahrungen der ersten Genussschein-Emission zurückgreifen. Rund 20 Prozent der Aktionäre haben im letzten Jahr ihre Bezugsrechte ausgenutzt. Wir rechnen deshalb damit, dass Aktionäre auch nach Ablauf der Zeichnungsfrist zugreifen. Kunden und Interessenten können sich aber schneller beteiligen als 2003. Wir glauben, dass wir die Papiere mit der kürzeren Frist schneller platzieren können. Grundsätzlich kann jeder ab sofort den Emissionsprospekt anfordern und einen Zeichnungsschein einreichen.

ECOreporter.de: Die Genussscheine der UmweltBank sind zur Zeit noch nicht börsennotiert. Wird das mit Abschluss der aktuellen Emission und einem Gesamtemissionsvolumen von fast zehn Millionen Euro so bleiben?
Horst P. Popp: Wir haben derzeit nicht vor, die Genussscheine an die Börse zu bringen. Zum einen handelt es sich um zwei unterschiedliche Wertpapiere, die nicht zusammengelegt werden können. Zum anderen bieten wir einen hausinternen Telefonhandel für die Genussrechte an, der für alle Beteiligten effizienter ist als eine Börsennotierung.

ECOreporter.de: Noch eine ganz praktische Frage: Kunden der UmweltBank steht die kostenfreie Verwahrung der Papiere im Depot der UmweltBank AG zu Verfügung. Wie gestaltet sich das für andere Käufer der Papiere?
Horst P. Popp: Die UmweltBank gibt die Genussscheine gebührenfrei aus und verwahrt sie auch kostenfrei im UmweltBank-Depot. Dieser Service steht selbstverständlich jedem Käufer der Umweltbank-Genussscheine zur Verfügung.

ECOreporter.de: Herr Popp, wir danken Ihnen für das Gespräch!



Der Genussschein im Überblick

- Emittent: UmweltBank AG, Nürnberg
- Wertpapiertyp: Inhaber-Genussschein. Eigenkapital in Form eines festverzinslichen Wertpapiers
- Emissionsvolumen: Bis zu 4.701.490 Euro
- Verzinsung: 5,00 Prozent p.a. für den Zeitraum der Mindestlaufzeit
- Ausschüttung: jährlich am 30.06.
- Laufzeit: 5,5 Jahre, ab dem 31.12.2007 können die Genussscheine jährlich mit einer Frist von 24 Monaten erstmals zum 31.12.2009 gekündigt werden.
- Handelbarkeit/ Veräußerung vor Fälligkeit: Bei Bedarf sind die Wertpapiere vor ihrer Fälligkeit über den hausinternen Telefonhandel der UmweltBank AG veräußerbar.
- Verlängerungsoption: Sofern die Genussrechte nicht zum 31.12.2009 vom Inhaber oder der UmweltBank AG gekündigt werden, wird ein attraktiver Anschlusszins für jeweils 2 Jahre vereinbart.
- Zeichnungsfrist: Bis 30.06.2004, vorbehaltlich vorzeitiger Schließung bzw. Zuteilung
- Verkaufspreis: Der anfängliche Verkaufspreis wird am ersten Tag der Zeichnungsfrist (30.04.04) und danach jeweils wöchentlich donnerstags um 12 Uhr festgelegt. Die Feststellung des Verkaufskurses erfolgt auf Basis der Anleihenrendite der Bundesrepublik Deutschland (fällig Januar 2010), zuzüglich eines Renditeaufschlags von 150 Basispunkten oder 1,5 Prozent. Der Verkaufskurs kann zwischen 90 Prozent und 110 Prozent betragen und wird im Internet erstmals am 30.04.04 veröffentlicht unter www.umweltbank.de.

UmweltBank AG: ISIN DE0005570808 / WKN 557080

Bildnachweis: Horst P. Popp / Quelle: Unternehmen
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