27.04.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

28.4.2006: Spezialistin für ökologische Holzfaserdämmstoffe Steico AG will noch 2006 an die Börse - Finanzvorstand Thomas Frei erklärt im ECOreporter.de-Interview die Wachstumspläne der Firmengruppe

Die Steico AG aus Feldkirchen bei München plant noch im Jahr 2006 den Gang an die Börse. Das europaweit tätige Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung, die Produktion und den Vertrieb von Faserprodukten auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Im Bereich der ökologischen Holzfaserdämmstoffe nimmt die Steico AG eigenen Angaben zufolge mit einem geschätzten Marktanteil von 40-50 Prozent eine europaweit führende Stellung ein. Im Geschäftsjahr 2004 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 63,4 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 5,7 Millionen Euro. ECOreporter.de sprach mit Thomas Frei, Finanzvorstand der Steico AG, über die Wachstumspläne der Firmengruppe.


ECOreporter.de: Herr Frei, die Aktien der Steico AG werden bisher nicht öffentlich gehandelt. Wer sind derzeit die Aktionäre des Unternehmens?
Thomas Frei: Alleiniger Aktionär ist der Vorstandsvorsitzende Udo Schramek. Er beteiligte sich vor 20 Jahren an dem Unternehmen und formte die Steico AG seitdem zum führenden Hersteller ökologischer Holzfaserdämmstoffe in Europa.

ECOreporter.de: Wie wurde das bisherige Wachstum der Gesellschaft finanziert?
Frei: Die Steico AG arbeitet seit vielen Jahren profitabel. Die Finanzierung erfolgte daher aus dem operativen Cash Flow und durch kreditgebende Banken.

ECOreporter.de: Sie streben im laufenden Jahr den Gang an die Börse an. Was versprechen Sie sich von einer Börsennotiz der Steico-Aktie?
Frei: Der Markt für ökologische Dämmstoffe bietet hervorragende Wachstumsperspektiven. Steigende Energiepreise und eine damit einhergehende erhöhte Nachfrage nach Dämmstoffen wirken sich positiv auf die Unternehmensentwicklung aus. Von der geplanten Einführung des Energiepasses versprechen wir uns weitere Impulse. Aber auch unabhängig davon tragen ein steigendes Umweltbewusstsein sowie der Wunsch nach einem gesunden Wohnklima zu einem verstärkten Einsatz ökologischer Baustoffe bei. Um diese Nachfrage decken zu können, will die Steico AG weiter investieren, um die Kapazitäten zu erweitern und neue Produkte zu entwickeln. Das weitere Wachstum soll mit frischem Eigenkapital aus einer Kapitalerhöhung im Rahmen des Börsengangs finanziert werden.

ECOreporter.de: Als Termin wurde bisher nur ganz allgemein das Jahr 2006 angegeben, können Sie uns inzwischen einen konkreten Zeitrahmen nennen?
Frei: Wir erarbeiten zum aktuellen Zeitpunkt den genauen Zeitplan. Voraussichtlich wird der Börsengang im 2. Halbjahr 2006 stattfinden.

ECOreporter.de: Welche Bank begleitet Ihr Unternehmen beim Gang an die Börse?
Frei: Wir sind derzeit mit verschiedenen Banken im Gespräch und werden frühzeitig bekannt geben, mit wem wir den Börsengang durchführen werden.

ECOreporter.de: Was für Aktien wollen Sie an die Börse bringen?
Frei: Wir planen, auf den Inhaber lautende Stammaktien ohne Nennbetrag (Stückaktien) zu platzieren.

ECOreporter.de: Wird es im Zusammenhang mit dem Going Public eine Kapitalerhöhung geben?
Frei: Ja. Der Großteil des öffentlichen Angebots wird aus einer Kapitalerhöhung stammen und dem Unternehmen zufließen.

ECOreporter.de: Wie hoch wird der voraussichtliche free-float der Aktie nach einem Börsengang sein?
Frei: Wir planen derzeit, rund 30 Prozent des Grundkapitals an die Börse zu bringen.

ECOreporter.de: Wie sind die weiteren Wachstumspläne für Ihr Unternehmen?
Frei: In den kommenden Jahren rechnen wir mit einer deutlichen Steigerung von Umsatz und Ergebnis. Hierzu sollen insbesondere unsere neuen Produkte, Hanfdämmstoffe und vor allem Stegträger beitragen. Stegträger sind eine wirtschaftliche Alternative im Holzrahmenbau - insbesondere bei zunehmenden Wandstärken, die aufgrund der Dämmstoffdicken bei energie-verbrauchsarmen Häusern notwendig sind. Aufgrund ihrer Produkteigenschaften (u. a. Reduzierung von Wärmebrücken, Dimensionsstabilität) finden Stegträger Einsatz in Wänden, Dächern, Decken und Böden. Sie sind zudem auf den Einsatz von Steico-Dämmstoffen abgestimmt, so dass dem Kunden ein wechselseitig optimiertes Konstruktions- und Dämmsystem angeboten werden kann.

ECOreporter.de: Wie waren die Wachstumsraten in der Vergangenheit?
Frei: Wir haben in den vergangenen Jahren beim Umsatz deutlich zweistellig zulegen können.

ECOreporter.de: Wo sehen Sie die besonderen Stärken der Steico AG gegenüber ihren Mitbewerbern?
Frei: Als einziger Anbieter in Europa ist das gesamte Dämmstoffsortiment der Steico-Dämmstoffe natureplus-zertifiziert und mit dem Forest Stewardship Council (FSC)-Gütesiegel ausgezeichnet. Dies dokumentiert unser Interesse an der Umwelt und untermauert unsere Position als Qualitätsanbieter. Gleichzeitig verfügen wir in Europa über die höchsten Produktionskapazitäten und haben durch unsere beiden Standorte in Czarnków und Czarna Woda (Polen) Kostenvorteile gegenüber westeuropäischen Wettbewerbern.

ECOreporter.de: Worin liegt die besondere ökologische Qualität der Steico-Holzfaserdämmstoffe?
Frei: Dies beginnt bereits bei der Rohstoffauswahl. Alle Hackschnitzel stammen aus FSC-zertifizierten Wäldern, meist aus dem direkten Umkreis um die Produktionsanlagen. In der Produktion werden ausschließlich umwelt- und gesundheitsverträgliche Rohstoffe verwendet, so dass es sich um ökologisch einwandfreie Produkte handelt. Aufgrund ihrer porösen Struktur weisen sie exzellente Wärmedämmeigenschaften auf, sorgen daneben für ein baubiologisch hervorragendes Raumklima, sind diffusionsoffen und bieten gleichzeitig sehr guten Schallschutz. Auch eine 100-prozentige Reyclingfähigkeit ist gewährleistet.

ECOreporter.de: Wie wird sich der Markt für ökologische Dämmstoffe nach Ihrer Einschätzung innerhalb der nächsten zehn Jahre entwickeln?
Frei: Der gesamte Dämmstoffmarkt wird sich aufgrund der steigenden Energiepreise und der ab 2007 geplanten Einführung eines Energiepasses voraussichtlich besser als die allgemeine Konjunktur entwickeln.

ECOreporter.de: Wo generieren Sie Ihre Umsätze? Wie hoch ist der Anteil von Auslandsmärkten?
Frei: Unsere Umsätze generieren wir zu etwa 35 Prozent in Deutschland. Die weiteren 65 Prozent entstehen primär im europäischen Ausland.

ECOreporter.de: Sehen Sie neben den ökologischen Dämmstoffen weitere mögliche Geschäftsfelder für die Steico AG?
Frei: Zusätzlich zu den Dämmstoffen produzieren wir auch Hartfaserplatten, insbesondere für die Möbelindustrie. Besonders starke Wachstumsimpulse erwarten wir aus dem bereits erwähnten neuen Geschäftsfeld Stegträger.

ECOreporter.de: Wann werden Sie die Zahlen für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2005 vorlegen?
Frei: Wir treffen gerade die letzten Vorbereitungen für die Bekanntgabe. Voraussichtlich können wir Ende der laufenden oder Anfang der nächsten Woche die Zahlen veröffentlichen.

ECOreporter.de: Herr Frei, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bilder: Produkte der Steico AG / Quelle: Unternehmen
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