28.09.04

28.9.2004: Nachlese der Messe Grünes Geld: Finanzierungsmodelle für nachhaltige Projekte auf dem Kongresses "Kleingeld macht auch Wachstum"

Wie kann die Liquidität kleiner und mittlerer Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften, verbessert werden? Das war das Thema des Kongresses "Kleingeld macht auch Wachstum" auf der Internationalen Anlegermesse am vergangenen Freitag in Düsseldorf. In der Analyse der Situation waren sich die Kongressteilnehmer schnell einig: Derzeit ist es schwerer denn je, nachhaltige Unternehmen und Projekte zu finanzieren, so das Urteil. Risikokapitalgesellschaften hätten ihr Engagement für junge Unternehmen stark zurückgefahren, die Banken ihre Kriterien für die Kreditvergabe spätestens seit Basel II enorm verschärft.

Für die kleinen und mittleren Unternehmen sei der Zugang zu Kapital schwerer denn je, berichtete Gabriele Friedrich, Staatssekretärin im Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW. Aus diesen Unternehmen kämen normalerweise wichtige Impulse für Konjunktur und Beschäftigung. Die Schwierigkeiten bei der Finanzierung wirkten "wachstumshemmend", so die Staatssekretärin.

Das Land NRW wolle deshalb das Zusammenspiel zwischen Finanzierern und grünen Gründern in Gang bringen. Das sei auch einer der Gründe, die Messe Grünes Geld zu fördern. Ziel der Initiative sei es, den Unternehmen Wege zu einer "etwas anderen" Finanzierung aufzuzeigen, sagte Gabriele Friedrich. Als Instrumente nannte sie: Angebote für stille Gesellschafter, außerbörslich gehandelte Unternehmensbeteiligungen oder Gemeinschaftsanteile an Neue Energie-Anlagen. Die Staatssekretärin erwartet, dass die Finanzdienstleister sich mit nachhaltigen Sektoren wie der Biobranche und den Erneuerbaren Energien genauer befassen und Vorschläge für einen verbesserten Dialog zwischen Finanzierern und Unternehmen unterbreiten.

Thomas Jorberg, Chef der Bochumer GLS-Bank, kritisierte auf dem Kongress die Wachstumsorientierung der Politik. Die Erkenntnis der Grenzen des Wachstums sei nach dreißig Jahren noch immer nicht in der Politik angekommen. Mit dem Bild der "Wachstumsbremse" verbinden sich für ihn alte Konzepte. Anbieter suchen krampfhaft nach dem letzten Bedürfnis, das noch nicht befriedigt ist - solange bis der notwendige Effekt des Kaufens erreicht ist. Jorberg bevorzugt dagegen "Lessness" - einen Trend zu weniger Besitz und Konsumdruck, eine Haltung, die den Konsumdruck vermindert, die Anzahl der Dinge reduziert und bewusster genießt, was bleibt. Wesentlich aus der Sicht des nachhaltigen Finanziers Jorberg sind dagegen die Bilder und Visionen, die sich mit dem wirtschaftlichen Handeln verbinden. Die Qualität des Strukturwandels sei die eigentliche Frage. Nachhaltige Unternehmen müssten die Bedürfnisse, die sie befriedigen wollen, aus dem gesellschaftlichen Kontext ableiten. Als konkrete Visionen nannte Jorberg "Lebensmittel, die keine Futtermittel sind", eine Ausbildung, die junge Menschen zu Selbstbewusstsein, Querdenken und Innovation befähigt, ein Gesundheitswesen, das auf Vorbeugung ausgerichtet ist sowie eine Mobilität, die es nicht nur auf "größer - stärker - schneller" anlegt.

Auf ein für viele kleine Unternehmen mit gutem Kundenkontakt nützliches Instrument zur Realisierung solcher Visionen machten der Kommunikationsberater Klaus Braun und der Unternehmensberater Gernot Meyer aufmerksam. Sie betreuen Unternehmen der Bio- und Naturkostbranche. Händler und Hersteller dieser Branche nehmen zur Verbesserung ihrer Liquidität gern Kundenkredite auf. Sie werden in der Regel mit 4,5 bis 6,5 Prozent verzinst. Das Instrument stößt jedoch an Grenzen: Ein Biohändler darf keine Bankgeschäfte tätigen - das Kreditvolumen ist auf maximal 12.500 Euro beschränkt und die Gruppe der Kreditgeber auf höchstens sechs Anleger. Andernfalls muss eigentlich die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen einschreiten.

Da diese Summe als Basis für Investitionen viel zu gering ist, hat Meyer zusammen mit einem Juristen das Instrument des Genussscheins entwickelt, der zwar nicht öffentlich beworben, aber im Kunden- oder Lieferantenkreis über Mund zu Mund-Propaganda populär gemacht werden kann. Der Vorteil für die Händler: Es handelt sich formal nicht um Eigenkapital, die Zinsen auf die Genusscheine gelten als Betriebsausgaben und es gibt kein Mitspracherecht
für die Kapitalgeber. Die Banken ordnen die Mittel, die aufgrund solcher Genussscheine aufgebracht werden irgendwo zwischen Fremd- und Eigenkapital ein, berichtet Braun. Das heißt, die Kundenkredite können die Eigenkapitalbasis für Unternehmen erhöhen und unter Umständen für eine bessere Bonitätseinstufung sorgen. Danach finden sich dann oft auch herkömmliche Banken bereit, ihren Teil zur Finanzierung von nachhaltigen Unternehmen beizutragen. Als Mittel zur Finanzierung eigne sich das Instrument überall, wo Unternehmen intensiven und zahlreichen Kundenkontakt hätten, meinte Gernot Meyer.

Als besonders effektives Mittel zur Finanzierung Erneuerbaren Energieanlagen und Energiesparmaßnahmen stellte Dr. Kurt Berlo von der Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmBH die Komplementär GmbH vor, die bei den Projekten des Instituts als Mittel zur Finanzierung herangezogen wurde. Als Zusatzkriterium gilt beim Wuppertal Institut, dass Beteiligungen an den geschlossenen Fonds jeweils zur Hälfte in die Region verkauft werden sollen. "Bislang haben wir nur gute Erfahrungen mit diesem Instrument gemacht", so Berlo. Die Fonds für die Finanzierung einer Kombination von Solaranlagen, Blockheizkraftwerken und Energiesparmaßnahmen seien jeweils spätestens in vier Monaten voll gelaufen. Bei größeren Projekten verlängere sich die Zeitspanne allerdings.

Als weitere mögliche Finanzierungsinstrumente für nachhaltige Unternehmen stellten Christian Heyner von der OekoGeno-Beteiligungs GmbH, Freiburg, das nachhaltige Risikokapital, Oliver Förster vom Existenzgründungszentrum Stuttgart eine Kombination aus Gründungsbegleitung und Gewährung öffentlicher Fördermittel, Hans-Gerd Nottenbohm von der innova eG, Dortmund, die Genossenschaft, Claus-Peter Zeitinger von der IPC GmbH, Frankfurt, den Mikrokredit sowie Ute Günther von der Business Angels Agentur Ruhr, Essen, den Business Angel vor.

Bildhinweis:
Logo der Messe / Quelle: Öko-Zentrum NRW;
Thomas Jorberg / Quelle: ECOreporter.de;
Claus-Peter Zeitinger / Quelle: IPC GmbH
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