28.09.04

28.9.2004: Wie Stiftungen ihre Geldanlage auf Nachhaltigkeit trimmen können - Symposion auf der Anlegermesse Grünes Geld

Rund 13.000 Stiftungen gibt es in Deutschland. Viele davon verfolgen nachhaltige Ziele wie Umweltschutz, Bekämpfung von Krankheit, Ausgleich sozialer Ungerechtigkeit oder die Wahrung von Menschenrechten. Sie investieren ein Stiftungskapital, um mit der Rendite ihre Zwecke zu verfolgen. Viele dieser Institutionen haben dem Problem, worin sie ihr Geld investieren, bislang keine oder nur geringe Beachtung geschenkt. Für sie zählt nur, dass das Stiftungskapital genügend Zinsen abwirft - die sie dann für ihre Ziele einsetzen können. Dabei wären die Milliarden der deutschen Stiftungen ein gewichtiges Argument für institutionelle Anleger, Unternehmen und Financiers, auf Nachhaltigkeit umzusatteln, meint Manfred Rauschen, Geschäftsführer des Öko-Zentrums NRW. Das Ökozentrum hat deshalb zusammen mit dem Bundesverband deutscher Stiftungen auf der Anlegermesse Grünes Geld (im Rahmen der IAM in Düsseldorf, 23.-25.9.2004) ein Symposion veranstaltet, dessen Ziel es war, Stiftungen Wege aufzuzeigen, wie sie ihre Geldanlage so steuern können, dass sie mit ihren nachhaltigen Zielen im Einklang stehen. Das Symposion machte mit den Grundlagen des nachhaltigen Investments vertraut und brachte Stiftungen und Finanzdienstleistern nachhaltige Finanzprodukte nahe - vor allem in Form von Fonds und Aktien, z.T. aber auch von Beteiligungen und Genossenschaftsanteilen.

"Was ist Nachhaltigkeit für Dich?" Das ist die Frage, mit der Robert Hassler, Vorstand der oekom research AG, die Entwicklung von Investmentkriterien beginnt. Die Vorgaben müssten von einer Stiftung wie von jedem anderen Kunden gemacht werden: Welche regionale Struktur soll das Portfolio haben, welches ist die Benchmark, an der man sich orientiert? Soll in Blue Chips oder Small Caps investiert werden? Zweiter Punkt seien die Ausschlusskriterien, berichtete er auf dem Symposion. Hier werde es oft schwierig, weil die Kunden rigide Vorstellungen einführten, die ein potenzielles Portfolio mit zu wenig Unternehmen zulassen würden, berichtete Hassler. Das könne unter Umständen riskant für die Rendite sein. Hier müsse an den Kriterien weiter geschraubt werden. "Die Rasenmähermethode funktioniert nicht", so Hassler.

Andreas Knörzer, Nachhaltigkeitsanalyst der Bank Sarasin, versuchte die Stiftungen davon zu überzeugen, dass nachhaltiges Investment nicht nur "sexy" sei, sondern auch lohnend - also keinen Renditeverzicht bedeute. Zum passenden Portfeuille führten Entscheidungen für bestimmte Branchen, eine Abwägung von Best in Class-Kriterien und/oder Investments nach Ausschlusskriterien, die sich aus den Satzungen herauslesen ließen. Eine Reihe von Handlungsanweisungen sollen Knörzer zufolge übergreifend für nachhaltige Investments seines Hauses gelten: Die Unternehmen müssten eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz für ihre Produkte haben, diese also möglichst ohne Konflikte produzieren und in den Markt bringen. Im Umweltbereich müssten die Unternehmen, in die investiert wird, dem Lebenszyklus Rechnung tragen. Außerdem gelte, dass einige Branchen per se riskanter seien als andere, ein Erdölunternehmen also mehr Nachhaltigkeitsprobleme habe als ein Softwareunternehmen. Hier entscheide die Bank Sarasin je Branche nach dem "Best in Class-Ansatz", wer besser und wer "schlechter" sei. Auf die "Guten im Töpfchen" fällt dann die Investment-Entscheidung. Dafür, dass nachhaltiges Investment keinen Renditeverzicht bedeutet, spricht laut Knörzer, dass 55 Prozent aller wissenschaftlichen Untersuchungen zu dem Thema einen positiven Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und ökonomischem Erfolg sehen.

Faik Yargucu von der Panda Finanz GmbH wies darauf hin, dass es weniger Performance-technische Kriterien seien, die Stiftungen vom nachhaltigen Investment abhielten. Es dauere einfach sehr lange, bis das Nachhaltigkeitsthema sich in solchen Organisationen durchsetze - auch wenn diese per se dafür besonders offen sein sollten. So benötigte eine große Umweltstiftung ein halbes Jahr, ehe sie sich zur Umstellung auf nachhaltige Geldanlagen entschließen konnte. Wichtig für die Akzeptanz der Nachhaltigkeitskriterien sei dabei gewesen, dass der Druck zur Einführung nicht von oben kam. Entscheidend seien darüber hinaus Fragen wie: Wie erkläre ich den Mitgliedern die Umstellung? Welche Risiken gibt es für die Rendite? Wann entsteht welcher Liquiditätsbedarf bei der Stiftung und wie passen die neuen Finanzprodukte dazu? Soll man einen eigenen Fonds schaffen oder wählt man eine Mischung aus den vorhandenen Produkten? Bei der Wahl der Finanzinstrumente sei zudem zu berücksichtigen, was Satzung und rechtlicher Rahmen den Stiftungen vorgäben.

Markus Götz, Sales Manager bei Kepler Fonds KAG, Linz, stellte die nachhaltigen Fondsprodukte seines Hauses vor. Kepler bietet einen nachhaltigen Aktienfonds (Kepler Sustainability Aktienfonds) sowie ethische Aktien- und Rentenfonds an. Mit der Auswahl der Universen für den Ethik Renten- und den Ethik Aktienfonds sei die Münchner Oekom Research betraut. "Der Aktienfonds investiert global und breit diversifiziert", so Götz. Der Rentenfonds lege den Schwerpunkt auf Europa. 140 große sowie 80 kleinere und mittlere Unternehmen zählten zum Universum für den Aktienfonds. Die weitere Auswahl nehme dann Kepler selbst nach eingehender Finanzanalyse vor. Nach Abschätzung des Risikos werde ein Musterportfolio mit 80 Unternehmen zusammengestellt. Beim Kepler Rentenfonds falle unter den 31 analysierten Staaten die Auswahl derzeit auf deutsche, österreichische und niederländische Anleihen. Ein Ethikbeirat unter Beteiligung der Diözese des Erzbistums Linz überprüfe die Auswahl und definiere die Anlagekriterien, berichtete Götz.

Die Stiftungen hätten bei Kepler je nach ihrem Sicherheitsbedürfnis und angestrebter Rendite die Möglichkeit, eine für sie günstige Mischung aus Renten- und Aktienfonds zusammenzustellen. Dabei sei jeweils ein Investment in eine thesaurierende und eine ausschüttende Variante möglich. Aus dem Publikum kam der Hinweis, dass die thesaurierende Variante nach dem deutschen Siftungsrecht ein Problem sei: Wenn die Stiftung Liquidität benötige, müsse sie die Fonds selbst und damit einen Teil ihres Vermögens verkaufen.

Einen Weg, wie auch Stiftungen sich auf Umwegen an einer Bürgersolaranlage beteiligen können, glaubt Thomas Goldfuß von der juwi GmbH in Mainz gefunden zu haben. Er bietet Genussscheine zu einer Dachfondsgesellschaft an, deren Töchter regenerative Energieanlagen in Rheinland-Pfalz projektieren, bauen und betreiben. Der Schein - Mindestanlage 20.000 Euro - ist mit einem Rendite-Versprechen von mindestens 6,75 Prozent p.a. versehen, verteilt über 20 Jahre Laufzeit.

Bilder: Manfred Rauschen, Geschäftsführer des Öko-Zentrums NRW / Quelle: Unternehmen;
Andreas Knörzer, Bank Sarasin / Quelle: Unternehmen; Markus Görtz, Keppler Fonds / Quelle: ECOreporter.de; Bürgerdach von Solarcomplex / Quelle: Unternehmen
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