29.10.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

29.10.2002: Neue Strafanzeige gegen Daimler-Chrysler wegen Zusammenarbeit mit argentinischer Militär-Junta

Einer Presseerklärung der Kritischen AktionärInnen DaimlerChrysler (KDAC) zufolge sind in Argentinien während der Militärdiktatur (1976 bis 1983) 14 Betriebsräte des Unternehmens "verschwunden". Das Unternehmen, insbesondere der damalige Produktionschef, Juan R. Tasselkraut, soll nach Angaben des KDAC, die Namen und Adressen dieser Mitarbeiter an die Militärs weitergegeben haben. Bereits seit drei Jahren ermittelt die Nürnberger Staatsanwaltschaft laut KDAC gegen die argentinische Niederlassung von DaimlerChrysler und Juan R. Tasselkraut wegen Beihilfe zum Mord.

Der Fall war 1999 von der in Montevideo lebenden Journalistin Gaby Weber ans Licht der Öffentlichkeit gebracht worden. Auf drei Hauptversammlungen von DaimlerChrysler forderten die KADC seither die Aufklärung des Schicksals der Ermordeten. Erst auf der letzten Hauptversammlung stimmte Jürgen Schrempp endgültig und unwiderruflich der Einberufung einer internen Untersuchungskommission zu. Nunmehr soll Prof. Tomuschat, ein anerkannter Völkerrechtler, die Untersuchung leiten. Der KADC will Fragen zu deren genauen Auftrag, deren Zusammensetzung sowie der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse zum Gegenstand der nächsten Hauptversammlung machen.

Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, wurde nun auch in Argentinien von einem Rechtsanwalt Strafanzeige gegen Daimler-Chrysler erstattet. Dieser kündigte weiteres Beweismaterial an. Dieses würde das Unternehmen zusätzlich belasten, neben den Recherchen von Gaby Weber und den Ergebnissen der Wahrheitskommissionen in Argentinien. Die Anzeige stützt sich dem Blatt zufolge unter anderem auf einem Brief Hanns Martin Schleyers, damals Mercedes-Aufsichtsrat und Arbeitgeberpräsident. In diesem bekunde er die Unterstützung des Unternehmens bei Bestrebungen, "subversiver Elemente auszuschalten".
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