29.11.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

29.11.2005: unit energy europe AG nach der Hauptversammlung: Aktion?rsvertreter ?ben harte Kritik an den Verantwortlichen - R?tselraten um die Zukunft

Die Bad Homburger unit energy Europe AG hatte ihre Aktion?re für den 5. Oktober zur Hauptversammlung (HV) eingeladen. Das b?rsennotierte Neue-Energie-Unternehmen k?mpft seit Monaten um sein ?berleben. Die Aktion?re sollten ?ber einen Kapitalschnitt im Verh?ltnis 17:1 und eine anschlie?ende Kapitalerh?hung mit Bezugsrechtsausschluss entscheiden. Unit-energy-Vorstand Walter Felix Beyer erkl?rte zudem im Vorfeld der HV, die Sanierung der Gesellschaft sei zwingend geboten, um die "drohende Insolvenz wegen Zahlungsunf?higkeit zu vermeiden". Auf der Versammlung wurde dann heftige Kritik gegen Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens laut, ECOreporter.de sprach dazu mit dem Frankfurter Rechtsanwalt Klaus Nieding, Landesgesch?ftsf?hrer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Gerhard Roh, Sprecher bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V (SdK).

Nach Angaben der unit energy europe AG waren auf der Hauptversammlung am 5. Oktober "etwa 70 Aktion?re" zugegen, die insgesamt knapp 28 Prozent des gezeichneten Kapitals vertraten. Die Herabsetzung des Grundkapitals im Verh?ltnis 17:1 wurde mit 88,76 Prozent Ja-Stimmen beschlossen. Vorstand Walter Felix Beyer wurde mit 73,86 Prozent Ja-Stimmen entlastet. Auch der bis Ende 2004 amtierende Aufsichtsrat wurde entlastet (Einzelentlastung der Mitglieder mit jeweils mehr als 60 Prozent der Stimmen).


DSW: H?he der Vorstandsbez?ge nicht gerechtfertigt - Gesellschaft ohne nennenswerte Gesch?ftst?tigkeit

Zur Kritik an unit-Vorstand Beyer sagte DSW-Vertreter Klaus Nieding: "Wir sehen im Vorstand Walter Felix Beyer nicht den Retter in der Not. Die Vorstandsbez?ge im Gesch?ftsjahr 2004 inklusive nicht ausgezahlter Tantieme in H?he von 178.892,12 Euro halten wir bei einem Jahresfehlbetrag im Gesch?ftsjahr 2004 in H?he von 8,7 Millionen Euro und einem Bilanzverlust in H?he von 24,5 Millionen Euro für nicht gerechtfertigt."

Zum italienischen Wasserkraftwerk Ancinale, laut Beyer das wichtigste Projekt der unit energy AG, hei?t es seitens der DSW: "Probleme hinsichtlich des Wasserkraftwerkes Ancinale in Italien gibt es nunmehr seit mehreren Jahren. Immer wieder berichtet der Vorstand von Gr?nden, die einen Zugriff auf das Kraftwerk unm?glich machen. Hierbei wird das Kraftwerk als wichtigstes Asset der Gesellschaft dargestellt.

Zu ber?cksichtigen ist jedoch, dass im Jahre 2004 das Darlehen für das Kraftwerk in Ancinale bereits mit 7,3 Millionen Euro wertberichtigt worden ist.

Um die Aktion?re allerdings in der Hoffnung zu belassen, dass sie noch nennenswerte Verm?genswerte aus den Kraftwerken in Ancinale erlangen k?nnen, wurde auf der Hauptversammlung ?ber cirka eine Stunde von dem Rechtsanwalt Dr. Pera von der amerikanischen Kanzlei Piper Rudnick in Rom berichtet, welche rechtlichen M?glichkeiten bestehen, an das Kraftwerk zu gelangen. Diese rechtlichen M?glichkeiten waren jedoch durchaus umfangreich und auch sehr kostentr?chtig, wobei die Frage offen blieb, wie die Kosten der Rechtsanwaltskanzlei zu bezahlen sind. Da das Kraftwerk in Ancinale jedoch das wesentliche Asset der Gesellschaft ist, wurde den Aktion?ren nahegelegt, der Beauftragung von Dr. Pera zuzustimmen.

Es wurden umfangreiche Ausf?hrungen zu den "mafi?sen" Zust?nden um das Kraftwerk vorgenommen. Insbesondere wurde dargelegt, dass eine Besichtigung aus diesem Grunde zur Zeit nicht m?glich ist. Wir gehen jedoch davon aus, dass s?mtliche Ausf?hrungen zum Kraftwerk Ancinale nur dazu dienten, von der miserablen Situation und von den bereits gemachten Fehlern abzulenken. Insofern stellte sich der Alleinvorstand Walter Felix Beyer als Opfer der Umst?nde dar. Seine hohen Bez?ge rechtfertigte er auch mit dem Haftungsrisiko, das er trage.

Insofern stellt sich wirklich die Frage, welche T?tigkeiten die Gesellschaft ?berhaupt noch aus?bt. Es macht den Eindruck, dass hier nur noch ein "Gesellschaftsmantel" mit der Firma "unit energy europe AG" existiert, ohne dass diese nennenswerte Gesch?ftst?tigkeit aus?bt. Dies wurde vom Vorstand jedoch im Rahmen der Hauptversammlung energisch bestritten. Zubilligen kann man dem Vorstand Beyer durchaus, dass er die desastr?se Situation nicht geschaffen hat, sondern seine Vorg?nger."

Wie beurteilt die DSW das Verhalten des Ex-Aufsichtsrats der Gesellschaft, der Ende 2004 geschlossen zur?cktrat, ohne eine Erkl?rung dazu abzugeben? Nieding:"Bei den Ex-Aufsichtsratsmitgliedern, die im Jahre 2004 zur?ckgetreten sind, handelt es sich ?berwiegend um ehemalige Angestellte der Gesellschaft. Es gab im Rahmen der Hauptversammlung durchaus Gespr?che, ob die Bestellung der neuen Aufsichtsratsmitglieder ordnungsgem?? erfolgt ist. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender ist Herr Hans Meier. Es handelt sich um einen fr?heren Privatbankier, der sich auf die Sanierung von Gesellschaften spezialisiert hat. Ebenfalls im Aufsichtsrat ist Herr Dr. S?? von der Rechtsanwaltskanzlei Rossbach und Fischer in Frankfurt am Main, der ebenfalls auf Sanierung spezialisiert ist. Auch die ?brigen Aufsichtsratsmitglieder wurden im Rahmen der Hauptversammlung aufgefordert, sich vorzustellen.

Festzuhalten ist auch, dass ein Strafverfahren wegen dem Altvorstand bereits l?uft. Der neue Aufsichtsrats-vorsitzende Meier teilte jedoch mit, dass kein Geld für die Geltendmachung von Anspr?chen gegen Altvorst?nde vorhanden ist. Hier stellt sich jedoch die Frage, wieso Geld für die italienischen Rechtsanw?lte vorhanden ist, nicht jedoch für die Geltendmachung von Anspr?chen gegen?ber dem Altvorstand. Die neuen Aufsichtsr?te haben sich zumindest durch eine D & O Versicherung ohne Eigenbeteiligung abgesichert." (Anmerkg. D. Red:: Dabei handelt es sich um eine Verm?genshaftpflichtversicherung für die Unternehmensleitung).

Im Anschluss an den Kapitalschnitt hofft Beyer auf den Einstieg eines Investors bei der unit energy AG (Lesen Sie dazu auch unser Interview mit den unit-Vorstand vom 6. September 2005. Gemeinsam mit dem Investor sollen laut dem Vorstand Projekte realisiert werden, ein Schwerpunkt liegt dabei auf Osteuropa.
Der Vertreter der DWS kommentierte dies wie folgt: "Neuer Finanzinvestor bei der unit energy europe AG im Rahmen der Kapitalerh?hung ist die Intec GmbH. Es handelt sich lediglich um eine Investmentgesellschaft, hinter der die Metz Gruppe steht. Die Metz Gruppe beteiligt sich nicht selbst an der Gesellschaft. Voraussetzung für das Engagement der Metz Gruppe ist, dass der Finanzinvestor Intec GmbH ein Darlehen an die unit energy europe AG gew?hrt, damit die Altverbindlichkeiten abgel?st werden k?nnen.

Welches Interesse die Metz Gruppe an der unit energy europe AG hat, ist v?llig offen. Synergieeffekte k?nnen nicht erkannt werden, auch wenn die Metz Gruppe im Bereich "Biomasse" t?tig ist.

Sinn und Zweck neuer Projekte in Osteuropa k?nnen nicht erkannt werden.

Es wurde versucht, die Aktion?re im Rahmen der geplanten Kapitalerh?hung insofern zu sch?tzen, dass die Kapitalerh?hung durch Bareinlagen erfolgen m?ssen. Insbesondere im Rahmen der ersten Kapitalerh?hung wird das Bezugsrecht der Altaktion?re nicht ausgeschlossen. Insofern wurde auch der Eventualvorschlag auf der Hauptversammlung abge?ndert und angenommen. Das Angebot wurde auch deshalb von den Aktion?ren angenommen, da der Vorstand klar machte, dass ansonsten die Insolvenz der Gesellschaft unmittelbar bevorsteht."

Wer trifft die Entscheidungen bei der unit energy AG? Dominierende Gro?aktion?re hat das Unternehmen nicht. Auf Nieding wei? die Frage nicht zu beantworten, ebenso wenig die nach der Zukunft des noch immer b?rsennotierten Unternehmens: "Wer im Moment die Entscheidungen im Unternehmen trifft, bleibt unklar", sagt er. Nach Einstieg des neuen Investors betrage der Anteil der Kleinaktion?re nach Auskunft des Vorstands 34,73 Prozent. "In welcher Art und Weise das Unternehmen eine Aussicht auf Zukunft hat, k?nnen wir letztendlich nicht sicher bestimmen."


SdK: Gesch?ftsbericht unprofessionell - kaum Risikomanagement

Gerhard Roh, Sprecher bei der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V., schimpft gegen?ber ECOreporter.de ?ber den Gesch?ftsbericht der unit energy AG: "Der Gesch?ftsbericht ist absolut unm?glich, v?llig unprofessionell gemacht. Urspr?nglich enthielt er ?berhaupt keinen Bericht des Aufsichtsrates. Aus kaufm?nnischer Sicht waren die Gesch?ftsberichte schlicht unprofessionell."

Die Beteiligungen des Unternehmens seien "mehr als problematisch", so Roh: "Das einzige Kraftwerk, wo Geld verdient wird ist Georgien. Die franz?sische und die tschechische Beteiligung wurden letztlich mit Verlust verkauft." Weitere Kritik des SdK-Sprechers gilt dem Aufsichtsrat der Gesellschaft, der habe seine Kontrollaufgaben "nicht gen?gend wahrgenommen". Ferner habe es "kaum Risikomanagement" seitens des Vorstands gegeben, bem?ngelt Roh.

Zum Ergebnis der Abstimmungen auf der HV bemerkt er: "Die Gesellschaft hat einen Stimmrechtsvertreter gestellt, der bekommt fast automatisch die Stimmrechte vieler Aktion?re, weil die Banken keine eigene Vertreter entsenden. Auf der unit-HV hat das unter anderem dazu gef?hrt, dass der Aufsichtsrat entlastet wurde."

Walter Felix Beyer wollte sich auf Anfrage von ECOreporter.de nicht zu den Vorw?rfen ?u?ern. "Ich m?chte zu den Vorw?rfen keine Stellungnahme abgeben", so der unit-Vorstand.

unit energy europe AG: ISIN DE0007760100 / WKN 776010

Bilder: Kraftwerk im italienischen Ancinale gegen Ende der Bauphase; Unit-Vorstand Walter Felix Beyer; Ehemalige Beteiligung der Gesellschaft in Tschechien: Wasserkraftwerk Tri Chaloupky an der Elbe / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x