29.11.07 Anleihen / AIF

29.11.2007: „Es ist relativ wenig Luft drin„ – ECOreporter.de-Interview mit Tjark Goldenstein, Vorstand der Ökorenta AG, zur Werthaltigkeit von Solarfonds

Solarfonds sind bei Anlegern beliebt. Sonnenkraftwerke schütten zwar nicht so hohe Erträge aus, wie Wind- und Biogasfonds. Sie gelten aber als relativ sichere Geldanlagen; der Preis für den Strom sei garantiert und die Technik kaum störanfällig, wird argumentiert. ECOreporter.de sprach mit Ökorenta-Vorstand Tjark Goldenstein über die Werthaltigkeit von Solarfonds. Sein Unternehmen kauft Anteile von Fonds für seine Zweitmarktfonds. Die umfangreiche Datenbank der Ökorenta enthält Ratings von fast allen in Deutschland vertriebenen Neue-Energie-Fonds.


ECOreporter.de: Solarfonds versprechen Renditen von 5 Prozent und mehr. Was meinen Sie: Werden die Prognosen erfüllt werden? Wo sehen Sie Probleme?
Tjark Goldenstein: Die Kalkulationen sind bei den Ausgaben eher zu niedrig angesetzt. Die Garantien der Lieferanten und Hersteller reichen nicht aus, um den Wartungs- und Instandhaltungsaufwand abzudecken. Wenig bekannt ist beispielsweise, dass Wechselrichter nicht so lange halten, sondern regelmäßig ausgetauscht werden müssen.

Zudem gibt es immer mehr Probleme mit Vandalismus und Diebstählen, das wird auf die Versicherungsprämien durchschlagen. Uns sind schon Fonds angeboten worden, die gar keine Versicherung gegen Diebstahl und Vandalismus mehr hatten. Nach einem Schadensfall hat der Versicherer das Recht zu kündigen. Dann einen neuen zu finden, ist gar nicht so leicht.

Ein weiteres Thema ist die sogenannte „Degradation“, das ist der Leistungsverlust der Module mit zunehmendem Alter. Bei den meisten Fonds ist der nach unserer Einschätzung zu niedrig angesetzt. Das bedeutet: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter des Fonds.

Insgesamt lässt sich sagen: Es ist relativ wenig Luft drin, die Ausgaben sind sehr eng kalkuliert. Wenn ein Fonds 5 oder 6 Prozent ausschüttet, was für eine Nettorendite hat dann der Kunde? Er kommt auf gerade mal 4 Prozent. Er muss sich dafür aber auf eine 20-jährige unternehmerische Beteiligung einlassen. Beim dem Risiko würde ich das nicht tun. Wenn bei 4 Prozent 2 nicht kommen, bin ich auf Sparbuchniveau. Die Risiken sind im Verhältnis zu den Chancen zu hoch.


ECOreporter.de: Wird ein Solarfonds-Anleger seinen Anteil später einmal über den Zweitmarkt zu einem guten Kurs verkaufen können?
Goldenstein: Wir haben die meisten Solarfonds in Deutschland bewertet. Die Bewertung lag meist zwischen 40 und 60 Prozent des Nominalwertes. Dabei handelt es sich beispielsweise um Fonds, die in den letzten zwei Jahren vertrieben wurden.


ECOreporter.de: Das erscheint extrem wenig.
Goldenstein: Sie müssen bedenken, dass unsere Bewertung nicht auf der Kalkulation des Fonds beruht, sondern auf unseren eigenen Annahmen über die Erfolgschancen. Wir müssen deutlich höhere Abschläge nehmen, das führt zu diesen niedrigen Werten. Der Anleger muss wissen: Wenn er heute einen Solarfonds zeichnet, kann er den nicht nach 6 Monaten für 80 oder 100 Prozent verkaufen.


ECOreporter.de: Wer verdient denn derzeit am besten an den Solarfonds?
Goldenstein: Die Projektierer. Die Modulkosten, die die Fondsgesellschaften an die Projektierer zahlen, sind zu hoch. Die Aufschläge in diesem Segment sind extrem hoch. Das ist ein Marktmechanismus: Das Angebot ist geringer als die Nachfrage, der Preis geht nach oben. Es gibt heute viele, die solche Anlagen kaufen wollen. Das sind zum Teil auch institutionelle Anleger, die ganze Parks erwerben. Für die rechnet sich das, weil sie keinerlei Fondsnebenkosten erwirtschaften müssen.


ECOreporter.de: Ist die Fotovoltaik so wartungsarm und langlebig wie oft behauptet wird?
Goldenstein: Darüber gibt es letztlich keine gesicherten Aussagen. Wir denken aber, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Kosten geringer ausfallen als prognostiziert, gegen Null geht. Die Kalkulationen beruhen auf Spekulationen. Es gibt noch kaum gesicherte Erfahrungen über längere Zeiträume.

Ein anderes Problem sind die Ersatzteile. Mit fortschreitendem Alter der Anlagen werden die Ersatzteile teurer – jeder, der mal ein älteres Auto gefahren hat, kennt das. Diese Risiken sind in den Kostenansätzen nicht ausreichend berücksichtigt. Ich denke, das hat System: Man hat nur begrenzt Risiken in die Kalkulationen eingebaut, weil sonst keine Rendite mehr raus kommt.


ECOreporter.de: Wie treffsicher sind die Ertragsprognosen bei Solarfonds?
Goldenstein: Die Ertragsprognosen sind recht treffsicher. Wir haben bisher festgestellt, dass die Erträge planmäßig kommen.


ECOreporter.de: Wenn Ihnen ein Solarfonds für Ihren Zweitmarktfonds angeboten wird, worauf schauen Sie dann als Erstes?
Goldenstein: Wir schauen uns die kalkulierten Ausgaben und die Degradation an. Die Unterschiede zwischen einzelnen Fonds sind erheblich.
Bei den Ertragsprognosen sehen wir wenig Probleme, die kommen fast immer gut hin. Dabei ist es egal, welcher Hersteller die Komponenten geliefert hat. Der Hersteller spielt nicht so eine große Rolle. Hersteller die etwas billiger waren, haben meist geringere Garantien und Sicherheiten gegeben. Das gleicht sich in der Regel wieder aus.


ECOreporter.de: Was sollten Anleger beachten, die sich für Solarfonds im Ausland interessieren, z.B. in Spanien?
Goldenstein: Zunächst einmal sind die Anlagen in Spanien viel teurer als in Deutschland. Die spanischen Projektierer wissen, dass sie mehr nehmen können. Der Ertrag ist ja auch höher.

Genau wie bei Angeboten für deutsche Projekte ist es sinnvoll, sich die Kalkulation anzuschauen. Zu welchen Kosten wurde eingekauft? Was kann dabei noch verdient werden? In Spanien spielt zudem der Standort ein große Rolle, denn große Hitze führt im Bereich der Photovoltaik zu geringerer Stromausbeute. Das muss man einkalkulieren.

Das Grundproblem bei solchen Angeboten: Wer ist in der Lage, die Qualität der Berechnungen zu beurteilen? Für den Endkunden ist das unmöglich. Auch für uns als Vermittler ist das sehr schwer.

Solarfonds im Ausland haben Charme: Sie bieten höhere Chancen als deutsche Fonds – mit höherem Risiko. Als Ökorenta haben wir noch keinen Auslandsfonds im Bereich der Photovoltaik vertrieben. Ich betrachte sie als Risikokapital, sie sind nur für risikobewusste Anleger geeignet. Wer nur eine kleine Summe investieren will, sollte die Finger davon lassen. Als Beimischung zu größeren Portfolios sind diese Fonds aber durchaus geeignet.

ECOreporter.de: Herr Goldenstein, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bild: Tjark Goldenstein / Quelle: Unternehmen
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