29.01.03

29.1.2003: Timberland lässt trotz der Kritik an den Arbeitsbedingungen weiter in China produzieren

Der US-amerikanische Bekleidungshersteller Timberland (WKN 973525) ist aus dem Natur-Aktien-Index (NAI) genommen worden. Die Begründung des Beirats: Timberland könne in seinen Zuliefererfirmen keine sozial verträglichen Arbeitsbedingungen garantieren. Damit verwies der Ausschuss, dem Experten aus dem Bereich des ethisch-ökologischen Wirtschaftens angehören, auf Berichte über unzumutbare Arbeitsbedingungen bei Timberland-Zulieferern in China, die die ECOreporter.de-Redaktion publiziert hatte (vgl. ECOreporter.de, 13.12.2001). Das National Labor Committee (NLC) - eine Nichtregierungsorgansation mit Sitz in New York - hatte herausgefunden, dass in der Schuhfabrik Pou Yuen V, Zhongshan, Provinz Guandong Minderjährige ausgebeutet, Frauenrechte verletzt und Versuche, sich gewerkschaftlich zu organisieren, rigoros unterdrückt wurden.

Timberland hat die Ergebnisse der NLC-Recherchen nicht in Abrede gestellt, jedoch auf eine Untersuchung der Arbeitsbedingungen durch die mit dem Unternehmen zusammenarbeitende Non-Profit-Organisation Verité verwiesen. Deren Sprecher, Larry Brown, versicherte gegenüber ECOreporter.de, Timberland bemühe sich seit dem Erscheinen des NLC-Berichts, die Arbeitsbedingungen in den chinesischen Fabriken zu verbessern. Die Zulieferer seien insbesondere angewiesen worden, die 60-Stunden-Woche und einen freien Tag pro Woche einzuhalten.

ECOreporter.de hat zur Jahreswende bei dem Schuh- und Outdoor-Bekleidungshersteller nachgefragt, ob sich die Situation in den chinesischen Zulieferbetrieben inzwischen im Sinne des Code of Conduct verbessert habe, mit dem das Unternehmen aus Stratham, New Hampshire, hohe ethische Maßstäbe gesetzt hatte.

Der Timberland-Pressesprecherin Cheryl Marihugh zufolge bezieht Timberland weiterhin Schuhe aus der für ihre Arbeits-Bedingungen kritisierten chinesischen Fabrik. In Pou Yuen V habe man August 2001 kontinuierliche, deutliche Verbesserungen der Arbeitsbedingungen realisiert.
"Wir lassen die Arbeitsbedingungen durch unabhängige Audits in der Fabrik kontrollieren", berichtet Marihugh. Den aktuellsten Bericht habe Verité im April 2002 angefertigt. "Wir sind zufrieden mit den Veränderungen in dieser Fabrik."
Nachfragen zu Details, ob es einen freien Tag in der Woche gebe, Überstunden entlohnt würden und die Wochenarbeitszeit von 60 Stunden eingehalten werde, kommentiert die Sprecherin nicht. Sie weist nur darauf hin, dass es inzwischen wirksame Kontrollen der Arbeitsbedingungen gebe. "Unsere Befragungen prüfen alle wichtigen Aspekte in der Fabrik, einschließlich der Lohnlisten, der Arbeitszeit-Aufzeichnungen, der Dokumentationen des Alters sowie der Aspekte Gesundheit und Sicherheit." Interviews mit den Arbeitern seien ein fester Bestandteil der Audits, man schätze diese deshalb als brauchbare Quelle. Keine Auskunft jedoch auf die Frage, ob die Audits der Verité einsehbar seien oder veröffentlicht würden.

Statt dessen berichtet Marhugh von einem Trainigs-Programm in Lebenskunst ("Life Skills Training Program") für die ArbeiterInnen von Pou Yuen: Seit Sommer 2001 sei das Programm über die Verité in der Fabrik angeboten worden. "Es ist Teil unserer Bemühungen, die Arbeiter in praktischer Lebenskunst sowie im chinesischen Arbeitsrecht und im Timberland-Code of Conduct zu schulen." Das Verité-Team sei dadurch zweimal wöchentlich in die Fabrik, woraus sich ein enger Kontakt zu den Arbeitskräften ergebe. Über 900 Arbeiter und Arbeiterinnen hätten schon teilgenommen.
Das Unternehmen berichtet darüber hinaus von Kontakten des Timberland-Repräsentanten vor Ort mit den chinesischen Arbeitskräften. Diese seien sowohl per Beschwerdebriefkasten als auch telefonisch über eine Nummer außerhalb der Fabrik zustande gekommen. Marihugh: "Unser Mitarbeiter sucht die Fabrik jeden Monat auf."

Die Alternative, angesichts der schwierigen sozialen Bedingungen in der Fabrik die Zusammenarbeit aufzugeben, ist für Marihugh nur eine Schein-Lösung: "Wenn wir feststellen, dass ein Partner noch nicht unseren Standards entspricht, ist es für uns wichtig ihn zu unterstützen, damit er diese Standards erreicht." Ein Aufgeben würde eine Verbesserung der Standards dort ausschließen, fasst sie die Haltung Timberlands zusammen.

Bilder: Timberland-Schuhe (Quelle: Unternehmen), Timberland-Logo an der Schuhfabrik in Pou Yuen (Quelle: The National Labour Committee)
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