Nachhaltige Aktien, Meldungen

29.1.2008: Aktien-News: NeoThermie AG will geothermische Energiegewinnung optimieren – Börsengang in 2008 geplant – ECOreporter.de sprach mit Vorstand Haberkorn

Die NeoThermie AG aus Sondershausen, Thüringen, hat eigenen Angaben zufolge ein Verfahren entwickelt, mit dem der Wirkungsgrad von geothermischen Kraftwerken gesteigert werden kann. Mit dem Verfahren strebt das Unternehmen demnach langfristig die Marktführerschaft im Bereich der Stromerzeugung aus Erdwärme an. Wie NeoThermie Mitte Januar meldete, bereitet sie einen Börsengang vor und plant die Emission an die Frankfurter Börse in 2008. Die Zeichnungsfrist für die nennwertlosen Inhaberpapiere laufe noch bis zum 30. Juni 2008. ECOreporter.de sprach mit Vorstand Peter F. Haberkorn über das Unternehmen.


ECOreporter.de: Herr Haberkorn, wodurch zeichnet sich das Verfahren Ihres Unternehmen zur Optimierung von herkömmlichen Geothermie Kraftwerken aus?
Peter F. Haberkorn: Gegenwärtig wird Geothermalenergie mit dem Kalina- und dem ORC (Organic Rankine Circle) - Verfahren verstromt. Beide Verfahren nutzen Thermalwässer zwischen 150°C und 70° / 80°C aus. Die Restwärme wird als Wärme für Wohn- und Gewerberäume verkauft. Ohne diesen Absatz der Wärme kann ein solches Kraftwerk nur schwer oder gar nicht ökonomisch arbeiten.

Die NeoThermie AG hat den Konvektionsgenerator (KG) entwickelt, damit wird die Restwärme ebenfalls verstromt. So ist man nicht auf den Wärmeabsatz angewiesen. Man kann solche Kraftwerke damit auch dort bauen und effektiv betreiben, wo keine Wärmeabnehmer vorhanden sind, zum Beispiel in Afrika. Dieses Konvektionsgeneratorverfahren ist geeignet, fast jede industrielle Abwärme, wenn sie nur konstant anfällt, zu Elektroenergie verarbeiten.


ECOreporter.de: Wie gut ist die Technologie gegen Nachahmer gesichert?
Haberkorn: Das Verfahren nutzt allgemein bekannte physikalische Erkenntnisse und ist so nur schwer zu schützen. Es ist ein Patent beim Deutschen Patent- und Markenamt DPMA in München angemeldet und befindet sich dort in der Phase der abschließenden Prüfung.


ECOreporter.de: Wie groß ist Ihr Entwicklungsvorsprung gegenüber Wettbewerbern und worauf gründet er sich?
Haberkorn: Gegenwärtig sind keine Wettbewerber bekannt, die sich mit der Nutzung dieser Wärmemengen beschäftigen, so dass man schwer von Vorsprung sprechen kann. Erfahrene Wissenschaftler haben uns bescheinigt, dass unser Ansatz richtig ist, aber es bisher noch keiner so richtig ernst genommen hat. Deshalb ist der KG eine überraschend interessante Lösung geworden.


ECOreporter.de: Liegen alle Rechte an der Technologie bei der NeoThermie AG?
Haberkorn: Ja.


ECOreporter.de: Sie haben ferner gemeldet, dass sie einen der ersten Aufträge für die Errichtung eines Geothermie Kraftwerkes in den VAE erhalten hätten. Auftraggeber sei ein privates Unternehmen. Sind mit „VAE“ die Vereinigten Arabischen Emirate gemeint? Inwiefern handelt es sich um „einen der ersten Aufträge“.
Haberkorn: Es handelt sich um die Vereinigten Arabischen Emirate, speziell um Ras AL Khaimah.


ECOreporter.de: Wurden in den Emiraten bereits Anlage zur Energieerzeugung aus Geothermie gebaut?
Haberkorn: Durch uns nicht und soweit uns bekannt ist, hat die Geothermie in den VAE bisher noch keine Bedeutung.


ECOreporter.de: Welches Leistungsvolumen hat die geplante Anlage?
Haberkorn: Das Kraftwerk wird eine Leistung von zirka 2 - 2,5 Megawatt haben.


ECOreporter.de: Wie groß ist das Finanzierungsvolumen?
Haberkorn: Das Finanzvolumen beträgt zirka 15 - 16 Millionen Euro.


ECOreporter.de: Ihrer Internetseite ist zu entnehmen, dass Sie im Raum Boizenburg ein Geothermalkraftwerk errichten wollen. Wie weit sind Sie in der Planung des Projekts?
Haberkorn: Das Projekt Boizenburg werden wir mit Beteilungskapital finanzieren. Der Aufwand wird ebenfalls zirka 15 - 16 Millionen Euro betragen. Betreiben werden wir das Kraftwerk selbst. Die Refinanzierung erfolgt über das Energie-Einspeise-Gesetz. Für Interessenten stehen weitere Informationen und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zur Verfügung. Bezüglich der Planung kann folgendes gesagt werden:

Wir wissen, dass am geplanten Standort Thermalwasser in zirka 3000 m Tiefe mit zirka 120°C ansteht. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Projekt. Die Firma GeoX GmbH, die im November 2007 in Laudau (Oberrheingraben) das erste kommerziell genutzte Geothermalkraftwerk in Deutschland erfolgreich ans Netz gebracht hat, unterstützt unser Vorhaben.


ECOreporter.de: Wie können Anleger sich an der NeoThermie AG beteiligen?
Haberkorn: Anleger ordern beim Vorstand der NeoThermie AG in Sondershausen. Sie werden von dort individuell informiert. Für eine Beteiligung hat das Unternehmen die Ausgabe von einer Million nennwertlosen Inhaberaktien zum Kurs von 20 Euro je Stück beschlossen. Die Zeichnungsfrist hat begonnen und läuft bis 30.6.2008.


ECOreporter.de: Wie ist die aktuelle Aktionärsstruktur?
Haberkorn: Gegenwärtig wird das Kapital von den drei Gründern und einem Investor, der den Börsengang finanziert hat, gehalten.


ECOreporter.de: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt NeoThermie?
Haberkorn: Vier Personen arbeiten zurzeit im Unternehmen, das sich bisher hauptsächlich mit der Entwicklung des Verfahrens und einer dafür benötigten Flüssigkeitsturbine beschäftigt hat. Mit dem Beginn der konkreten Abarbeitung der Geothermie-Projekte ist geplant, den Personalbestand schrittweise vorerst auf zirka 20 Mitarbeiter zu erweitern.


ECOreporter.de: Wie ist der aktuelle Auftragsstand?
Haberkorn: Der Auftragsstand umfasst die beiden bereits angesprochenen Kraftwerke. Damit beträgt das Auftragsvolumen zirka 30 Millionen Euro.


ECOreporter.de: Wer finanziert das Unternehmen?
Haberkorn: Bisher hat sich Unternehmen über kleinere Entwicklungsaufträge und staatliche Zuschüsse für Forschungs- und Entwicklungsprojekte finanziert. Künftig wird sich das Unternehmen über die Realisierung kommerzieller Aufträge und Beteiligungskapital finanzieren.


ECOreporter.de: Wer hat es wann gegründet?
Haberkorn: Ursprünglich als Internet Uni AG im Jahre 1999 gegründet, nahm es im Jahre 2003 die heutige Gestalt an. Das Unternehmen wurde von den Physikern Dr.-Ing. Bernhard Schwark-Werwach und Dr. rer. nat. Claus Becker und dem Elektroingenieur Dipl.-Ing. Peter F. Haberkorn gegründet.


ECOreporter.de: Was haben die Vorstände beruflich gemacht, bevor sie die Arbeit für NeoThermie aufnahmen?
Haberkorn: Dr.-Ing. Bernhard Schwark-Werwach arbeitete an der Universität Bremen, danach selbständig.
Dr. rer. nat. Claus Becker arbeitete im Kernforschungszentrum Dubna (Russland), danach an der Universität Bremen, danach selbständig.
Dipl.-Ing. Peter F. Haberkorn arbeitete in der Konzernleitung der ostdeutschen Kaliindustrie, danach selbständig mit einem Computerunternehmen und eine Unternehmensberatung

ECOreporter.de: Herr Haberkorn, wir danken Ihnen für das Gespräch!


NeoThermie AG: WKN 617175 / ISIN DE 0006171754
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