29.12.05 Finanzdienstleister

29.12.2005: "Wesentlicher Grund für die Trennung von Lombard war eine unterschiedliche mittelfristige Strategie" - ECOreporter.de-Interview mit Dominique Biedermann, Gesch?ftsf?hrer Ethos

Die Ethos-Stiftung und die Pictet Asset Management der Bank Pictet & Cie wollen im Bereich nachhaltige Anlagen zusammenarbeiten. Die beiden Schweizer Partner verwalten eigenen Angaben zufolge insgesamt ?ber 1,55 Milliarden Schweizer Franken nach dem Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung. Die Ethos-Stiftung hat ein Portfolio von mehr als einer Milliarde Schweizer Franken aus der Verwaltung der Banken UBS, Vontobel und Lombard Odier Darier Hentsch & Cie auf die Bank Pictet & Cie (Pictet) ?bertragen. ECOreporter.de sprach mit Ethos-Gesch?ftsf?hrer Dominique Biedermann ?ber die Gr?nde für den Wechsel und die Kooperation mit der Bank Pictet.


ECOreporter.de: Die Ethos-Stiftung hat ein Portfolio von mehr als einer Milliarde Schweizer Franken aus der Verwaltung der Banken UBS, Vontobel und Lombard Odier Darier Hentsch & Cie auf die Bank Pictet & Cie (Pictet) ?bertragen. Was waren die Gr?nde für diesen Schritt?
Dominique Biedermann: Wir haben die Verwaltung der Portfolios und das Depot von Lombard auf Pictet ?bertragen, bei UBS und Vontobel hat sich nichts ge?ndert. Die Bank Pictet verwaltet jetzt 1,1 Milliarden Schweizer Franken für uns. Wir haben der Bank zudem die Global Custody (A.d.R.: Wertschriftenverwaltung) ?bertragen.

Wesentlicher Grund für die Trennung von Lombard war eine unterschiedliche mittelfristige Strategie. Lombard wollte das Gesch?ft auf Schweizer Pensionskassen beschr?nken. Wir haben uns aber daf?r entschieden, auch andere institutionelle Kunden und Kunden in Deutschland und Frankreich anzusprechen. Soweit wollte Lombard nicht gehen.

Parallel zur ?bertragung unseres Portfolios haben wir auch unsere Struktur ge?ndert. Die Ethos-Stiftung war bisher eine Stiftung der sogenannten "2. S?ule". Das hatte zur Folge, dass wir nur für Schweizer Pensionskassen als Verm?gensverwaltung arbeiten durften. Und wir mussten für jede Transaktion die sogenannte "Stempelsteuer" zahlen. Das h?ngt einfach damit zusammen, dass das die Pensionskassen auch m?ssen. Die Steuer belief sich auf rund eine Million Schweizer Franken im Jahr: 0,15 Prozent für nicht Schweizer Titel, die H?lfte für Schweizer Titel. In der neuen Struktur haben wir einen institutionellen Anlagefonds gegr?ndet, der muss die Stempelsteuer nicht zahlen.


ECOreporter.de: Gab es vor der nun beschlossenen engen Kooperation bereits eine Zusammenarbeit mit der Bank Pictet & Cie?
Biedermann: Ja, die gab es. Das Anlagesegment "Aktien Schweiz indexiert", eines der acht alten Segmente, wurde schon von Pictet verwaltet. Dabei handelt es sich um ein streng an den Index gebundenes Portfolio. Unseren Nachhaltigkeitsanspruch setzen wir in diesem Fall um, indem wir den Dialog mit den Unternehmen suchen. Bei einem indexierten Fonds ist man in der Regel sehr langfristig Aktion?r der Gesellschaft, zumindest so lange wie das Unternehmen im Index ist. Das ist im ?brigen auch die Intention der Pensionskassen, deren Mittel wir verwalten.
Als Genfer Unternehmen kannten wir die Kollegen von der Bank Pictet, die ihren Sitz ebenfalls in Genf hat, nat?rlich schon lange. Die Welt ist klein: Auch Lombard Odier Darier Hentsch & Cie residieren in Genf.
Wichtig war für uns zudem, dass Pictet bereits seit langem eine sehr gute Infrastruktur für die indexierte Verm?gensverwaltung aufgebaut hat.


ECOreporter.de: Wo sehen Sie die gr??ten Gemeinsamkeiten im Verst?ndnis von Nachhaltiger Geldanlage zwischen der Ethos-Stiftung und der Bank Pictet?
Biedermann: In der Strategie, langfristig zu investieren und den Turnover gering zu halten (A.d.R.: Wechsel in der Depotzusammensetzung). Wir sind ganz einverstanden damit wie Pictet den Portfolioaufbau gestaltet und wir sind ?berzeugt von der Notwendigkeit einer starken finanziellen Analyse und nat?rlich der nachhaltigen Analyse.

Gemeinsam mit Pictet haben wir daf?r ein neues Verfahren entwickelt: Zus?tzlich zur "traditionellen Nachhaltigkeitsanalyse" f?hren wir in einem zweiten Schritt ein sogenanntes "Impact-Rating" durch. Das ist eine eigenst?ndige zweite Analyse in deren Rahmen wir untersuchen, wo jeweils der wichtigste Impact eines Unternehmens in Sachen Nachhaltigkeit liegt. Nehmen Sie das Beispiel der Autoindustrie: Da ist es die CO2-Belastung. Ein Unternehmen dieser Branche kann durch konsequente Bem?hungen sehr viel auf diesem Gebiet erreichen. Ganz anders sieht es dagegen bei dem Zeitarbeitsunternehmen Adecco aus, dort liegt der Impact auf den Arbeitsbedingungen und dem Angebot an Arbeitspl?tzen.
Um den Impact zu leisten muss das Unternehmen eine Strategie in diesem Bereich aufgebaut haben. Wir sind davon ?berzeugt, dass sich das mittel- und langfristig wertsteigernd auf die jeweilige Aktie auswirkt.
Bei Pictet sind wir auf gro?es Interesse für ein solches Konzept gesto?en. Die sind auf der gleichen Ebene wie wir.


ECOreporter.de: Im Zuge der Transaktion haben Sie den institutionellen Anlagefonds "Ethos" aufgelegt, der den gr??ten Teil der Ethos-Anlagesegmente aufnimmt. Ist dieser Fonds auch für andere institutionelle Investoren zug?nglich?
Biedermann: Ja, der neue Fonds ist für alle institutionellen Anleger offen. Das ist etwas Neues, bis heute durfte die Stiftung nur Gelder Schweizer Pensionskassen verwalten. Und wir k?nnen den Fonds im Auftrag deutscher oder franz?sischer Institutioneller Anleger kopieren. Wo das Depot liegt, ist dabei unerheblich.


ECOreporter.de: Sie setzen sich in der ?ffentlichkeit sehr daf?r ein, das institutionelle Anleger die Stimmrechte der von Ihnen gehaltenen Aktien aktiv wahrnehmen. Erwarten Sie das auch von Ihren Partnern aus dem Kreis der Banken?
Biedermann: Normalerweise ?ben die Banken die Stimmrechte nicht aktiv aus; sie tun es nur, wenn ein Kunde das verlangt. Mit Pictet haben wir vereinbart, dass die Stimmrechte unserer Kunden selbstverst?ndlich ausge?bt werden. Wenn man etwas bewirken will, dann muss man weiter gehen, als nur die Titel kaufen oder verkaufen. Dabei geht es nicht nur um Abstimmungen in der Hauptversammlung, es geht auch um den Dialog ?ber das gesamte Jahr hinweg. Wen man diskret diskutiert erreicht man oft viel mehr. Bestes Beispiel ist Nestle, das Unternehmen bem?ht sich jetzt glaubhaft um Corporate Governance, es hat dazu sogar eine Umfrage unter seinen Aktion?ren durchgef?hrt.
Leider gibt es in Kontinentaleuropa noch viele SRI-Fonds, die die Stimmrechte nicht aus?ben. In England und Amerika tun das fast alle Nachhaltigkeitsfonds. Ich bin sicher, in den n?chsten Jahren wird sich das auch bei uns ?ndern!


ECOreporter.de: Herr Biedermann, wir danken Ihnen für das Gespr?ch!


Bildhinweis: Ethos-Gesch?ftsf?hrer Dominique Biedermann / Quelle: Unternehmen
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