29.12.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

29.12.2006: Naturschutzbund vergibt Antipreis samt Schelte an RWE-Chef

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) hat den Vorstandsvorsitzenden der RWE AG, Harry Roels, mit dem "Dinosaurier 2006" ausgezeichnet. "Mit seiner hemmungslosen Atompolitik und dem provozierenden Antrag auf Laufzeitverlängerung für Deutschlands ältesten und störanfälligsten Reaktor Biblis A habe sich Harry Roels die Trophäe mehr als verdient", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Roels habe einen erneuten Streit um die Fortführung der Kernenergie ausgelöst und durch die Hintertür versucht, den Weg für den Ausstieg aus dem Ausstieg von RWE & Co. zu ebnen. Mit dem RWE-Antrag vom September auf Laufzeitverlängerung für den Schrott-Reaktor Biblis A sei der von den Stromkonzernen und der rot-grünen Bundesregierung mühselig ausgehandelte Atomkonsens "aus reiner Profitgier" wieder aufgeschnürt worden.

Ohne den Atomausstieg gebe es keinen Umbau der Energieversorgung in Deutschland, so der NABU. 20 Jahre nach Tschernobyl habe zuletzt der Vorfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark im Sommer diesen Jahres gezeigt, dass es zum Atomausstieg keine Alternative geben dürfe. In den letzten 30 Jahren sind in Biblis A und B insgesamt 737 meldepflichtige Störfälle aufgetreten. Wie RWE-Chef Roels bei dieser Pannen-Bilanz den Eindruck einer unfehlbaren Technologie erwecken will, ist für den NABU nicht nachvollziehbar. Derzeit sei das Doppelkraftwerk abgeschaltet, weil rund 50 Prozent aller Schwerlastdübel falsch montiert worden sind.

Auch in punkto Klimaschutz habe der Essener Energiekonzern nichts zu bieten, stellt der NABU fest. Der Kraftwerkspark von Deutschlands zweitgrößtem Stromanbieter werde von klimaschädlichen Kohlekraftwerken dominiert. RWE sei Deutschlands größter Betreiber von Braunkohlekraftwerken und wolle bis 2020 mehrere neue Kohlemeiler bauen. Der Konzern sei in Europa für 15 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen aus der Stromproduktion verantwortlich und mit jährlich 168 Millionen Tonnen Kohlendioxid der größte Produzent von Treibhausgasen. "Das Kerngeschäft des von Harry Roels gelenkten Konzerns ist die Energieerzeugung mit Uralt-Technologien. Angesichts von Klimawandel und endlichen Ressourcen ist eine Energiewende dringend notwendig. Die ist mit RWE leider nicht in Sicht", so Tschimpke.

Der Energiekonzern RWE könnte bis zu 17 Prozent an Wert verlieren, wenn die Unternehmensstrategie die Bedeutung zukünftiger klimapolitischer Maßnahmen und Kohlendioxid-Regulierung nicht angemessen berücksichtigt. Zu diesem Ergebnis waren vor kurzem der unabhängige Sustainability Investment Manager, SAM Group, und der WWF in einer gemeinsamen Studie gekommen. Deren Untersuchung " Carbonizing Valuation" analysiert die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels auf Unternehmenswerte. "In einer Welt mit steigenden CO2- Preisen müssen Energieversorger und insbesondere Stromerzeuger die langfristigen Konsequenzen für den Unternehmenswert im Auge haben", erklärte Bjørn Tore Urdal von der SAM Group.
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