29.03.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

29.3.2006: Teakholz-Investment-Anbieter stillgelegt: Bankenkommission untersucht, beauftragte Anwälte übernehmen das Ruder - Anlegergeld gefährdet?

Die obere Etage ist für die fremden Anwälte reserviert, die untere Etage darf nichts mehr entscheiden, der Geschäftsführer ist laut Medienberichten zurückgetreten: Ein Züricher Holz-Investment-Anbieter steckt derzeit in einer tiefen Krise. ECOreporter.de berichtet über den Sachstand.

Wie eine Sprecherin der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK) gegenüber ECOreporter.de berichtete, hat die EBK einen "Untersuchungsbeauftragten" entsandt. Er soll prüfen, ob eine "unterstellungspflichtige" Tätigkeit bei der Züricher Prime Forestry AG vorliegt. "Wir gehen Hinweisen nach, dass die Prime Forestry ein "bewilligungspflichtiges" Anlageprodukt" vertreibt, so die EBK-Sprecherin. Solche Produkte müssen in der Schweiz behördlich genehmigt sein. Für Finanzprodukte sind eine Reihe von Vorschriften und Auflagen zu erfüllen. Woher die genannten "Hinweise" stammen, wollte die Sprecherin nicht mitteilen.

Die Prime Forestry AG vertreibt jedoch nach eigener Auffassung im eigentlichen Sinn keine Finanzprodukte, sondern schlicht Teakbäume. Dennoch erweckt die Geldanlage in diese Teakbäume den Eindruck, sie ähnelten einem Geldanlageprodukt. Das Anlageprodukt Tree Direct stelle Prime Forestry selbst als "eine sichere und direkte Anlage durch den Erwerb von Baumbeständen" dar. Ob und wie es der Prime Forestry gelingen könnte, die Bankenkommission zu überzeugen, dass es sich nicht um ein "unterstellungspflichtiges" Finanzprodukt handelt, wollte die EBK derzeit nicht beantworten. Auch die Dauer des Untersuchungsauftrags sei noch nicht abzusehen, so die EBK-Sprecherin. Sie betonte, es handele sich nicht um ein "Verfahren", sondern um einen "Untersuchungsauftrag".

In schweizer Medien hatte die Prime-Forestry-Verwaltungsrätin Carol Franklin gesagt, es werde derzeit kein Verkauf betrieben. "Verwaltungsrat und Management haben keine Befugnisse", sagte die ehemalige Chefin des Word Wide Fund for Nature (WWF) der Schweiz.

Laut Medienberichten hat die EBK Anfang März die Insolvenzanwälte Karl Wüthrich und Yves Meili als Untersuchungsbeauftragte eingesetzt. Den Organen der Gesellschaften Prime Foresty Group und Prime Foresty Switzerland ist es demnach untersagt, "ohne Zustimmung des Untersuchungsbeauftragten weitere Rechtshandlungen für die Gesellschaft vorzunehmen." Die obere Büroetage soll zwischenzeitlich für die Prime-Forestry-Mitarbeiter nicht mehr frei zugänglich gewesen sein, sie sollen auch keine Auskünfte nach außen geben.

Laut einer schweizer Zeitung scheidet der Gründungsgeschäftsführer Kurt Emil Meier aus der Prime Foresty Switzerland aus. Gegen ihn waren in einer schweizer Zeitung schwere Vorwürfe erhoben worden; Meiers Entgegnung darauf war geplant - offensichtlich aber durch den Einsatz der Bankenkommission-Anwälte unterbrochen worden.

Bildhinweis: Der ECOreporter.de-Wachhund
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