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29.3.2007: "Der asiatische Fotovoltaikmarkt ist einer der interessantesten " - ECOreporter.de-Interview mit Andreas Hänel, Vorstandsvorsitzender der Phönix SonnenStrom AG

Die Phönix SonnenStrom AG aus Sulzemoos hat im Geschäftsjahr 2006 mehr umgesetzt, aber weniger verdient. Wie kam es dazu? Ist das Geschäft schwieriger geworden? Welche Pläne und Ziele verfolgt das Unternehmen? Im ECOreporter.de-Interview gibt Andreas Hänel, Vorstandsvorsitzender von Phönix SonnenStrom, Antworten auf diese und weitere Fragen:


ECOreporter.de: Herr Hänel, Ihr Solarunternehmen hat im Geschäftsjahr 2006 mehr umgesetzt, aber weniger verdient. Wie kam es dazu?
Andreas Hänel: Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Aufgrund der bereits zum Jahresanfang hohen Preise vor allem für kristalline Solarmodule hat sich im Lauf des 2. Quartals 2006 die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen mit kristallinen Modulen deutlich abgeschwächt. In der Folge kam es zu ersten Preissenkungen, die erst Ende des Jahres wieder ein für Investoren attraktives Niveau erreichten. Auf dem Weg dorthin sind die Margen unter Druck geraten. Wir gehen auch davon aus, dass der deutsche Photovoltaikmarkt erstmals seit einigen Jahren bestenfalls stagniert hat. Das war aber ein Problem, dass alle Systemintegratoren traf. Es gab auch noch einige Phönix spezifische Faktoren, die das Jahresergebnis beeinflussten. So haben wir Anfang des Jahres einen Segmentwechsel vom Freiverkehr in den Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse vollzogen und vorher sogar noch die Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IFRS gestemmt. All das hat uns im ersten Halbjahr nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell stark belastet. Für IFRS Umstellung und Segmentwechsel haben wir mehrere Hunderttausend Euro aufgewendet, die das Ergebnis schmälerten.

ECOreporter.de: Der Wechsel des Börsensegments vom Freiverkehr in den regulierten Markt schlug im abgelaufenen Geschäftsjahr für Sie belastend zu Buche. Warum wurde dieser Schritt unternommen?
Andreas Hänel: Im Nachhinein war der Zeitpunkt nicht ideal. In schwierigen Marktzeiten mit einer schwächer werdenden Margensituation hätte ich mir einen besseren Zeitpunkt für den Segmentwechsel vorstellen können. Aber unser Ziel war vor allem Phönix SonnenStrom für den internationalen Kapitalmarkt interessanter zu machen. Das funktioniert soweit auch ganz gut, immerhin covert Goldman Sachs Phönix und auch eine Einladung durch das Investmenthaus Piper Jaffrays nach New York und Boston im Februar ist teils der höheren Visibilität zu danken.

ECOreporter.de: 45 Prozent der Gesamtumsatzerlöse des Jahres 2006 erzielten Sie im vierten Quartal. Wie ist dieser Schwerpunkt zu erklären?
Andreas Hänel: Das Photovoltaikgeschäft ist in Deutschland nach wie vor stark saisonal geprägt. Im 1. Quartal läuft fast gar nichts und im 4. Quartal muss dann noch jede Anlage fertig werden, weil am 1.1. des Folgejahres die Einspeisevergütung sinkt. Bei Phönix ist dieser Effekt noch verstärkt, da der Kraftwerksbau bei uns eine immer größere Bedeutung gewinnt. Baubeginn für viele Anlagen ist das 2. oder 3. Quartal. Die Fertigstellung findet oft erst im 4. Quartal statt. So haben wir beispielsweise fünf Megawattanlagen im Dezember parallel gebaut und bis 31.12. ans Netz angeschlossen. Auch in 2007 werden wir einen ähnlichen Jahresverlauf sehen.

ECOreporter.de: Mit 4,0 Prozent lag Ihre EBIT-Marge 2006 um fast 3 Prozent unter der von 2005. Für 2007 stellten Sie 4,5 Prozent in Aussicht. Wird die EBIT-Marge für einen längeren Zeitraum so deutlich unter dem Wert von 2005 bleiben? Mit welchen Maßnahmen wollen Sie die Marge erhöhen?
Andreas Hänel: Mit einer EBIT-Marge von 4,5 Prozent sind wir natürlich nicht zufrieden. Aber wir wollen erst einmal sehen wie der deutsche Markt in diesem Jahr anspringt. All das kann Einfluss auf die Margen haben. Insgesamt sind wir aber für 2007 sehr positiv gestimmt. Wir haben eine hervorragende Visibilität bei vielen Kraftwerksbauprojekten im Megawattbereich. Auch unser Bereich Komponenten & System gewinnt an Fahrt. Langfristig sehen wir unsere EBIT-Marge zwischen 5 und 6 Prozent und das ist für unser vergleichsweise risikoarmes Geschäftsmodell auch ausreichend.

ECOreporter.de: Ist das Geschäft für ein Photovoltaiksystemhaus wie Ihres schwieriger geworden?
Andreas Hänel: Ja und Nein. Das Jahr 2006 war sicher für alle Systemhäuser schwierig. Das sieht man bei allen an den Jahresergebnissen. Für 2007 sieht die Lage bereits schon wieder viel besser aus. Wir verhandeln mit unseren Lieferanten wieder auf Augenhöhe, wir bekommen bessere Einkaufspreise, die wir bereits an unsere Kunden weitergegeben haben und die Auslandsmärkte, insbesondere in Spanien und Italien haben hervorragendes Potential. Gerade in diesen beiden Ländern sind wir sehr gut positioniert. Die spanische Tochter und die italienische Beteiligung haben beide im letzten Jahr profitabel abgeschlossen.

ECOreporter.de: Wie schätzen Sie die weitere Marktentwicklung ein?
Andreas Hänel: In Deutschland sind die Preise für kristalline Solarmodule wieder hochattraktiv, so dass wir mindestens vom Vorjahresniveau ausgehen. Vielleicht ist auch eine kleine Steigerung drin. Enorme Dynamik werden unseres Erachtens die Märkte in Südeuropa entfalten. Spanien sehen wir im Jahr 2007 mit einer Verdoppelung bzw. Verdreifachung des Marktvolumens gegenüber 2006, ausgehend von 45 MW. Italien hat seit 24. Februar ein überarbeitetes Einspeisegesetz, das viele bürokratischen Hindernisse aus dem Weg räumt. In Italien werden wir prozentual höhere Marktzuwächse sehen als in Spanien. Unsere Kollegen in Italien, die im letzten Jahr ihren Umsatz fast versiebenfacht haben, werden auch in diesem Jahr wieder kräftig wachsen. Und sonst passiert natürlich auch noch viel in Frankreich, Griechenland, USA und natürlich in Asien, wo wir seit Anfang des Jahres mit einer eigenen Tochter in Singapur vertreten sind.

ECOreporter.de: Bei den Auslandsumsätzen haben Sie Ihre Ziele 2006 übertroffen. Auf welche Märkte haben Sie gesetzt, wo liegen im Ausland in Zukunft Ihre Schwerpunkte?
Andreas Hänel: Im Jahr 2007 haben klar die Märkte vorrang, auf denen wir bereits präsent sind. Umsatz- und Ertragsbringer im Auslandsgeschäft werden Spanien und Italien sein. Insgesamt haben wir uns in diesem Jahr mindestens 20 Prozent Auslandsumsatz vorgenommen, aber nach Unterzeichnung unseres 37-Millionen-Euro-Projekts La Solana in Spanien kann es am Ende auch deutlich mehr werden.

ECOreporter.de: Inwiefern gefährden in Auslandsmärkten (Italien, Spanien) bürokratische Hindernisse Ihre Wachstumsziele?
Andreas Hänel: Wenn die Wachstumsziele des Unternehmens realistisch sind, preist man bereits auch die bürokratischen Hindernisse ein. Dennoch ist es manchmal überraschend zu sehen, wie lange es dauert, bis Märkte - trotz ambitioniertem Markteinführungsprogramm - anspringen. Nehmen Sie nur einmal Griechenland. Da hat sich 2006 noch gar nichts getan. Insgesamt kann man aber feststellen, dass die Hindernisse in Spanien und Italien Schritt für Schritt abgebaut werden. Gerade in Italien ist das neue FIT schon sehr nah am deutschen EEG. In Italien hat man die teilweise schlechten Erfahrungen schnell in ein verbessertes Programm umgesetzt. Abgesehen davon sollte man nicht vergessen, dass auch wir in Deutschland in den 90er Jahren Hindernisse, zum Beispiel beim Netzanschluss hatten, die auch erst im Laufe der Jahre abgebaut wurden. Andere europäische Länder machen eine parallele Entwicklung durch.

ECOreporter.de: Die Phönix SonnenStrom AG hat vor kurzem eine Tochtergesellschaft in Singapur gegründet. Warum setzen sie auf den asiatisch-pazifischen Markt? Welche Schwierigkeiten sind hier zu beachten?
Andreas Hänel: Wir haben die Märkte analysiert und da ist der asiatische Markt - selbst ohne Japan - einer der interessantesten. Der Verband der europäischen Photovoltaikindustrie EPIA gehrt sogar davon aus, dass 2011 der asiatische Markt - wieder ohne Japan - größer als der US-amerikanische sein kann. Jeder Markt hat seine spezifischen Schwierigkeiten, man muss sie nur kennen. In Singapur sind wir in der glücklichen Lage ein hervorragendes Managementteam gefunden zu haben, das diese Märkte und die Kunden bereits seit über 10 Jahren sehr gut kennt. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren einen Photovoltaikboom in Asien erleben werden und wir werden daran teilhaben.

ECOreporter.de: Welche Pläne und Ziele verfolgen Sie mit der Phönix SonnenStrom AG für die nahe, welche für die weitere Zukunft?
Andreas Hänel: Wenn wir einen wichtigen Beitrag zu einer zukünftigen Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien leisten wollen, muss die Photovoltaik schnell wachsen. Da wir eine marktführende Rolle anstreben, gilt das auch für uns: wir müssen schnell wachsen. Einen der Schlüssel in Richtung schnelleres Wachstum sehen wir in der Internationalisierung, also in der Nutzung der Wachstumsmöglichkeiten, die sich weltweit jetzt und in der Zukunft bieten. Im Jahr 2010 wollen wir über 500 Mio. Euro Umsatz machen und davon 50 Prozent im Ausland. Da liegt noch ein Stück Weg vor uns...

ECOreporter.de: Inwiefern planen Sie, über den Kapitalmarkt Mittel zur Finanzierung weiteren Wachstums zu bekommen?
Andreas Hänel: Wir wären nicht am Kapitalmarkt und dazu noch im Prime Standard, wenn wir nicht die Möglichkeiten nutzen würden, die der Kapitalmarkt bietet. So haben wir im letzten Dezember bei einem sehr schwierigen Kapitalmarktumfeld erfolgreich eine Kapitalerhöhung durchgeführt und die Aktien bei institutionellen Investoren platziert. Darauf sind wir durchaus stolz. Auch für die Zukunft kann es Kapitalerhöhungen geben, um das weitere Wachstum zu finanzieren

ECOreporter.de: Herr Hänel, wir danken Ihnen für das Gespräch.


Phönix SonnenStrom AG: ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9

Bildhinweis: Andreas Hänel, Solarprojekte der Phönix SonnenStrom / Quelle: Unternehmen
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