29.07.05 Erneuerbare Energie

29.7.2005: Studie britischer Experten schl?gt Alarm - Geht der Offshore-Windkraft in Europa das Geld aus?

Der Ausbau der Windenergienutzung auf See (offshore) in Europa droht ins Stocken zu geraten. Denn sowohl in der Finanzbranche als auch von Gro?konzernen wird die Wirtschaftlichkeit weiterer Offshore-Projekte immer st?rker bezweifelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der in London ans?ssigen New Energy Finance Limited. Sie ist spezialisiert auf Research und Analysen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Die Leistung der bereits in Betrieb genommenen Offshore-Projekte beziffert New Energy Finance mit 0,6 GW. Hierbei entfalle der L?wenanteil auf D?nemark und Gro?britannien. Ihrer Untersuchung zufolge sind derzeit in europ?ischen Gew?ssern weitere Windparks mit einer Kapazit?t von 56 Gigawattstunden (GW) pro Jahr in Planung oder zumindest beantragt worden. Insgesamt w?rden nach Sch?tzungen der Londoner Analysten für die Umsetzung dieser Offshore-Projekte bis 2030 Mittel in H?he von ?ber 90 Milliarden Euro ben?tigt. Zur Verf?gung st?nden bislang aber nur 2,7 Milliarden Euro. Lediglich für weitere Offshore-Windparks mit 1 GW Leistung sei bislang die Finanzierung so weit gesichert, so dass mit ihrer Errichtung begonnen werden konnte.

Die Autoren der Studie verweisen darauf, dass nicht nur der Investitionsaufwand je Megawatt Leistung für Windkraftprojekte auf See mehr als doppelt so hoch sei wie bei an Land errichteten Windparks. Diese Kosten seien in den vergangenen Jahren zudem deutlich gestiegen. Habe man vor zwei Jahren noch 1,32 bis 1,57 Millionen Euro veranschlagt, so m?ssten die Planungen heute von einem Investitionsaufwand je Megawatt Leistung von 1,74 bis 2,15 Millionen Euro ausgehen. Dies ist laut der Untersuchung auf etliche Faktoren zur?ckzuf?hren. So unterst?tzten etwa die Regierungen in Europa den Ausbau der Offshore-Windkraft insgesamt mit weniger Mitteln als in der fr?hen Pionierphase. Dies gelte insbesondere für Gro?britannien, wo Konzerne wie Scottish Power, E.ON und Shell z?gerten, ihre Offshore-Planungen ohne weitere staatliche Zusch?sse umzusetzen. Auch gew?hrten die Vertragspartner solcher Projekte nicht mehr - wie bei den ersten Pionierprojekte ?blich - Preisnachl?sse, um einen fr?hen Zugang zu dem neuen Gesch?ft zu bekommen. Au?erdem w?rden die Projekte durch einen enormen Genehmigungsaufwand behindert. Zum Teil m?ssten bis zu 14 unterschiedliche Beh?rden für ein einziges Projekt ihren Segen geben. Immerhin h?tten die Regierungen von Schweden, D?nemark und Gro?britannien schon Ma?nahmen eingeleitet, die Genehmigungsverfahren zu vereinfachen.

Bei der Betrachtung der Offshore-Windkraft in Deutschland verweist New Energy Finance auf die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gesicherten Einnahmen für Windstrom. Dieses lasse die Bedingungen für die Offshore-Technologie hierzulande in besserem Licht erscheinen. Dadurch seien Windkraft-Projekte auf See auch für konzernunabh?ngiger Projektierer attraktiv. Genannt werden in der Untersuchung Energiekontor, Plambeck Neue Energien, Enova, Geo mbH und Winkra Energie. Allerdings h?tten einige Unternehmen der deutschen Windkraftbranche zuletzt Einbu?en im Gesch?ft mit der an Land erzeugten Windenergie erlitten und sei es auch daher nicht sicher, ob ihnen die Finanzierung solcher Gro?projekte gelingt. Sollte nun aufgrund der stark gestiegenen Kosten der Erfolg im Ausbau der Offshore-Technologie ausbleiben, k?nne sich dies auf die deutsche Windkraftbranche dramatisch auswirken. Dass sich die Finanzierung von Offshore-Windparks auch in Deutschland nicht einfach gestaltet, war erst vor wenigen Wochen deutlich geworden, als gemeldet wurde, dass zur Finanzierung des ersten deutschen Offshore-Projekts der Bund einspringen musste. Die Banken hatten die Finanzierung des Pilotprojektes mit der Begr?ndung abgelehnt, die technischen Risiken seien zu gro? (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 14. Juli).

Die Studie der New Energy Finance ist in englischer Sprache erschienen und kann im Internet herunter geladen werden unter: Offshore

Bildhinweis:
Morgen- oder Abendrot? Die Zukunft der Offshore-Windkraft ist ungewiss / Quelle: Vestas;
Offshore-Projekt von GE Energy / Quelle: Unternehmen;
Offshore-Projekt der Enova / Quelle: Unternehmen
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