30.08.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

30.08.2004: Wochenrückblick: Sonntagsarbeit: Solon AG streitet mit der IG Metall - Kurseinbrüche bei Energiekontor und Umweltkontor - Nordex reduziert Fehlbetrag

Der Aufwärtstrend an den Weltbörsen setzte sich in der vergangenen Woche fort. Um vier Prozent kletterte der DAX, zwei Prozent legte der TecDAX zu. In Japan stieg der Index Nikkei-225 um drei Prozent. Die US-amerikanischen Indizes Dow Jones Industrial Average und Nasdaq Combined Composite erhöhten sich um ein Prozent. Der Euro hat zum US-Dollar 2,5 Prozent auf 1,2011 Dollar nachgegeben. Rohöl zur Lieferung im Oktober kostete am Freitag in New York rund zwölf Prozent weniger als der September-Kontrakt am Ende der Vorwoche.

Die norwegische Regierung plant Agenturberichten zufolge, Gebiete in der Barentssee und um die Lofoten für die Erkundung von Öl- und Gaslagerstätten zu öffnen. Diese Gebiete stehen bislang unter Naturschutz.

Die Europäische Kommission hat ein Handbuch zur umweltorientierten Vergabe öffentlicher Aufträge vorgestellt. Die öffentliche Hand wende jährlich etwa 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Union auf. Sie verfüge damit über eine gewaltige Kaufkraft, sagte Umweltkommissarin Margot Wallström bei der Vorstellung des Buches. Falls zum Beispiel alle staatlichen Stellen in der Europäischen Union auf Ökostrom umstellten, würden allein dadurch 18 Prozent der in Kyoto eingegangenen Verpflichtungen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen bis 2012 erfüllt werden, so die Kommissarin weiter.

Nach einem Bericht der Berliner "Tageszeitung" (taz) hat die Solon AG Zwist mit der Gewerkschaft IG Metall. Der Berliner Solarmodul-Hersteller will in Mecklenburg-Vorpommern eine neue Fabrik eröffnen. 100 Beschäftigte sollen dort in drei Schichten, 40 Stunden in der Woche und auch am Wochenende arbeiten. Laut taz gebe es "Riesenärger" mit der Gewerkschaft, die auf der Einhaltung von Tarifverträgen beharre.

Auch den Erzeugern von Windstrom könnte neuer Ärger ins Haus stehen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Genehmigungspflicht für Windenergieanlagen nach Bau- beziehungsweise Immissionsschutzrecht abweichend von der bisherigen Praxis neu definiert. Diese Entscheidung könnte dazu führen, dass bereits baurechtlich genehmigten Vorhaben die Betriebsgenehmigung fehlt. Auch bereits bestehende Windparks könnten betroffen sein. Nach Auffassung der Anwaltskanzlei Blanke Meier Evers, Bremen, zeichnet sich jedoch ab, dass kooperative Lösungen zwischen Betreibern und Behörden gefunden werden können.

Die Kurse der Windparkprojektierer Energiekontor AG (Bremen) und Umweltkontor Renewable Energy AG (Erkelenz) verzeichneten erneut Einbrüche. Energiekontor notierten kurzzeitig unter der ein Euro-Marke. Umweltkontor verfehlten ihr Allzeittief von 0,52 Euro um nur einen Cent. Allerdings wurden im elektronischen Handel der Deutschen Börse AG "Xetra" nur ganze 34 Aktien zum Preis von 0,53 Euro gehandelt.

Vestas Wind Systems A/S, Windturbinenhersteller und Weltmarktführer aus Dänemark, sanken in Kopenhagen bis auf 73 Dänische Kronen. Insgesamt verzeichnete die Aktie im Wochenverlauf aber eine Zunahme um zwei Prozent auf 78,75 Kronen.

Nordex AG, Windmühlenbauer aus Norddeutschland, gab die Ergebnisse des abgelaufenen Neunmonats-Zeitraums (30. Juni) bekannt. Der Umsatz lag mit 156 Millionen Euro um 16 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) verbesserte sich auf minus 19,4 Millionen, nach minus 48,9 Millionen Euro im Vorjahr. Nordex begründet die Ergebnisverbesserung mit Kostensenkungen in der Folge des laufenden Restrukturierungsprogramms. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2003/04 wurde auf 205 Millionen Euro gesenkt, das Ergebnis soll jedoch wie zuvor angekündigt minus 28 Millionen Euro erreichen. Die Rückkehr in die Gewinnzone ist für das Geschäftsjahr 2005 geplant. Nordex notierten am Freitag einen Cent höher bei 0,78 Euro. Analysten der Landesbank Baden-Württemberg empfahlen, die Aktie zu "verkaufen".

Das erste Wellenkraftwerk Großbritanniens hat bereits eine Woche lang Strom ins britische Netz eingespeist. Das berichtet der Londoner "Guardian". In Orkney und im West Country würden zur Zeit verschiedene Ausführungen von Meeresenergie-Anlagen getestet. Man hoffe, künftig Offshore-Windanlagen, Wellen- und Gezeitenkraftwerke miteinander kombinieren zu können. Das werde die Kosten erheblich senken, denn es könnte beispielsweise ein gemeinsames Kabel genutzt werden, so der Guardian.

59 Prozent der Deutschen sind für eine verstärkte Förderung der erneuerbaren Energien. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid im Auftrag des Greenpeace-Magazins. Laut der Umfrage sprechen sich weitere 26 Prozent der Deutschen dafür aus, die Förderung auf dem jetzigem Niveau beizubehalten. Nur zwölf Prozent wollten diese verringern oder ganz abschaffen. Befragt nach ihrer Einstellung zum Dosenpfand, sagten 60 Prozent, sie hielten es für sinnvoll. Ein gutes Drittel kreidet jedoch der Bundesregierung die umständliche Handhabung des Pfands an, während knapp die Hälfte der Befragten der Getränkeindustrie oder dem Lebensmittelhandel die Schuld gibt. Die Sorge der Deutschen um ihre Umwelt rangiert der Umfrage zufolge noch vor der um Kriminalität, Krieg und Terroranschläge und wird nur von der Sorge um die wirtschaftliche Lage und den Zustand der Sozialsysteme übertroffen.

Tomra Systems ASA hat die Übernahme der TiTech Visionsort AS abgeschlossen. Für die Akquisition seien 219 Millionen Norwegische Kronen bezahlt worden. Mit der Technologie von TiTech will Tomra stärker in die automatisierte Rücknahme und Sortierung von nicht bepfandeten Verpackungsmaterialien einsteigen. Tomra legten in Oslo leicht auf 26,80 Kronen zu.

Der Kölner Recycling-Konzern Interseroh AG expandiert nach Skandinavien. Noch im August soll eine neue Niederlassung in Göteborg (Schweden) die Geschäftstätigkeit aufnehmen. Damit wolle man vor dem Hintergrund stark gestiegener Schrottpreise die Position in der Schrottaufbereitung und im Schrotthandel weiter ausbauen, hieß es. Interseroh kletterten um fünf Prozent auf 13,40 Euro.


Die Lenzing AG berichtete Halbjahresumsätze von 336 Millionen Euro, nach 301 Millionen im ersten Halbjahr 2003. Das EBIT ging auf 35,4 von 36,1 Millionen Euro zurück. Hier hätten sich die Übernahmekosten der Tenzel-Unternehmensgruppe sowie der ungünstige Dollarkurs ausgewirkt, so der Hersteller von Zellulosefasern aus Lenzing (Österreich). Lenzing stiegen um vier Prozent auf 167,90 Euro.

Um 15 Prozent auf 3,23 Kanadische Dollar kletterte der Kurs der Stuart Energy Systems Corp. Der Hersteller von Wasserstoff-Tankstellen aus Toronto hatte Auftragseingänge in Rekordhöhe gemeldet. Zuvor war bereits die Umsatzprognose angehoben worden.

Evergreen Solar Inc., US-amerikanischer Hersteller von Solarzellen, meldete den Erhalt einer Kreditlinie über fünf Millionen Dollar von der Silicon Valley Bank. Das Geld ist nach Unternehmensangaben für nicht näher bezeichnete Expansionspläne vorgesehen. Evergreen legten neun Prozent auf 3,12 Dollar zu.

Die Halbjahreszahlen der WorldWater Corp. weisen Umsätze von 4,2 Millionen Dollar aus - gegenüber den 1,14 Millionen aus dem Vorjahreszeitraum fast eine Vervierfachung. Der größte Teil davon, nämlich 3,4 Millionen Dollar, fiel in das zweite Quartal. Jedoch schreibt das Unternehmen weiter rote Zahlen. Der Nettoverlust hat sich im zweiten Quartal auf 1,9 Millionen Dollar ausgeweitet. Im Vergleichszeitraum hatte der US-amerikanische Hersteller solar betriebener Wasserpumpen noch einen Verlust von 1,1 Millionen gemeldet. Die im Bulletin Board gehandelte Aktie legte drei Cent auf 0,34 Dollar zu.

Der Kurs der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG kletterte um 16 Prozent auf 8,00 Euro. Die Papiere standen in den beiden Vorwochen unter starkem Abgabedruck. Condomi AG stiegen um elf Prozent auf 1,48 Euro.


condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
E.on AG (ISIN DE0007614406 / WKN 761440)
Evergreen Solar Inc. (ISIN US30033R1086 / WKN 578949)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
Lenzing AG (ISIN AT0000644505 / WKN 852927)
Mayr-Melnhof Karton AG (ISIN AT0000938204 / WKN 890447)
MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (ISIN DE000A0B95Y8 / WKN A0B95Y)
Nordex AG (ISIN DE0005873574 / WKN 587357)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Stuart Energy Systems Corp. (ISIN CA8636881077 / WKN 579775)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
WorldWater Corp. (ISIN US98155N1063 / WKN 909889)

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.



Bilder: Photovoltaikanlage mit Modulen der Solon AG auf einer Halle des Autobauers Audi, Ingolstadt; Nordex Windkraftanlage von Typ N80 ; Kartonmaschine der Mayr-Melnhof AG
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