30.11.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

30.11.2006: Vor dem nächsten Kurssprung? - Die Aktie des Stromerzeugers Verbund hat noch immer großes Potential

Die Fakten hören sich an, als hätten sich Manager eines Nachhaltigkeitsfonds die Aktie am Telefon ausgedacht: ein Stromerzeuger, der zu 90 Prozent Energie aus regenerativer Quelle produziert, und aber schon seit fast 60 Jahren am Markt etabliert ist. Dessen Aktie mit einer Marktkapitalisierung von 5,8 Milliarden Euro leicht zu handeln ist und die in den letzten drei Jahren 500 Prozent an Wert gewonnen hat. Doch dieses Unternehmen ist kein Fantasieprodukt, sondern real. Es handelt sich um die österreichische Elektrizitätswirtschafts- AG, kurz: Verbund. Das führende Elektrizitätsunternehmen des Alpenlandes, dort der größte Stromproduzent und -transporteur, erzeugt Strom vor allem aus Wasserkraft (29.000 Gigawattstunden in 2005) und lediglich zu 10 Prozent aus konventionellen Wärmekraftwerken. Das macht die Gesellschaft mit Sitz in Wien nicht nur zum nach eigener Darstellung umweltfreundlichsten Groß-Stromerzeuger in der Europäischen Union. Sie wird auch von etlichen Nachhaltigkeitsfonds geführt. Neben österreichischen Fonds wie dem ökologisch orientierten 3 Banken-Global-Öko-Mix oder dem Mischfonds Superior-3-Ethik des Bankhauses Schelhammer & Schattera hat ihn unter anderem auch der deutsche Ökovision in seinem Portfolio.

Kristina Rüter, Analystin bei der Münchener Agentur für Nachhaltigkeitsratings, oekom research AG, bestätigte auf Nachfrage von ECOreporter.de, dass der Verbund zu den Nachhaltigkeitsbesten seiner Branche gehört. Das Unternehmen rangiere dort im oberen Viertel. "Die Nachhaltigkeitsberichterstattung des Elektrizitätsunternehmens ist transparent und umfassend, extern auditiert und orientiert sich an den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI)", so Rüter. Das Unternehmen selbst hebt in seinen Umweltleitsätzen sein "professionelles Umweltmanagementsystem" hervor, das in die bestehende Organisationsstruktur des Konzerns integriert sei und in allen operativen Ebenen implementiert werde. "Wir wirtschaften nachhaltig, kommunizieren offen und bekennen uns zu unserer gesellschaftlichen Verantwortung", lautet sein offizielles Bekenntnis. Man begnüge sich nicht mit den gesetzlichen Mindestanforderungen, sondern wolle mit hohen technologischen Umweltstandards Maßstäbe setzen. Als Schwerpunkte seiner Nachhaltigkeitsbemühungen nennt der Verbund etwa einen geringen Ressourcenverbrauch und die Vermeidung klimabelastender Emissionen durch den Einsatz von Wasserkraft. Er unterstützt mit Zahlungen auch externe Projekte wie die 2002 gestartete Kampagne "Wasserleben" zum Schutz von Feuchtgebieten. Hier kooperierte das Unternehmen unter anderem mit dem österreichischen Naturbund.

Die oberste Verantwortung für Nachhaltigkeit liegt beim Verbund-Konzernvorstand, der die Nachhaltigkeitsziele und -politik festlegt. Dem untersteht laut seinen Angaben der Nachhaltigkeitsausschuss des Unternehmens direkt. In diesem ist der Konzern durch die Vorstandsassistenten der Holding und der Tochtergesellschaften, dem Leiter der Konzernkommunikation, den Nachhaltigkeits-, Forschungs- und Umweltbeauftragten des Konzerns sowie dem Investor Relations Manager umfassend abgebildet. Der Nachhaltigkeitsausschuss koordiniert die operative Umsetzung der Nachhaltigkeit konzernweit und erstellt den Nachhaltigkeitsbericht.

Auch die wirtschaftliche Performance des Verbund kann überzeugen. Im Oktober hatte er die Zahlen für die ersten neun Monate vorgelegt. Demnach wurde der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 39 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro verbessert, das Operative Ergebnis um 63,7 Prozent auf 646 Millionen Euro. Das Konzernergebnis erfuhr eine Steigerung um 48,9 Prozent auf 410,1 Millionen Euro und die EBIT-Marge erhöhte sich von 22,3 auf 26,2 Prozent. Die Führung des Unternehmens führte die Ergebnissteigerung vor allem auf die Erfolge im Stromgeschäft und das stabile Netzgeschäft zurück. Durch eine Ausweitung der internationalen Vertriebs- und Handelsmengen sei es erneut gelungen, vom steigenden Großhandelspreisniveau auf den europäischen Strommärkten in vollem Umfang zu profitieren. Für das Gesamtjahr 2006 rechnet der Verbund mit einer Steigerung des Operativen Ergebnisses und des Konzernergebnisses um jeweils 40 Prozent gegenüber 2005. Im Zuge der Halbjahreszahlen ging der Verbund noch von einer Konzernergebnissteigerung in Höhe von 30 Prozent aus.

Zuletzt hatte sich die Aktie des Unternehmens gut von dem Einbruch im Mai/Juni erholt, als ihr Kurs im Sog der allgemeinen Börsenturbulenzen, aber auch aufgrund der Gerüchte über einen Zusammenschluss mit dem Ölkonzern OMV stark unter Druck geraten war. Der scheint vorerst nicht mehr zur Debatte zu stehen, nichts weist mehr darauf hin, dass die Republik Österreich ihre Anteilsmehrheit von 51 Prozent an dem bis 1988 vollständig dem Bund gehörenden Stromerzeuger abbauen wird. Aktuell befindet sich der Verbund zu 24 Prozent im Streubesitz. Nachdem die Aktie vor einem halben Jahr von knapp 42 auf etwas über 32 Euro abgestürzt war, bewegt sie sich nach stetiger Erholung wieder wie im Frühjahr knapp unter 40 Euro. In Frankfurt ging sie gestern mit 38,20 Euro aus Handel und war damit um ein Vielfaches mehr wert als noch Ende 2003.

Die Analysten der Erste Bank rechnen mit weiteren Zuwächsen des Wertpapiers. Der Verbund operiere weiterhin in einem für ihn idealen wirtschaftlichen Umfeld mit hohen Strom-Großhandelspreisen und niedrigen Produktionskosten, so die Experten des zweitgrößten Finanzinstituts Österreichs. Zwar werde das Finanzergebnis des Konzerns in 2006 durch umfassende Investitionen insbesondere in den Ausbau der Kapazitäten bei der Wasserkraft (plus über 10 Prozent) und Wärmekraft (plus über 100 Prozent) kurzfristig belastet. Langfristig führten diese Maßnahmen jedoch zu einem starken Anstieg der Free Cash-Flows und das wiederum zu einer höheren Bewertung. Analyst Christoph Schultes von der Erste Bank stuft die Aktie des Verbund als klaren Kauf ein. Er erhöhte das Kursziel auf 50 Euro.

Trotz all dieser Vorzüge ist das Unternehmen für nachhaltig ausgerichtete Anleger dennoch nicht ohne Makel. Darauf wies Kristina Rüter von oekom research gegenüber ECOreporter.de hin. So betreibe der Stromerzeuger hauptsächlich große Wasserkraftwerke, die auch "signifikante negative Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensbedingungen der Anwohner haben können". Ein Beispiel dafür sei der Birecik Staudamm in der Türkei. Noch problematischer erscheint eine weitere Geschäftspraxis des Verbund. Zwar betreibe der Konzern selbst keine eigenen Kernkraftwerke, so Rüter. Aber er kaufe große Mengen Atomstrom zu. Sie summierten sich auf "schätzungsweise 30 Prozent des gehandelten Stroms". Für Gegner der Atomkraft wirft dieser Umstand einen großen Schatten auf dieses sonst so attraktive Wertpapier.

Österreichische Elektrizitätswirtschafts - AG (Verbund): ISIN AT0000746409 / WKN 877738

Bildhinweis: Blick auf die Stauseen um das Verbund-Wasserkraftwerk Kaprun; Turbine des Stromerzeugers / Quelle: Unternehmen
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