Nachhaltige Aktien, Meldungen

30.1.2007: Auszeichnungen und Antipreise - Auslese von Nachhaltigkeitsunternehmen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Auch in diesem Jahr wurde die Plattform des nun beendeten Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos genutzt, Lob und Tadel an ausgesuchte Unternehmen zu verteilen. So wurden zum dritten Mal die Public Eye Awards verliehen. Den Veranstaltern Pro Natura und Erklärung von Bern (EvB) zufolge ging einer der Antipreise für ökologisch oder sozial fragwürdig handelnde Unternehmen an die Reifenfirma Bridgestone. Auf deren Gummiplantagen in Liberia herrschten seit 80 Jahren Sklaverei-ähnliche Zustände, Kinderarbeit und Ökodesaster seien dort an der Tagesordnung. Ebenfalls an den Pranger gestellt wurde der Basler Pharmakonzern Novartis. Er versucht laut den Veranstaltern gegenwärtig mit Patentklagen, den Zugang zu bezahlbaren Generika in Indien und den Entwicklungsländern einzuschränken. Damit sei Novartis "durch seine Monopolpolitik in Indien mitverantwortlich für das Leid Zehntausender Krebskranker", wurde der Vorsitzende der indischen Krebshilfe, Yogenda Sapru, bei der Preisverleihung zitiert.

Ebenfalls zum dritten Mal wurde in Davos eine Liste der besten 100 Nachhaltigkeitsunternehmen weltweit vorgelegt. Erneut präsentierten die federführenden Gesellschaften Corporate Knights und Innovest die Auswahl. Sie wählten diese Top 100 aus 16 Ländern laut eigener Darstellung aus insgesamt 1.800 Unternehmen aus. Bei der Auswahl wurden im Vergleich zum Jahr 2006 volle 30 Unternehmen ausgetauscht. Dazu zählen etwa die mit dem Public Eye Award belastete Novartis, weitere Pharmafirmen wie Glaxosmithkline und Johnson & Johnson, der finnische Holzkonzern Stora Enso und die Bank Of America. Ebenfalls aus der Liste fielen etablierte Nachhaltigkeitsunternehmen wie die Deutsche Telekom, der Mineralölkonzern BP und der Rücknahmeautomatenhersteller Tomra Systems ASA. Angaben über Gründe für die Ausschlüsse waren bislang von Innovest nicht zu erhalten. Im Vorjahr hatte Toby Heaps, Gründer und Herausgeber des Corporate Knights Magazine, einem kanadischen Fachmagazin für Nachhaltigkeit, die Auswahl erläutert. Ihm zufolge zeichnen sich die für die Rangliste ausgewählten Top 100 weltweit durch eine vorbildliche und konsequent durchgeführte Nachhaltigkeitsstrategie aus. Es handle sich hinsichtlich der Aspekte Umwelt, sozialer Verantwortung und Corporate Governance sämtlich um die Nachhaltigkeitsbesten ihrer Branche (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 1. Februar 2006).

Matthew Kiernan, CEO der gleichfalls kanadischen Beratungsgesellschaft Innovest, unterstrich in einer Presseaussendung die wirtschaftlichen Vorteile besonders nachhaltiger Aktienunternehmen. Diese seien innovativer, attraktiver für hervorragende Arbeitnehmer und ihre Kunden, wirtschafteten kostengünstiger und auf lange Sicht wertschöpfender als andere. Zu diesen Unternehmen zählen laut der Auswahl überwiegend britische Unternehmen. Auf sie entfällt mit 24 Plätzen allein knapp ein Viertel der ausgezeichneten Aktiengesellschaften. Dazu gehören etwa Scottish & Southern Energy, Unilever, Severn Trent und die Bank HSBC, ferner die hinsichtlich Klimaschutz gewiss problematische Fluggesellschaft British Airways. Mit 19 Plätzen nehmen US-Firmen knapp ein Fünftel der Plätze unter den Top 100 ein, so dass mehr als die Hälfte für anglo-amerikanische Unternehmen reserviert wurde. Aus den Vereinigten Staaten wählten Innovest und Corporate Knights Magazine unter anderem den in Atomkraft involvierten Megakonzern General Electric, Coca Cola, den von Naturschützern stark kritisierten Aluminiumhersteller Aluminium Company of America (Alcoa) und den Sportarkttikelhersteller Nike aus (wir berichteten über dessen Nachhaltigkeitsbemühungen ausführlich im ECOreporter.de-Beitrag vom März 2006).

Auch deutsche Unternehmen fanden Aufnahme in die vorgelegte Liste der 100 Nachhaltigkeitsbesten weltweit. Es handelt sich um den Chemie-Konzern Henkel (wir portraitierten das Unternehmen und seine Nachhaltigkeitsleistung ausführlich im ECOreporter.de-Beitrag vom Oktober 2006), den Sportartikelhersteller Adidas, Fresenius Medical Care und die BASF AG. Diese wurde in Davos ferner für ihre gesellschaftliche Verantwortung mit dem ersten Platz beim Good Company Ranking ausgezeichnet, das das manager magazin, die Prüfungsgesellschaft Deloitte und die Unternehmensberatung Kirchhoff Consult erstellt haben. Laut eigenen Angaben ist die BASF ist nach dieser Rangliste das Unternehmen in Europa, das seine gesellschaftliche Verantwortung am umfassendsten wahrnimmt.

Aus anderen europäischen Länder taucht ebenfalls nur jeweils eine Handvoll in der Innovest-Auswahl auf. Dazu zählen unter anderem Iberdrola, Gamesa, Vestas, Mayr-Melnhof Karton AG, Nokia, Swiss Re, ABN Amro und Philips Electronics. Am dritthäufigsten sind Firmen aus Japan in der Liste vertreten. Zu diesen 13 Unternehmen zählen Gesellschaften wie Toyota, East Japan Railway Company, Rico und Mitsubishi Heavy Industries.

Bildhinweise: Die Auswahl der Nachhaltigkeitsbesten ist eine Wissenschaft für sich: Aufnahme aus dem Papiertechnikum von Bayer / Quelle: Unternehmen; Hauptquartier des in der Innovest-Liste enthaltenen Bankhauses HSBC / Quelle: Unternehmen
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