30.08.02

30.8.2002: Windfondsmanager müssen zuhören können - Interview mit Jan Paul Grimble, dem Service-Leiter bei Umweltkontor

(JW) Windparkprojektierer planen Windparks, errichten sie, oder lassen sie errichten, gründen für Parks Windfondsgesellschaften, an denen sich Anleger beteiligen können. Dann verwalten sie die Windfonds. Der Bereich Fondsverwaltung wird bisher von Aktienanalysten kaum beachtet, dabei trägt er wesentlich zum Geschäft eines Windprojektierers bei. ECOreporter.de fragte Ian Paul Grimble, kaufmännischer Leiter der Abteilung Services bei der Umweltkontor Renewable Energy AG, zu den Einzelheiten und Problemen.

ECOreporter.de: Die betriebliche Geschäftsführung eines Windfonds ist, oberflächlich betrachtet, ein sicheres Geschäft: Man bekommt etwa 2 bis 2,5 Prozent der Einnahmen aus dem Stromverkauf des Fonds. Dafür sind nur Abrechnungen zu erstellen und Jahrestreffen der Windpark-Kommanditisten zu organisieren. Oder steckt da doch mehr dahinter?

Grimble: Das ist tatsächlich eine oberflächliche Betrachtung, wenn wir auch, nachdem wir in diesem Jahr einige Fonds anderer Windparkprojektierer in unsere Betriebsführung übernommen haben, feststellen müssen, dass leider vielfach auch so oberflächlich gearbeitet wird.
Aber zu einer professionellen kaufmännischen Betriebsführung gehört dann doch noch einiges mehr. Neben dem gesamten Vertragscontrolling inklusive Durchsetzung von Ansprüchen mit Herstellern, Grundstückseigentümern und sonstigen Vertragspartnern ist es zwingend erforderlich, eine laufende Wirtschaftlichkeitskontrolle zu implementieren und über gutes Treasury und zum Beispiel die Akquisition von Antennennutzungen etc. die Nebenerträge der Gesellschaften zu optimieren.
Außerdem erhalten die Kommanditisten, die bei unseren Fonds beteiligt sind, mindestens einmal im Quartal eine ausführliche Information über Erträge, technische Besonderheiten und alles, was für den Anleger Bedeutung hat. Gleichzeitig stellen wir diese Informationen den Kommanditisten in einem eigens zu diesem Zweck auf unserer Internetseite eingerichteten Bereich zur Verfügung. Dieser Bereich ist nur für Anleger zugänglich und wird laufend aktualisiert.

Darüber hinaus noch der Hinweis, dass bei über 3000 Kommanditisten in über 60 Fondsgesellschaften, die wir derzeit mit unserem Bereich Services betreuen, wöchentlich etwa 5 bis 10 Anfragen von Kommanditisten zu den unterschiedlichsten Themen eingehen, zum Beispiel steuerliche oder rechtliche, natürlich auch technische Fragen. Diese werden von unseren Mitarbeitern beantwortet.

Kurz und Gut: Für uns steht im Vordergrund, dass der Kommanditist vollumfänglich informiert und bestens betreut wird und er dies auch spürt.


ECOreporter.de: Im Laufe der Jahre nehmen die Einnahmen der Windparkprojektierer durch die betriebliche Geschäftsführung zu, weil mit jedem neuen Windpark die Einnahmen steigen. Wenn alle von einem Windprojektierer verwalteten Windparks beispielsweise 100 Millionen Euro Stromeinnahmen in einem Jahr erzielen, dann bleiben als Dienstleistungseinnahme aus der Verwaltung etwa 2,5 Millionen Euro. Ist das nicht ein Geschäft mit hohen Gewinnen?

Grimble: Natürlich ist unser Bereich Services verhältnismäßig gut kalkulierbar. Die Einnahmen aus den Betriebsführungsverträgen sind von den Stromeinnahmen der Fondsgesellschaften abhängig und insoweit voll erfolgsorientiert. Um andererseits unsere eigenen und die Ansprüche der Kommanditisten, die uns ja gut kennen, zu erfüllen, haben wir hochqualifiziertes Personal, sowohl im kaufmännischen als auch im technischen Bereich, beschäftigt. Trotzdem ist der Bereich Services natürlich sehr gewinnorientiert.
ECOreporter.de: Man hört immer wieder, dass sich Windparkprojektierer bei ihren Verwaltungsgebühren verschätzen. Woran liegen die Schwierigkeiten in diesem Geschäft?

Grimble: Die Betriebsführung für Fondsgesellschaften ist eine hochspezialisierte Dienstleistung. Dienstleistungen sind zunächst häufig personalintensiv und der break-even für ein solches profit-center ergibt sich häufig erst ab einem bestimmten Volumen betreuter Gesellschaften oder auch Windparks. Dieses Volumen haben viele in der Branche noch nicht erreicht. Darunter leidet natürlich auch die Qualität der Dienstleistung gegenüber den Kommanditisten, deshalb ist es für uns von großer Bedeutung, mit den von uns betreuten Volumina Marktführer in diesem Bereich zu sein.

ECOreporter.de: Welche Eigenschaften sind nötig, um einen Windfonds gut und zur Zufriedenheit der Anleger zu verwalten?

Grimble: Den Beruf des "Managers für geschlossene (Wind-)Fonds" gibt es nicht. Ohne Zweifel benötigt man aber für die erfolgreiche kaufmännische Betriebsführung hochqualifiziertes Personal aus den Bereichen Steuerrecht, Gesellschaftsrecht, Banken etc. Zudem müssen die Mitarbeiter zuhören können und den Umgang mit Menschen, nämlich den Kommanditisten, beherrschen.

ECOreporter.de: Ist die Verwaltung der älteren Fonds, die in den 90er Jahren aufgelegt wurden, schwieriger als die der neuen Fonds?

Grimble: Grundsätzlich gibt es da keine Unterschiede. Allerdings ist die Qualität der Fondsgesellschaften im Hinblick auf rechtliche Gestaltung und auch Kalkulation deutlich gestiegen, so dass in der Betreuung einige Dinge klarer sind. In der wirtschaftliche Entwicklung liegen einige Fonds deutlich besser als kalkuliert, weil ursprünglich mit niedrigeren Einspeisevergütungen gerechnet wurde, als jetzt durch das EEG tatsächlich erzielt werden. Bei einigen Fonds, die wir jetzt von anderer Seite in unsere Betreuung genommen haben, ist der Effekt jedoch genau umgekehrt. Hier ist besonderes Augenmerk auch auf das Kostenmanagement zu legen.

ECOreporter.de: Auch die technische Geschäftsführung der Windparks wird von Umweltkontor übernommen. Wie berechnen Sie Ihre Leistungen in diesem Bereich, mit welchen Prozentsätzen von den Einnahmen?

Grimble: Für die Betriebsführung insgesamt, also kaufmännisch und technisch, beträgt unsere Vergütung zwischen 4 und 5 Prozent der Einspeiseerlöse. Die interne Aufteilung zwischen kaufmännisch und technisch ist individuell zum Teil sehr unterschiedlich, liegt aber im Durchschnitt etwa bei 50:50.

ECOreporter.de: Die technische Geschäftsführung bei Windparks steht vor einem Problem: Es gibt keine Erfahrungen mit Parks, die älter als gut zehn Jahre sind. Erwarten Sie hier Schwierigkeiten, wenn eine größere Zahl von Windparks älter als 12 oder 15 Jahre wird?

Grimble: Natürlich wird es im technischen Bereich, in Abhängigkeit vom Alter aber auch vom Anlagentyp, Entwicklungen geben, die bei der Projektierung keiner erwartet hat. Wichtig ist hierbei auch, als technische Betriebsführung möglichst breit aufgestellt zu sein und qualifiziertes Personal zu haben oder das Personal entsprechend zu qualifizieren. Umweltkontor Services hat in Erkelenz eine Reihe erfahrener Techniker, die die betreuten Anlagen sehr gut kennen. Wir bauen zudem eigene Serviceteams auf, die schwerpunktmäßig an unseren Standorten stationiert sind und von dort die technische Betreuung der Windparks gewährleisten. Für die Lebensdauer einer Anlage beziehungsweise zur Minimierung von Reparaturaufwendungen ist es unerlässlich, regelmäßige Prüfungen von Komponenten vorzunehmen, Ölproben und -wechsel durchzuführen etc. Wir gehen davon aus, dass die von uns betreuten Windparks im zehnten oder fünfzehnten Lebensjahr daher weniger Schwierigkeiten haben werden als schlechter betreute Parks.

ECOreporter.de: Die nächsten Jahre dürften bei vielen Windfondsbetreibern zeigen, ob sie den kommenden Schwierigkeiten gewachsen sind, ob sie etwa genügend Rückhalt haben, um umfangreiche Ersatzinvestitionen für Reparaturen zu tragen. Könnte daher ein Geschäftsfeld von Umweltkontor auch darin liegen, die Geschäftsführung von Windparks für andere Gesellschaften als Dienstleistung zu übernehmen?

Grimble: Umweltkontor bietet die Dienstleistungen des Bereiches Services jedem Dritten an. Und zwar komplett oder auch in Teilbereichen, das heißt zum Beispiel nur technische Betriebsführung oder nur unseren 365-Tage-Anlagenüberwachungsdienst. In diesem Jahr haben wir einige Fondsgesellschaften und Windparks in die kaufmännische und/oder technische Betriebsführung übernommen, die nicht von Umweltkontor geplant beziehungsweise finanziert wurden.

ECOreporter.de: Herr Grimle, wir danken für das Gespräch!

Bild: Bau des Windparks Neuendorf (Quelle: Umweltkontor)
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