30.08.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

30.8.2007: Geldanlage bis 2017 – Teil I: Welche Branchen die Nachhaltigkeits-Profis bevorzugen – Frank Termathe, BHF SustainSelect FT, und Pascal Schuler, Swisscanto Fonds Green Invest

Welche Faktoren bestimmen in zehn Jahren die Geldanlage? Welche Trends sind dauerhaft? Welche Branchen werden erfolgreich sein? ECOreporter.de hat Fondsmanager nachhaltiger Fonds gefragt. Was halten sie für diejenigen Anleger für wichtig, die sich nicht von der täglichen Börsenhektik leiten lassen, sondern von grundsätzlichen Überlegungen. Mit anderen Worten: Was wird auf Dauer gesehen nachhaltig erfolgreich sein?

Frank Termathe, Frankfurt-Trust Asset Management, Dachfondsmanager des Fonds BHF SustainSelect FT. Der Bankkaufmann Termathe, Jahrgang 1966, leitete die Vermögensverwaltung bei der Westfalenbank in Bochum, bevor er 2002 zum BHF Trust wechselte. Dort leitet er den Bereich Fondsvermögensverwaltung.

Die Branchen für die nächsten zehn Jahre
Die gesamte Energiebranche wird deutlich zulegen, der weltweite Energiebedarf wird weiter ansteigen. Allein der Blick auf den Benzinpreis lässt erahnen, wo die Reise mit dem Ölpreis hingehen wird: 100 US-Dollar je Barrel halte ich vor dem Hintergrund der permanent steigenden Nachfrage für nicht mehr unwahrscheinlich. Die Verknappung des schwarzen Goldes, aber auch die von anderen nicht-regenerativen Energien wird rapide zunehmen. Doch damit nicht genug: Immer noch wird zu viel produzierte Energie nicht effizient und effektiv genutzt. Damit die bereits produzierte Energie genutzt werden kann, müssen geeignete Speichermöglichkeiten her. Hier liegt eine der großen Herausforderungen der Zukunft: Die Speicherung von Energie. Also werden Unternehmen, die sich auf dieses Gebiet konzentrieren, aber auch Batteriehersteller die Profiteure der Zukunft sein. Gewinner werden weiterhin sämtliche Öl- und Energiekonzerne sein. Insofern bleiben Unternehmen, ob im Segment der Neuen oder der Alten Energien, weiterhin in einer der wachstumsintensivsten Branchen der Welt.

Nachhaltige Investments in China?
Bisher führen Nachhaltige Investments sowohl in China als auch in Indien noch ein stiefmütterliches Dasein. Dennoch muss man China den einzigartigen und gleichsam rasanten wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen zwei Jahrzehnte konstatieren, der das Land in die erste Reihe der Wirtschaftsnationen der Welt katapultiert hat. Diese einzigartige Erfolgsgeschichte hat jedoch auch ihren Preis. Das Reich der Mitte hat sich grundlegend verändert: Die Kluft zwischen Arm und Reich, Stadt und Land wächst und führt zu Spannungen, und die damit auftretenden gravierenden Umweltprobleme sind heute noch weitgehend ungelöst. Hier werden wir in den kommenden Jahrzehnten deutliche Veränderungen sehen, allerdings wird das Thema Nachhaltige Investments auch in naher Zukunft noch kein Thema sein.
Im vergangenen Jahr wurde China zum weltgrößten CO2-Emittenten hinter den USA. Doch das Land hat sich zum Ziel gesetzt, den Energieverbrauch pro Einheit des Bruttoinlandsproduktes um 20 Prozent zu reduzieren. Die Regierung hat den entsprechenden Haushaltsposten von 11,3 Mrd. Yuan (1,1 Mrd. Euro) um 10 Mrd. Yuan aufgestockt.

Megatrends bis 2017
Der bereits begonnene „Megatrend“ heißt: Agrarrohstoffe. Die aktuelle politische Diskussion über den Milchpreis ist erst der Anfang dieses Trends. Menschen, überall auf der Welt, fragen immer hochwertigere Lebensmittel nach und sind zunehmend in der Lage und bereit, für qualitativ hochwertige Nahrungsmittel auch den entsprechenden Preis zu bezahlen.


Pascal Schuler, Swisscanto Asset Management AG, Jahrgang 1969, ist Mitglied der Direktion und als Senior Portfolio Manager verantwortlich für die nachhaltigen Anlagen der Swisscanto und der Swisscanto Anlagestiftung. Schuler ist diplomierter Finanzanalytiker und Vermögensverwalter. Bei Swisscanto ist er seit 1997. Er betreut unter anderem den Swisscanto Fonds Green Invest.

Effizienz bei Ressourcen und Energien
In der bevorstehenden Dekade geht es aus meiner Sicht vor allem um das Thema Effizienz im Bereich Ressourcen und Energien. Denn wenn wir die bereits begonnene Erderwärmung noch rechtzeitig stoppen wollen, müssen wir heute beginnen, und zwar mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und Maßnahmen. Wir können nicht warten, bis wir noch bessere Technologien erfunden haben, die dann auch noch zur Marktreife entwickelt werden müssen, was weitere 20 Jahre dauern würde. Da der Bremsweg für die Erderwärmung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird, können wir es uns nicht leisten, eine "wait-and-see-Haltung" einzunehmen.

Umwelttechnologie der industrialisierten Länder statt Investments in China oder Indien
Staaten in Asien wie China und Indien haben ein immanentes Interesse, ihr Wachstum einigermaßen umweltverträglich zu gestalten, um keinen Umweltkollaps herbeizuführen. Dafür sind sie auf Umwelttechnologien der industrialisierten Länder angewiesen. Und darum glaube ich, dass es attraktiver ist, in die westlichen Unternehmen zu investieren, die diese Technologien und Lösungen anbieten, um die entsprechenden Projekte zu realisieren. Bei den chinesischen Solarwerten sehe ich schon gewisse Anzeichen von übertriebenen Erwartungen der Wachstumschancen, da die Siliziumversorgung für die nächsten Jahre wohl kaum ausreichen wird, um die ambitionierten Ziele zu erreichen.

Ich bin überzeugt: Erneuerbare Energien und saubere Technologien werden die Wachstumsmärkte für die nächsten zehn Jahre sein.

Bilder: Die Fondsmanager Frank Termathe und Pascal Schuler / Quelle: Unternehmen
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