30.09.04 Erneuerbare Energie

30.9.2004: Über zwei Drittel der Deutschen befürworten weiteren Ausbau der Windkraft - BMU stellt Studie zum Umweltbewusstsein in Deutschland vor

Das Bundesumweltministerium hat gestern die Ergebnisse einer gemeinsam mit dem Bundesumweltamt in Auftrag gegebenen Studie zum Umweltbewusstsein in Deutschland 2004 vorgestellt. Der Ausbau der Windenergie findet demnach große Zustimmung. 70 Prozent der Befragten sprechen sich für den Bau weiterer Windkraftanlagen aus. Ein knappes Drittel (32 Prozent) der Befürworter plädiert sogar "entschieden dafür". Nur 30 Prozent sind der Studie zufolge gegen den Bau weiterer Windkraftanlagen, 12 Prozent dieser Menschen bezeichnen sich als strikte Gegner.

Bei den negativen Seiten der Windkraft teilt sich die Bevölkerung offenbar in zwei fast gleich große Lager: 49 der Befragten seien der Meinung, dass Windkraftanlagen das Landschaftsbild negativ beeinträchtigten, heißt es. 51 Prozent teilten diese Meinung nicht. Auffällig sei, dass die Unter-50-Jährigen die Windenergie weit besser bewerteten als die Menschen, die diese Altersgrenze schon überschritten hätten. Es mache dabei keinen Unterschied, ob Männer oder Frauen befragt wurden.

Als größte Umweltgefahr wird noch immer die Atomenergie wahrgenommen. 59 Prozent der Befragten stuften der Studie zufolge Atomkraftwerke und den radioaktiven Müll als "äußerst" oder "sehr gefährlich" für sich und ihre Familie ein. Auf den Plätzen rangieren die Ängste vor dem Treibhauseffekt, den 53 Prozent als "sehr" oder "äußerst gefährlich" einstufen, vor der gentechnischen Manipulation von Lebensmitteln (51 Prozent) und der Luftverschmutzung durch Autos (29 Prozent).

Gesundheitlich belastet fühlen sich die Menschen dagegen zuallererst durch Chemikalien in Produkten und Gegenständen des täglichen Bedarfs: 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sehen sich hier "äußerst stark" oder "stark" belastet.

Zunehmend schlechtere Noten erhält die ökologische Steuerreform die in der Bevölkerung. Mit 58 Prozent wird sie von einer Mehrheit der Befragten abgelehnt, 2002 waren es noch 52 Prozent. Zu den Befürwortern der Ökosteuer zählt sich nur noch in Viertel der Befragten (26 Prozent), vor zwei Jahren waren es noch 29 Prozent. Knapp drei Viertel der Befragten nehmen die ökologische Steuerreform dabei vor allem als sozial ungerecht wahr.

Der Umweltschutz allgemein als Ziel ist unter den Deutschen unumstritten. 92 Prozent der Bevölkerung halten ihn für wichtig. In der Rangfolge der wichtigsten Probleme in Deutschland belegt er inzwischen Platz 3 (2002: Platz 4). Andererseits ändern die Menschen aber kaum ihr Verhalten unter Umweltgesichtspunkten. So hat der Untersuchung zufolge das Auto seinen Vorsprung als meist genutztes Verkehrsmittel im Nahverkehr weiter ausbaut. 45 Prozent der Befragten - statt 38 Prozent in der letzten Befragung - gaben an, das Auto "sehr häufig" im Nahverkehr zu nutzen. Gleichzeitig ist aber auch offenbar die Nutzung des ÖPNV angestiegen: Und zwar gaben 18 Prozent der Menschen an, sehr häufig öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, vier Prozent mehr als zwei Jahre zuvor.

Der Widerspruch zwischen Handeln und Erkennen wird beim Thema Mobilität besonders augenfällig: Trotz der wachsenden Auto-Nutzung im Nahverkehr spricht sich eine ebenfalls gewachsene Mehrheit für verkehrspolitische Maßnahmen aus, die eigentlich auf das Zurückdrängen des Autoverkehrs zielen. Die Studie zieht hieraus den Schluss: "Zwar möchte man auf das Auto nicht verzichten, nimmt den zunehmenden Verkehr aber offensichtlich gleichzeitig als problematisch wahr."

Im Auftrag von Bundesumweltministerium und UBA wird seit 1994 alle zwei Jahre das Umweltbewusstsein der Deutschen ermittelt. Die repräsentativen Befragungen sind so angelegt, dass Zeitreihenvergleiche möglich und Entwicklungstendenzen über die Jahre ablesbar sind. Eine Projektgruppe an der Philipps-Universität Marburg wertet die von TNS Emnid erhobenen Daten aus.

Die Studie kann auf den Seiten des Bundesumweltministeriums www.bmu.de heruntergeladen werden.
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