31.10.06 Fonds / ETF

31.10.2006: "Nachhaltigkeit wird aus unserer Sicht häufig als positiver Nebennutzen wahrgenommen" - ECOreporter.de-Interview mit Heiko Weyand, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG

Die Hongkong and Shanghai Banking Corporation wurde 1865 als britische Bank in China gegründet. Heute hat das altehrwürdige Bankhaus seinen Sitz in London, es zählt zu den größten Banken der Welt. Den meisten Marktteilnehmern ist die Bank nur unter dem Namen "HSBC" bekannt. In Deutschland wird die HSBC Holdings plc durch ihre Tochter HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf, vertreten. ECOreporter.de sprach mit Heiko Weyand, Sprecher der Bank, über das Angebot von HSBC an nachhaltigen Finanzprodukten.

Das Thema Nachhaltigkeit bewegt die Düsseldorfer Banker schon einige Jahre. Seit 2003 arbeitet die Investmenttochter HSBC Investments Deutschland GmbH mit der Schweizer Agentur Sustainable Asset Management (SAM) bei der Konzeption von Nachhaltigkeitsfonds zusammen. Aus der Kooperation entstanden der Rentenfonds HSBC Trinkaus SAM Sustainable Corporate Bonds Funds und der Aktienfonds HSBC Trinkaus SAM Sustainable Equities Europe INKA. Letzterer wurde allerdings wieder aufgelöst.

ECOreporter.de: Herr Weyand, wie kam es zur Schließung des gemeinsam mit SAM aufgelegten Aktienfonds?
Weyand: Es gab nur wenige, vor allem institutionelle Kunden, die bereits investiert waren. Deren Anteile wurden ausbezahlt. HSBC Investments Deutschland und SAM haben gemeinsam beschlossen, den Fonds aufgrund der geringen institutionellen Nachfrage zu schließen.

ECOreporter.de: Sind neben dem bekannten Rentenfonds noch andere gemeinsame Produkte aus der Kooperation mit der SAM Group entstanden?
Weyand: In Kooperation mit SAM verwalten wir institutionelle Gelder, zum Beispiel in dem auch für Privatanleger zugänglichen Mischfonds INIK. Und wir vertreiben verschiedene Fonds der SAM Group wie den SAM Sustainable Water Fund oder den SAM Smart Energy Fund.

ECOreporter.de: Wie hat sich das Volumen dieser Fonds in den letzten Jahren entwickelt? Sind Sie zufrieden mit der Resonanz bei Ihren Kunden?
Weyand: Das Interesse der Öffentlichkeit an nachhaltigen Wertpapieren ist stärker als die konkrete Nachfrage von Kunden. Nachhaltigkeit wird aus unserer Sicht häufig als positiver Nebennutzen wahrgenommen, aber nicht als Hauptnutzen.

ECOreporter.de: Anfang 2006 haben Sie ein Discountzertifikat auf die Aktie der SolarWorld AG aufgelegt. Was ist aus Ihrer Sicht das Interessante an dieser Art von Wertpapieren?
Weyand: Man kann bis zu einem gewissen Grad auch bei Kursrückgängen noch verdienen.

ECOreporter.de: Auf welche anderen Umweltaktien gibt es derzeit Discountzertifikate der HSBC?
Weyand: Neben SolarWorld bieten wir Discountzertifikate auf Conergy und Q-Cells an. Darüber hinaus haben wir Aktien-Basket-Zertifikate zu den Themen Biokraftstoffe und Wasser aufgelegt.

Das Biokraftstoff-Zertifikat umfasst zwölf nationale und internationale Unternehmen und deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: die Herstellung landwirtschaftlicher Produkte, die Veredelung zum Biosprit, der Vertrieb und die Spezialmaschinenhersteller, die die Technologie liefern. Es gibt kein vergleichbares Zertifikat am Markt.
Das Wasser-Zertifikat investiert in zehn Unternehmen, die sich mit Wasseraufbereitung und Wasserinfrastruktur beschäftigen. Das Zertifikat ist international ausgerichtet und währungsgesichert.

ECOreporter.de: Der Biokraftstoff-Basket kam im April 2006 auf den Markt. Wie ist seitdem die Performance dieses Zertifikats?
Weyand: Gleich zu Beginn der Laufzeit stieg das Papier auf den bisherigen Höchstkurs von 119 Euro. Nach einem Rückgang auf rund 93 Euro wird es aktuell für rund 104 Euro verkauft (13.10.2006). Grundsätzlich halte ich den Biokraftstoffsektor vor allem aufgrund der politischen Rahmenbedingungen für einen Wachstumsmarkt. Anleger sollten allerdings einen Anlagehorizont von cirka drei bis fünf Jahren mitbringen. Wir denken bereits über ein Nachfolgeprodukt zu unserem Biokraftstoff-Zertifikat nach.

ECOreporter.de: Wollen Sie den Produktbereich insgesamt ausbauen?
Weyand: Wir glauben, dass die Themen Umweltschutz und Zukunft der Energieversorgung neben reinen Sustainability-Themen immer wichtiger werden, auch für Privatanleger. Auf eine spürbare Nachfrage werden wir mit entsprechenden Zertifikaten reagieren.

ECOreporter.de: Ende 2004 kündigte die HSBC-Gruppe an, dass sie in sauberen Strom investieren wolle. Man wolle eine emissionsfreie Bank werden, hieß es. Was ist aus diesen Plänen geworden?
Weyand: Ende 2005 lag der Jahreswert an Emissionen pro Mitarbeiter bei 2,6 Tonnen, 2004 waren es noch 2,7 Tonnen. Die HSBC lässt inzwischen 94 Prozent ihres operativen Geschäfts durch ein internes Sustainability Reporting Programme überprüfen.

ECOreporter.de: Wo liegen die Schwerpunkte der HSBC-Gruppe im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltmanagement?
Weyand: Die Ende 2005 gegründete "Group Sustainable Development", die direkt an den Chief Operating Officer der HSBC Holdings berichtet, konzentriert sich vor allem auf den Themenbereich Klimawandel. Hier stehen besonders die Reduzierung der CO2-Ausstöße, die Verbesserung der Wasser-Infrastruktur sowie nachhaltige Waldwirtschaft im Fokus.

ECOreporter.de: Herr Weyand, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Bild: Heiko Weyand; Hauptsitz der Bank HSBC / Quelle: Unternehmen
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