03.11.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.11.2004: Interview mit SAG-Vorstand Dr. Benedikt Ortmann: Neue Produkte wie die Solarstrom-Großanlagen bringen Erfolg - aber der Preisanstieg bei Photovoltaik-Modulen könnte den Markt wieder auf das "ideologischer Kinderkram"-Niveau

Die Freiburger S.A.G. Solarstrom AG hat die Wende geschafft: Sie schreibt Gewinne. Auch dank ungewöhnlicher neuer Produktbereiche. Dr. Benedikt Ortmann, der Finanzvorstand der SAG Solarstrom und Uwe Ilgemann, der Vorstand Strategie und Absatz, haben das Unternehmen fokussiert. ECOreporter.de sprach mit dem Finanzvorstand Dr. Ortmann über SolarProfessional, ein bisher in Deutschland wenig bekanntes Modell: Hier können private Kapitalanleger und institutionelle Investoren schlüsselfertige Solarkraftwerke erwerben.

ECOreporter.de: Dr. Ortmann, für wen eignen sich Investments in komplette eigene Solaranlagen? Kommen sie auch für mehrere Anleger gemeinsam in Frage?
Dr. Benedikt Ortmann: SolarProfessional eignet sich für alle Anleger, die mehr als cirka 30.000 Euro investieren möchten. Hierbei kommen grundsätzlich auch Gemeinschaften in Frage, jedoch übernehmen wir in diesem Falle keine Einzelbetreuung von Teilhabern. Einer der Vorteile des Produkts ist ja gerade, dass man dadurch, dass alle Verwaltungskosten entfallen, bessere Renditen für den Kunden erzielt. Das würde hierdurch konterkariert werden.

ECOreporter.de: Wie viel Prozent des gesamten Anlagevermögens sollte ein Anleger hier maximal investieren?
Ortmann: Bezogen auf die Photovoltaik-Anlage: optimal sind 20 bis 30 Prozent Eigenkapitalanteil. Bezogen auf das private Portfoliomanagement des Kunden: Eine Photovoltaik-Anlage ist ein langfristiges, ausschüttungsorientiertes Anlageobjekt mit hoher Sicherheit. Cirka ab dem zehnten Jahr schüttet die Anlage regelmäßig Liquidität aus, die z.B. als private Zusatzrente oder zur Finanzierung von Kindern, die in 10 Jahren studieren werden, ausgezeichnet geeignet ist. So schüttet z.B. eine 30 Kilowatt peak Anlage ab dem zehnten Jahr im Schnitt 500 Euro pro Monat und ab dem fünfzehnten Jahr cirka 1000 Euro pro Monat aus.

ECOreporter.de: Wie ist die Laufzeit solcher Investments?
Ortmann: Man sollte seinen Horizont auf mindestens zehn Jahre festlegen, ähnlich wie bei Lebensversicherungen. Ab dem cirka zehnten Jahr (je nach Finanzierung) wirft die Anlage Erträge ab, vorher finanziert sie Zins und Tilgung. Finanziellen Aufwand hat man also fast nur beim Kauf der Anlage. Hierbei kann man jedoch bei günstiger Gestaltung sogar ohne den Einsatz von eigener Liquidität zur eignen Anlage kommen. Nicht zuletzt deshalb ist die Photovoltaik-Anlage als Direktanlageprodukt in diesem Jahr der Renner.

ECOreporter.de: Aus welchem Grund haben Sie SolarProfessional entwickelt?
Ortmann: Zunächst können wir festhalten: Solarstromanlagen sind kein technisches, sondern eigentlich ein Finanzprodukt. Es geht vorrangig um Rendite und Sicherheit. Dass die Anlagen daneben auch gut für die Umwelt sind, ist bei den meisten Kunden ein Nebeneffekt, der jedoch für die Kaufentscheidung keine ausschlaggebende Rolle spielt. Es geht auch in dieser Branche eigentlich ums Geld verdienen. Und das ist auch gut so: Nur so kann die Photovoltaik eine ernsthafte und professionelle Rolle in der nachhaltigen Energieversorgung spielen. Allein mit Ideologie ist das nicht zu schaffen. Daher ist das eine Entwicklung, die wir nicht bedauern, sondern begrüßen und fördern. Wir nennen diese neuen Kundenschichten die "renditeorientierten Kunden". Sie werden es sein, die den Markt für Photovoltaik aus der Kinderstube führen. Um diesem Markt für renditeorientierte Kunden noch weiter entgegen zu kommen, haben wir das Produkt SolarProfessional entwickelt. Es verknüpft die Vorteile individueller Investitionen, die die meisten bislang nur z.B. über den Kauf von Eigentumswohnungen realisieren konnten, mit der Sicherheit einer Solarstrominvestition. Wir können hier einen besonderen Vorteil des Produkts "Solarstromanlage" voll nutzen: Photovoltaik-Anlagen können ja praktisch in jeder beliebigen Größe errichtet werden. Je nach Portemonnaie kann sich der Kunde seine Anlage also aussuchen. Und genau das möchten unsere Kunden auch. Deshalb bieten wir in unserem "Schaufenster" im Internet Anlagen der unterschiedlichsten Größe zum Verkauf an. Die Nachfrage ist viel größer, als wir sie bei der augenblicklichen Beschaffungssituation bewältigen können. Das bedeutet, dass das Prinzip von SolarProfessional sehr gut verstanden und angenommen wird.

ECOreporter.de: Wie sind die Rollen zwischen Anleger und S.A.G. verteilt: Investiert der Anleger nur oder hat er Kontrollaufwand, wie schwierig ist beispielsweise die Behandlung in der Steuererklärung?
Ortmann: SolarProfessional ist so gestaltet, dass der Kunde nur die Investition tätigen muss. Alles andere wie Kontoführung und Kontrolle der Anlage übernimmt die S.A.G. Bei der eigenen Steuererklärung muss der Kunde die Gewinne und Verluste aus der Anlage angeben. Hierzu erhält er von der S.A.G. die entsprechenden Angaben.

ECOreporter.de: Gibt es Garantien, etwa auf Ertrag, gibt es Betriebsunterbrechungsversicherungen?
Ortmann: Wir bieten hier grundsätzlich alle Garantien an, die wir auch bei unseren Solarstromparks haben: Ertragsgarantieversicherung, Betriebsunterbrechung, All-Risk, Betriebshaftpflicht etc. Anders als bei den Solarstromparks kann der Kunde hier aber selbst auswählen, welche der Versicherungen er für seine Anlage in Anspruch nehmen (und bezahlen) will.

ECOreporter.de: Wie sind die Interessenten und bisherigen Käufer einzuschätzen: Haben die schon vorher Erfahrungen mit Geldanlagen in Erneuerbaren Energien gemacht? Sind das auch Unternehmen oder ausschließlich Private?
Ortmann: Unsere bisherigen Kunden sind im Schwerpunkt Privatleute, die jedoch bereits Erfahrungen mit Direktinvestitionen (z.B. Eigentumswohnungen, Hauseigentümer, Selbständige und Freiberufler) haben. Diese Klientel erschreckt sich nicht gleich bei Wörtern wie Gewerbeanmeldung, Umsatzsteuervoranmeldung und Einnahme-Überschuss-Rechnung, sondern weiß damit umzugehen. Für unerfahrene Kunden ist dies ein größerer Lernaufwand.

ECOreporter.de: Welche Rolle spielt der Aspekt steuerlicher Verlustzuweisungen?
Ortmann: Verlustzuweisungen sind mit Blick auf das Thema "Steuern sparen" nicht besonders bedeutsam. Schließlich sind unsere Anlagen (genauso wie Solarstromparks, Windfonds, Immobilienfonds etc.) keine wirklichen Steuersparmodelle, sondern allenfalls Steuerverschiebungsmodelle: Gegen Ende der Laufzeit verdienen die Anlagen ja tüchtig Geld, das auch versteuert werden muss. Es wird nur dann ein Steuersparmodell daraus, wenn der Kunde in cirka 15 Jahren einen niedrigeren Grenzsteuersatz hat als heute. Aber: wer weiß das heute schon? Die Verlustzuweisungen sind jedoch eine wesentliche Liquiditätshilfe für die meisten unserer Kunden. Durch die Rückvergütung von Steuern wird die Summe der tatsächlich aufzubringenden liquiden Mittel, die der Kunde investiert, geringer. Von daher ist dies zum Kaufzeitpunkt durchaus interessant.

ECOreporter.de: Aber man ist mit einer solchen Geldanlage sehr fest gebunden.
Ortmann: Wir möchten dahin kommen, dass Solarstromanlagen genauso wie Autos, Eigentumswohnungen oder Häuser einfacher handelbar werden. Eigentlich sind sie es auch schon, es haben nur noch nicht alle gemerkt. Der Preis einer gebrauchten Solarstromanlage ließe sich beispielsweise sehr gut berechnen, schließlich sind ja durch den Betrieb der Anlage alle notwendigen Parameter zur Kalkulation des (Rest-)Wertes bekannt. Da ist es eigentlich schwieriger, den Wert eines Gebrauchtwagens zu bestimmen oder die Wertentwicklung einer Immobilie zu taxieren. Insofern haben wir noch längst nicht alle spezifischen Vorteile, die dieses Produkt besitzt, in ausreichendem Maße ausgelotet. Es ist aber nur noch eine Frage der Zeit, bis sich diese Erkenntnisse im Markt weiter durchsetzen.

ECOreporter.de: Also: Nur Sonnenschein im Photovoltaik-Markt?
Ortmann: Ein Thema muss man noch erwähnen: Die Hersteller von Photovoltaik-Modulen gehen derzeit mit den Preisen hoch. Damit machen sie den gleichen Fehler, den sie schon einmal vor einigen Jahren gemacht haben. Bei steigenden Preisen und sinkender Einspeisevergütung geht die Rendite-Schere genau so schnell wieder zu, wie sie in 2004 aufgegangen ist. Aber gerade das verprellt die renditeorientierten Kunden. Damit droht der Markt wieder auf das "ideologischer Kinderkram"-Niveau zurückzufallen, aus dem er sich gerade emanzipiert. Das wäre fatal für die weitere Marktentwicklung. Im Interesse aller Marktteilnehmer wollen wir daher eindringlich daran appellieren, sich bei Preiserhöhungen zu disziplinieren und Vorsicht im Einkauf walten zu lassen. Das ist leider leichter gesagt als getan: Die Hauptkostentreiber kommen aus der Waferproduktion, deren Hauptgeschäft eigentlich die IT-Industrie ist. Sie sind entweder an einer nachhaltigen Entwicklung der Photovoltaik Industrie noch nicht so interessiert oder haben noch nicht verstanden, was sie im Augenblick anrichten. Denn eigentlich sollte es der sehr zyklisch geprügelten IT-Zuliefererstufe sehr willkommen sein, dass noch andere Industriezweige bei ihnen einkaufen. Das stabilisiert das eigene unternehmerische Risiko.

ECOreporter.de: Herr Ortmann, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Dr. Benedikt Ortmann; Photovoltaikkraftwerk der S.A.G. auf dem Dach des Wasserkraftwerks Grenzach-Wyhlen / Quelle: Unternehmen
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