03.11.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.11.2007: Aktien-News: Neubewertung der ersol Solar Energy AG wegen Dünnschichtzellentechnologie? ECOreporter.de hat nachgefragt: Wie groß ist der Preisvorteil, und welche Umsatzanteile sind möglich?

Der Erfurter Solarkonzern ersol Solar Energy AG hat wichtige Fortschritte auf dem Weg zur Massenproduktion von Dünnschichtsolarzellen gemacht. Wie das TecDAX-Unternehmen meldete, hat ein unabhängiges Labor das Dünnschicht-Modul „Nova-T“ auf die Schutzklasse II überprüft. Damit sei die elektrische Sicherheit des Moduls gewährleistet, so ersol.

Die ersol Thin Film GmbH, eine hundertprozentige Tochter der ersol, soll laut der Meldung die ersol am überproportionalen Marktwachstum in der Solarindustrie teilhaben lassen und damit unabhängiger von der Versorgung mit dem Rohstoff Silizium werden lassen. Die ersol-Tochter baut eine Produktionslinie für mikromorphe Dünnschichtmodule auf Basis amorphen und mikrokristallinen Siliziums auf. Das anfängliche Prozess-Knowhow sowie die Maschinen kommen von dem Schweizer Spezialmaschinenhersteller Oerlikon Solar. In die neue Produktionsstätte investierte ersol den Angaben zufolge bisher immerhin schon mehr als 80 Millionen Euro.

ersol-Sprecherin Sonja Teurezbacher verwies im Gespräch mit ECoreporter.de darauf, dass es noch keine gesicherten Prognosen für die Umsatzentwicklung des Dünnschichtbereichs gebe. „Sollten im Jahr 2010 einer Kapazität von 120 Megawatt peak im Bereich Dünnschicht 400 Megawatt peak im kristallinen Bereich gegenüberstehen, gehen wir von einem dementsprechenden Umsatzanteil aus“, sagte Teurezbacher. Ab Frühjahr 2008 sollen laut Teurezbacher amorphe Dünnschicht-Module in den Vertrieb gehen. Der Wirkungsgrad der Module werde anfangs bei 5 bis 6 Prozent liegen.

Das ist nicht besonders viel. Beeindruckend ist jedoch der Kostenvorteil, der trotz des vergleichsweise geringen Wirkungsgrads möglich sein soll. Teurezbacher: „Die Zellen werden pro Watt peak rund 60 bis 80 Euro-Cent weniger kosten als bei kristallinen Modulen.“ Die genauen Preise herkömmlicher Siliziumsolarzellen der ersol will die Sprecherin nicht verraten. Der durchschnittliche Marktpreis liege bei 2,15 bis 2,30 Euro pro Watt peak.

Der Preisvorteil der Dünnschichtzellen würde also bei etwa 30 Prozent liegen. Er würde wesentlich steigen, wenn der Wirkungsgrad in Richtung der neun Prozent ansteigen würde, die mit anderen Dünnschichtzellen-Produkten erreicht werden. Das könnte sogar Anlass zu einer Neubewertung der ersol-Aktie geben. Besonders für US-Investoren wird ersol durch einen größeren Anteil einer Dünnschichtzellen-Produktion interessanter. Sie zeigen derzeit großes Interesse an dieser Technologie.

Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der US-Milliardär David Gelbaum und seine Frau Monica Chavez Gelbaum bei ersol eingestiegen sind (ECOreporter.de berichtete). Es kann allerdings nur gemutmaßt werden, ob ihn auch die Dünnschichtzellen-Technologie zu dem Investment motiviert hat.

Die Umstellung der amorphen auf die mikromorphe Produktgeneration werde schon allein durch die Lieferzeit wesentlicher Anlagekomponenten noch geraume Zeit in Anspruch nehmen, so ersol. Die amorphen Module aus den von Oerlikon gelieferten Anlagen hätten bereits seit dem Start der Testproduktion im Sommer 2007 die geplanten Spezifikationen von durchschnittlich 78 Watt-peak (Wp) stabilisierter Leistung erreicht. Diese solle in der mikromorphen Variante noch deutlich gesteigert werden. „Wir bereiten derzeit mit ersten Schlüsselkunden den Feldeinsatz der Nova-T Module vor und freuen uns auf den Netzanschluss erster Demonstrations- und Testanlagen voraussichtlich bereits im ersten Quartal 2008“, so Dr. Christian Koitzsch, technischer Geschäftsführer der ersol Thin Film GmbH. Mit ersten Demonstrationsmustern der mikromorphen Dünnschicht-Module rechnet ersol ab Mitte 2008.

Ab 2008 liefert ersol Silizium-Solarzellen an den in Erfurt ansässigen Modulproduzenten asola GmbH. Laut einer weiteren Unternehmensmeldung aus Erfurt wurde ein entsprechender Langfristvertrag unterschrieben, der bis 2017 laufe. Das Gesamtvolumen des Kontraktes liege bei rund 230 Millionen Euro. Es sei vorgesehen, dass ersol Anzahlungen (sog. „Downpayments“) von asola erhalte, die dem Modulbauer später beim Bezug der Solarzellen in Form einer Kaufpreisreduzierung angerechnet würden.

Das Auftragsvolumen für Solarzellen sei durch den Abschluss auf über drei Milliarden Euro geklettert, berichtete ersol. asola plane die Erweiterung seiner Fertigung in Erfurt auf über 30 Megawatt peak bis Ende 2008.

Die ersol-Aktie befindet sich seit Mitte September im Steigflug: Der Kurs kletterte von 59,54 Euro (17.9.) auf zuletzt 89,70 Euro (2.11.; Frankfurt; 19:59 Uhr; minus 4,08 Prozent). Der Wertzuwachs innerhalb von weniger als 2 Monaten beträgt damit knapp 50 Prozent.

ErSol Solar Energy AG: ISIN DE0006627532 / WKN 662753
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