03.01.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.1.2006: Millionenschwere Übernahmen bei Erneuerbaren Energien in 2005: Großunternehmen bauen Portfolio aus - Pioniere schmieden Allianzen

Das Jahr 2005 stand ganz im Zeichen der Erneuerbaren Energien: Verschiedene Solarunternehmen in Deutschland gingen an die Börse, zwei schafften es sogar bis in den Premiumindex TecDAX. Menschengemachte und natürliche Krisen trieben den Ölpreis auf ungeahnte Höhen, das Interesse für Investments in Energien aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse wuchs. Große Energieerzeuger investierten massiv in Erneuerbare-Energie-Projekte, zum Beispiel in deutsche Windparks.
Die Tochter des US-Technologieriesen General Electric (GE), GE Energy Financial Services, kaufte 2005 gleich zwei deutsche Windprojekte. Von der Freiberger EAB Technology Group übernahm GE Energy im September das Projekt "Alsleben" in Sachsen-Anhalt mit 55 Megawatt (MW) Leistung. Finanzielle Einzelheiten der Transaktion wurden nicht offengelegt. Das zweite Projekt, der Windpark "Krusemark Windpark", befindet sich laut dem Unternehmen nahe Berlin in Sachsen-Anhalt. Es bestehe aus acht Windenergieanlagen der 1,5 MW-Klasse von GE und sei im Frühjahr 2005 fertiggestellt worden, meldete das Unternehmen. Mit dem Zukauf verfügt GE Energy Financial Services eigenen Angaben zufolge über sieben deutsche Windparks mit einer Gesamtleistung von 166 Megawatt (MW).

Das Fachmagazin "neue energie" berichtete über den spanischen Energiekonzern EHN (Energias Hidroelectricas de Navarra), er strebe den Erwerb von 150 MW in Deutschland installierter Leistung an. Über die Energy Farming International AG (EFI) habe EHN schon 125 Millionen Euro investiert, hieß es. Der niederländische Stromversorger Essent verfüge in Deutschland inzwischen über eine Windkraftkapazität von 360 MW.

Der Hamburger Windanlagenbauer REpower Systems AG hat einen neuen Großaktionär: Im November wurde bekannt, dass der französische Atomkonzern Areva 23 Prozent der Stimmrechte hält. Der Windanlagenbauer verkaufte noch kurz vor Jahresende 2004 seine Anteile an der Denker & Wulf AG. Laut einer Unternehmensmeldung wurde der Anteil von 84,15 Prozent an der Projektierungstochter zum Stichtag 31. Dezember 2004 an das Management verkauft. Grundlage des Management Buy-Out sei die Finanzierungszusage einer großen deutschen Bank.

Im Juni gelang es dem Neu-Energie-Projektierer WPD AG, die Projekt-Rechte an seinem Offshore-Windpark Kriegers Flak II an den Schwedischer Energieriesen Vattenfall zu veräußern. In dem Offshore-Windpark sollen 128 Anlagen der 5 Megawatt-Klasse errichtet werden, das Projekt befindet sich in schwedischen Gewässern.


Heiß umkämpft: der spanische Windenergiemarkt

Auf dem spanischen Windenergiemarkt tobte im Dezember eine Übernahmeschlacht um das Windkraftportfolio des niederländischen Stromkonzerns Nuon. Sieger: Der staatliche portugiesische Stromversorger Electricidade de Portugal (EdP), für 478 Millionen Euro erhielten die Portugiesen den Zuschlag zum Kauf der Nuon-Tochter Desarrollos Eólicos SA (Desa). Der Erlös entspreche dem Fünffachen der Summe, die Nuon im Jahr 2001 an den Vorbesitzer von Desa, den spanischen Technologiekonzern Abengoa, gezahlt hatte, hieß es. Für die Desa hatten sich auch die spanischen Unternehmen Endesa, Hidrocantabrico Energia und Acciona interessiert.
Die Aktivitäten von Desa umfassen den Angaben zufolge Windparks mit Kapazitäten von insgesamt 260 Megawatt sowie Konzessionen im Umfang von rund 1000 Megawatt.

In Frankreich arbeitete die EdP erfolgreich mit dem spanischen Energiekonzern Hidrocantabrico Energía (HCE) zusammen. Die Partner kauften im Dezember Lizenzen für den Bau mehrerer Windparks von Nuon. Die Rechte bezögen sich auf die Errichtung und den Betrieb von drei Windkraftanlagen mit Kapazitäten von insgesamt 30 Megawatt, hieß es. Der Kaufpreis belief sich den Angaben zufolge auf 4,4 Millionen Euro.

148,3 Millionen Euro lies noch kurz vor Ende des Jahres 2004 der spanische Stromkonzern Iberdrola SA für die Beteiligung an einem Windanlagenbauer springen. Das börsennotierte Unternehmen besitzt jetzt sechs Prozent der Aktien der börsennotierten Grupo Auxiliar Metalurgico SA (Gamesa).

In Frankreich verkauft und in Italien investiert hat die spanische Empresa Nacional de Electricidad SA (Endesa; Madrid). Im Juli kaufte der britische Fondsmanager Ecofin Ltd. für 103,6 Millionen Euro 23,62 Prozent Anteile des Energieerzeugers Séchilienne-Sidec von der französischen Endesa-Tochter Société Nationale d"Électricite et de Thermique (SNET). Die Séchilienne-Sidec produziert laut dem spanischen Unternehmen Elektrizität und Dampf in Kraftwerken, die Kohle und Zuckerrohrreststoffe verbrauchen. Außerdem sei die Gesellschaft in der Projektierung von Windparks in Frankreich tätig.
Im Oktober übernahm Endesa die Mehrheit an dem italienischen Windparkbetreiber MF Power. Das italienische Energiekonsortium Merloni sei die Verkäuferin von 51 Prozent der Anteile, hieß es. Zum ausgehandelten Kaufpreis machte Endesa keine Angaben.

Mit Wirkung zum 31. Dezember 2004 übernahm der staatliche dänische Strom- und Erdgaskonzern Dong 50 Prozent am Walney Offshore Windkraftprojekt. Das Projekt mit einer Leistung von 450 Megawatt (MW) soll in britischen Gewässern der Irischen See entstehen und ab 2008 oder 2009 in Betrieb gehen. Zum Kaufpreis wurde nichts bekannt.


Deutsche Sonnenstromfirmen investieren im Ausland

An einer weltumspannenden Kooperationen schmiedete die Freiburger Solar-Fabrik AG, im Juni gab das Unternehmen bekannt, dass es einen malaysischen Waferhändler kaufen will. Ziel sei die Sicherung der Rohstoffversorgung. Durch den Kauf würde sich die Solar-Fabrik AG für das Jahr 2006 und die Folgejahre Wafermaterial mit einer Gesamtmenge von über 30 Megawatt peak (MWp) pro Jahr sichern.

Die Conergy machte im September mit einer Übernahme von sich reden. Die Hamburger kauften den australischen Solargroßhändler Quirk"s Victory Light Co. Pty. Ltd. Quirk"s Victoria sei einer der größten Solarhändler mit einem Umsatz von über zwei Millionen Australischen Dollar (AUS), hieß es. Der Kaufpreis blieb geheim.
Über seine Tochter voltwerk AG hat die Conergy AG zudem den australischen Projektentwickler Taurus Engineering Ltd., Sydney, übernommen. Taurus verfüge über langjährige Erfahrungen in der Projektentwicklung im Bereich der regenerativen Energien, mit Schwerpunkt in der Windkraft, meldete Conergy im Juli. Zum Kaufpreis machten die Hamburger keine Angaben.

Mit 500.000 Aktien bezahlte die börsennotierte Berliner Solon AG im November die Übernahme eines italienischen Herstellers und Händlers von Solarmodulen. Der Kauf der S.E. Project Srl mit Sitz in San Pietro in Gù in der Provinz Padua werde zum 1. Januar 2006 wirksam, berichtete der Solarmodulbauer. Das 1994 gegründete Unternehmen verfüge über eine Produktionskapazität von 10 Megawatt, der für 2006 erwarteten Jahresumsatz liege bei 80 Millionen Euro.


Bewegung auch bei Wellenenergie, Geothermie und Biogas

Der Münchener Elektrokonzern Siemens AG ist in die Energiegewinnung aus Wellenkraft eingestiegen. Die Siemenstochter Deutsche Voith Siemens Hydro Power Generation, Heidenheim, übernahm die schottische Wavegen mit Sitz in Inverness. Zum Preis machte das Unternehmen keine Angaben.

Die US-amerikanische Ormat Technologies Inc. will die Beteiligung an dem Geothermie-Projekt "Zunil" in Guatemala ausbauen. Wie das börsennotierte Unternehmen mit Sitz in Sparks im US-Bundesstaat Nevada Ende November mitteilte, sollen über eine Tochtergesellschaft 51 Prozent der Orzunil I de Electricidad in Limitada, Orzunil, übernommen werden; 21 Prozent der Gesellschaft befanden sich schon zuvor im Besitz von Ormat. Der Kaufpreis belaufe sich auf 14,75 Millionen US-Dollar, hieß es. Die noch erforderliche Zustimmung von zwei Kreditgebern werde im ersten Quartal 2006 erwartet.

Internationale Investoren sind auf den deutschen Bioenergiemarkt aufmerksam geworden: Die UBF-United Biofuels Europe AG, eine internationale Finanzholding privater und institutioneller Investoren aus den USA und aus England, hat die AgriCapital AG aus Greven (Westfalen) erworben. Die Kapitalzufuhr über einen zweistelligen Millionenbetrag solle für die Realisierung von Biogasprojekten genutzt werden, meldet AgriCapital. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben bisher über hundert Biogasanlagen unter Vertrag genommen.
Gemeinsam mit der Hamburger Rave Beteiligungsgesellschaft kaufte AgriCapital mit Wirkung zum ersten Dezember 2005 das Wärmekraftwerk Calbe bei Magdeburg (Sachsen-Anhalt). Das Werk sei mit bis zu zehn Megawatt Leistung das größte mit Bioöl befeuerte Kraftwerk Deutschlands, so AgriCapital.

Acciona S.A.: ISIN ES0125220311 / WKN 865629
Conergy AG: ISIN DE 0006040025
Empresa Nacional de Electricidad SA (Endesa): ISIN ES0130670112 / WKN 871028
Gamesa (Grupo Auxiliar Metalurgico SA): ISIN ES0143416016 / WKN 589858
Iberdrola SA: ISIN ES0144580018 / WKN 851357
Ormat Technologies Inc.: ISIN US6866881021 / WKN A0DK9X
REpower Systems AG: ISIN DE0006177033 / WKN 617703
Solar-Fabrik AG: ISIN DE0006614712 / WKN 661471
Solar-Fabrik AG - Neue Aktien: ISIN DE000A0DRX11
Solon AG für Solartechnik: ISIN DE0007246308 / WKN 747119

Bilder: Windkraftanlagen der GE Energy im Windpark Arneburg; Flügel einer REpower MM82-Windturbine in Portugal; Windpark der Endesa SA; Fassade der Solar-Fabrik AG in Freiburg; Wellenkraftturbine von Wavegen / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x