03.01.07 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.1.2007: Jahresrückblick 2006 - Schwerpunkt Solaraktien: IPO-Boom und Kursabstürze

2005 waren Solaraktien noch die Stars an den Börsen gewesen, hatten zahlreiche Titel Kurszuwächse von 100 Prozent erzielen können. Das Jahr 2006 zeigte dann, dass auch in dieser Branche vielen Unternehmen Grenzen gesetzt sind. Entgegen dem allgemeinen Börsentrend war die Performance der meisten in Deutschland börsennotierten Solarwerte negativ. Von den 30 etablierten Solaraktien in unserer Auswahl erzielte in 2006 nur jede dritte einen Kurszuwachs. Der fiel bei Spitzenreitern wie den TecDax-Unternehmen Conergy AG und SolarWorld AG mit rund 80 bzw. 70 Prozent dafür besonders üppig aus. Beide zeichnen sich durch eine starke internationale Präsenz aus, auch wenn sich ihre Geschäftsmodelle unterscheiden.

Die Bonner SolarWorld profitierte von ihrem Status als einziger vollintegrierter Solarproduktehersteller, der vom Rohsilizium bis zu fertigen Solarstromanlagen die gesamte Produktionskette abdeckt. Konzernchef Asbeck kündigte an, sein Unternehmen werde die verbesserte Jahresprognose für 2006 erfüllen, also Umsatz und Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent steigern. Zu der positiven Ergebnisentwicklung trug auch die Übernahme des Shell-Solar-Sektors bei. Die Hamburger Conergy prognostizierte für das Gesamtjahr 2006 ein Umsatzwachstum von mindestens 50 Prozent auf über 800 Millionen Euro. Das Nachsteuerergebnis werde voraussichtlich von 27,8 Millionen Euro um 40 Prozent auf 40 Millionen Euro wachsen. Der Auslandsumsatz von Conergy wurde in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2006 vervierfacht. Bis 2008 will sie hier wie auch bei Projekten jenseits der Photovoltaik einen Umsatzanteil von 50 Prozent erreichen. Bei den im November 2006 vorgelegten Zahlen trugen Solarthermie-, Wind- und Bioenergieprojekte zu 18,9 Prozent des Umsatzes bei und damit zehnmal soviel wie im Vorjahreszeitraum.

Auch die ebenfalls im TecDax gelistete Q-Cells AG legte mit fast 40 Prozent Zuwachs eine starke Jahresperformance hin, die ebenfalls deutlich die rund 25 Prozent überstieg, um die der TecDax selbst wuchs. Nicht zuletzt aufgrund ihres Einstiegs in die Dünnschichttechnologie sehen Experten bei ihr weiterhin hohes Wachstumspotenzial. In den ersten neun Monaten des Jahres steigerte Q-Cells mit 383,9 Millionen Euro ihren Umsatz um 95 Prozent, das Betriebsergebnis (EBIT) um 126 Prozent auf 90,9 Millionen Euro und den Periodenüberschuss um 150 Prozent auf 62 Millionen Euro. Dieser Erfolg ist besonders bemerkenswert, wenn man sich etwa die Performance der US-amerikanischen Evergreen Solar Inc. betrachtet. Der Partner der Thalheimer Partner bei dem Joint Venture EverQ verbuchte 2006 beim Aktienkurs ein Minus von 36 Prozent und reihte sich damit ein in die Schar der fast durchweg in 2006 unter Druck geratenen Solaraktien aus den USA.

Deutlich weniger positiv als der TecDax entwickelte sich 2006 der Kurs der ebenfalls in diesem Index enthaltenen ErSol Solar Energy AG mit plus 6,02 Prozent. Die Erfurter hatten insbesondere mit einer unterplanmäßigen Belieferung durch externe Wafer-Hersteller zu kämpfen. Für das Gesamtjahr wurde angekündigt, dass das EBIT mit 20 bis 23 Millionen Euro geringer als erwartet ausfallen und die EBIT-Marge unter den bisher prognostizierten 20 Prozent liegen werde. Die Aktionäre der gleichfalls im TecDax gelisteten Solon AG mussten sogar ein Minus von 7,50 Prozent hinnehmen. Die Berliner senkten bei der Vorlage der Neunmonatszahlen im November ihre Jahresprognose für den Umsatz von 75 auf 50 bis 75 Prozent. Analysten reagierten enttäuscht auf die vorgelegten Zahlen, die trotz eines Umsatzanstieges um 81 Prozent und einem Ergebniswachstum vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 91 Prozent unter den Erwartungen blieben.

Für eine positive Überraschung sorgte in 2006 unter den deutschen Solarwerten die Aktie der Solar Millennium AG aus Erlangen, die übers Jahr 69 Prozent zulegte. Die Spezialistin für solarthermische Kraftwerke erzielte deutliche Umsatzsteigerungen in den Geschäftsfeldern Projektentwicklung und Technologie sowie Erlöse aus Beteiligungsverkäufen an Kraftwerksprojekten. Mit den Finanzierungsverträgen für ein weiteres Parabolrinnen-Kraftwerk konnte auch schon die Basis für weiteres Wachstum gelegt werden. Das kann von den beiden anderen "Kursraketen", deren Aktien ebenfalls recht volatil sind und recht wenig gehandelt werden, noch nicht behauptet werden: der australischen Dyesol Ltd., die sich über 110 Prozent verteuerte, und der kanadischen Arise Technology, die so stark zulegte wie Conergy, im Gegensatz zu dieser aber rote Zahlen schrieb.

Negativüberraschungen unter den deutschen Solarwerten boten in 2006 etwa die Sunways AG mit einem Kursverlust von fast 40 Prozent. Die Konstanzer Herstellerin von Solarzellen und Wechselrichtern konnte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres das schwache EBIT des Vorjahreszeitraumes trotz um 69 Prozent verbesserter Umsätze nicht übertreffen. Vor allem gestiegene Rohstoffkosten machten dem Unternehmen zu schaffen. Turbulent zu ging es 2006 bei der Reinecke + Pohl Sun Energy AG. Im Oktober führte ein Nachfrageeinbruch bei kristallinen Photovoltaik-Anlagen im Inland zu einer Gewinnwarnung, dann stellte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young "Unregelmäßigkeiten" in der Buchführung fest. Vorstandssprecher Schulz-Colmant gab sein Amt auf. Zuvor hatte auch der Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft des Hamburger Solarunternehmens seine Position aufgeben müssen: um eine Gefängnisstrafe anzutreten. Der Aktienkurs brach 2006 um knapp die Hälfte ein. Hart gebeutelt wurden im vergangenen Jahr auch die Aktionäre der Freiburger S. A. G. Solarstrom AG, die auf Neunmonats-Sicht deutlich in die roten Zahlen rutschte. Vor allem die in Deutschland zurückgegangene Nachfrage, hohe Beschaffungskosten und ein Preiswettbewerb bei einem Überangebot an Solarmodulen am Markt wurden dafür als Ursache genannt. Die Aktie der S. A. G. büßte 54,04 Prozent an Wert ein.

Zum Jahresende nahm mit Georg Salvamoser, langjähriger Vorstand der Solar-Fabrik AG, ein Pionier der deutschen Solarbranche, seinen Abschied. Er legte seinen Posten nieder, um sich "zukünftig übergeordneten Aufgaben in der deutschen Solarwirtschaft zu widmen". Sein Unternehmen hatte 2006 nach erfolgreicher Umstrukturierung mit deutlichen Zuwächsen beim Umsatz und Gewinn in den ersten neun Monaten aufgewartet. Seine Wertschöpfungskette reicht nach der Übernahme der indischen OJAS Energy Ltd. nun von der Waferbeschaffung über die Solarzellenherstellung bis zum Modulbau. Die Aktie schloss 2006 dennoch leicht negativ ab.

Trotz der für viele schwierigen Marktsituation konnten im vergangenen Jahr viele Solarunternehmen den Börsengang als Möglichkeit nutzen, sich mit Kapital auszustatten. Insgesamt 14 Gesellschaften aus dem Solarbereich fanden ausreichend Vertrauen bei den Aktionären für ihre Erstnotiz. Bislang wurde dieses Vertrauen jedoch nur von der Hälfte der 14 Börsenneulinge des Jahres 2006 gerechtfertigt. Von ihnen stellte die chinesische Solarwaferproduzentin ReneSola Ltd. mit einem Kurszuwachs von über 170 Prozent alle anderen in den Schatten. Weitere sechs neue Solarwerte konnten immerhin zweistellig zulegen.
Mut für die Zukunft machte 2006 eine Studie der Bank Sarasin zum Solarenergie-Markt. "Wir beurteilen die Entwicklung sowohl von der Photovoltaik als auch der Solarthermie positiv", fasste Dr. Matthias Fawer-Wasser, Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank Sarasin und Autor der Studie, die Ergebnisse zusammen. "Wir rechnen damit, dass bis 2010 die neu installierte Photovoltaikleistung durchschnittlich um 26 Prozent sowie die neu installierten Solarkollektoren zwischen 25 und 30 Prozent im Jahr wachsen werden." Ein geringerer Materialverbrauch und höhere Wirkungsgrade der Solarzellen wirkten trotz Siliziumknappheit als Motor für den Photovoltaikmarkt. Erst 2008 sei mit einer gewissen Entspannung zu rechnen, da dann zusätzliche Siliziummengen auf den Markt kommen werden. Sarasin geht davon aus, dass der Anteil Deutschlands am Weltmarkt von 55 Prozent im letzten Jahr auf 22 Prozent im Jahr 2010 zurückgehen wird.

Die Bank Sarasin hat auch die strategische Positionierung von börsennotierten Photovoltaik-Unternehmen bewertet. Diese wurden anhand von vier Kriterien - gesicherte Rohstoffversorgung, kritische Größe des Unternehmens, technisches Know-How sowie internationale Kundenbasis - untersucht. "Wir gehen davon aus, dass sich die Branche schneller mit klaren Gewinnern und Verlierern konsolidieren wird und immer weniger Neueinsteiger Fuß fassen können", erklärte Fawer-Wasser. Vorbildlich sei die SolarWorld, sie überzeuge insbesondere bei Know-How, Internationalität sowie durch die Aktivitäten zur Rohstoffsicherung. Auf Platz zwei sieht Sarasin die Q-Cells AG, die sich durch Beteiligungen den Zugriff auf materialsparende und zukunftsträchtige Technologien gesichert habe. Am Ende der Rangliste liegen Suntech, Solon, Motech, Sunways und die Solar-Fabrik.

Bei der Solarthermie, die bereits 15 Mal mehr Energie als Photovoltaik liefert, stellte die Bank Sarasin für 2006 eine Wachstumsrate der neu installierten Leistung von 34 Prozent in Aussicht. Fortschritte gebe es bei solarthermischen Kraftwerken in Europa, nicht zuletzt durch das neue Energiegesetz erlebten auch in den USA Solarthermieprojekte einen Aufschwung. Es sei möglich, dass solarthermische Kraftwerke bis 2010 mit einer Gesamtleistung von 2,1 GW realisiert werden können.


Solar-Aktien: Kursentwicklung im vergangenen Jahr, sortiert nach Performance; Börsenneulinge werden außer Konkurrenz aufgeführt und zeigen die Kursentwicklung seit dem Börsenstart:
Firma: Veränderung in 2006 / Schlusskurs am 29.12.2006 / Jahreseröffnungskurs am 2.1.2006 (Kurse der Börsenplätze Frankfurt und Berlin-Bremen; alle in Euro)

Dyesol Ltd. : plus 113,33 % / 0,32 / 0,15
Conergy AG : plus 80,62 % / 48,55 / 26,88
Arise Technology Corp. : plus 80,95 % / 0,38 / 0,21
SolarWorld AG : plus 69,09 % / 47,55 / 28,12
Solar Millennium AG : plus 67,31 % / 18,07 / 10,80
Q-Cells AG : plus 38,36 % / 34,05 / 24,61
Worldwater & Power Corp. : plus 16,00 % / 0,29 / 0,25
Suntech Power Holdings Co. Ltd. : plus 10,02 % / 26,03 / 23,66
ErSol Solar Energy AG : plus 6,02 % / 46,17 / 43,55
3S Swiss Solar Systems AG : plus 4,04 % / 3,35 / 3,22
Phönix SonnenStrom AG : minus -1,31 % / 15,79 / 16,00
Solar-Fabrik AG : minus -2,00 % / 9,80 / 10,00
Sunpower Corp. : minus -5,30 % / 26,80 / 28,30
Solon AG : minus -7,50 % / 23,68 / 25,60
Solarparc AG : minus -11,95 % / 7,22 / 8,20
Energy Conversion Devices Inc. : minus -24,57 % / 25,79 / 34,19
Centrosolar AG : minus -25,67 % / 9,15 / 12,31
Carmanah Technologies Corp. : minus -26,40 % / 1,84 / 2,50
ATS Automation Tooling System Inc. : minus -31,06 % / 7,19 / 10,43
Sunline AG : minus -33,66 % / 3,39 / 5,11
Solar Energy Ltd. : minus -35,42 % / 0,31 / 0,48
Evergreen Solar Inc. : minus -36,00 % / 5,76 / 9,00
Sunways AG : minus -38,41 % / 6,96 / 11,30
Sustainable Energy Ltd. : minus -41,67 % / 0,07 / 0,12
Solartron Plc. : minus -47,06 % / 0,09 / 0,17
Reinecke & Pohl Sun Energy AG : minus -49,33 % / 6,80 / 13,42
S.A.G. Solarstrom AG : minus -54,04 % / 2,85 / 6,25
Daystar Technologies Inc. : minus -62,77 % / 2,90 / 7,79
Solco Ltd. : minus -66,66 % / 0,05 / 0,15
Epod International Inc. : minus -84,06 % / 0,11 / 0,69
Payom Solar AG : % / 5,30 / / Umfirmierung 2006
Akeena Solar Inc. : % / n.a. / n.a. / n.a.
Interactive Games Inc. : % / n.a. / n.a. / n.a.
Solar Integrated Inc. : % / n.a. / n.a. / -
Solar Night Inds. Inc. : % / n.a. / n.a. / n.a.
ReneSola Ltd. : plus 170,83 % / 6,50 / Börsengang 2006
Manz Automation AG : plus 26,31 % / 24,00 / Börsengang 2006
Meyer Burger Technologie AG : plus 25,69 % / 35,60 / Börsengang 2006
Solarvalue AG : plus 21,50 % / 12,15 / Börsengang 2006
First Solar Inc. : plus 20,95 % / 23,19 / Börsengang 2006
Renewable Energy Corporation ASA : plus 19,24 % / 14,19 / Börsengang 2006
Roth & Rau AG : plus 11,19 % / 40,03 / Börsengang 2006
Solarfun Power Holdings Co. Ltd.: minus -3,37 % / 12,15 / Börsengang 2006
Trina Solar Ltd..: minus -5,63 % / 1,13 / Börsengang 2006
Canadian Solar Inc. : minus -12,12 % / 7,57 / Börsengang 2006
Solarpraxis AG : minus -24,66 % / 5,50 / Börsengang 2006
SES Solar Inc. : minus -34,73 % / 0,63 / Börsengang 2006
Aleo Solar AG : minus -48,22 % / 6,99 / Börsengang 2006
Solar² AG : minus -67,71 % / 1,13 / Börsengang 2006

Zum ersten Teil unserer aktuellen Jahresrückblicke mit dem Schwerpunkt "Windaktien" gelangen Sie per Mausklick.

Bilder: Produktion am Conergy-Standort Rangsdorf / Quelle: Unternehmen; Solarmodul der Q-Cells AG / Quelle: Unternehmen; Solon-Mover / Quelle: Unternehmen; Firmenzentrale der Reinecke + Pohl Sun Energy AG / Quelle: Unternehmen; Modulproduktion bei dem Börsenneuling aleo Solar / Quelle: Unternehmen


Dieser Jahresrückblick 2006 erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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