03.01.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.1.2008: Jahresrückblick 2007: Viele Hoffnungen enttäuscht – massive Kursverluste bei Bioenergie-Aktien

Aktien aus dem Bereich Bioenergie haben in 2007 überwiegend enttäuscht. Besonders die in 2006 mit viel Vorschusslorbeeren an der Börse gestarteten Biokraftstoffhersteller mussten drastische Kursabschläge hinnehmen. Nur wenige Firmen konnten dem Druck standhalten, einigen gelang es immerhin, den Verlust einigermaßen zu begrenzen. Neben der Biokraftstoffbranche war der Biogassektor der zweite große Verlierer des Jahres bei den Bioenergiewerten.

Bereits Anfang des Jahres hatten Analysten die Aktie der Schwandorfer Schmack-Biogas AG als überbewertet bezeichnet. Lars Korinth von der HVB legte Ende Februar sein Kursziel auf 46 Euro fest und empfahl, die Aktie zu verkaufen. Schmack notierten zu diesem Zeitpunkt bei 62 Euro, die Konsortialbanken machten von ihrer Mehrzuteilungsoption vollständig Gebrauch und erwarben 0,24 Millionen Aktien zu einem Preis von 55 Euro je Aktie. Am 25. April markierte die Schmack-Aktie mit 74,80 Euro ihr Allzeithoch. Als Stephan Wulf und Hartmut Moers vom Bankhaus Sal. Oppenheim den fairen Wert Ende Mai auf 46 Euro taxierten, wurden an der Börse noch 62 Euro für die Anteile notiert.

Auch für vorsichtige Schmack-Aktionäre gab es Ende Juli dann ein böses Erwachen: Das Unternehmen kündigte überraschend einen Halbjahresverlust vor Steuern und Zinsen (EBIT) zwischen elf und zwölf Millionen Euro an, deutlich mehr als im Vorjahr. Grund hierfür sei ein branchenweiter Einbruch der Umsatzzahlen mit Biogasanlagen für den landwirtschaftlichen Sektor. Die Umsatzprognose für 2007 wurde von 150 bis 170 auf 140 bis 150 Millionen Euro nach unten korrigiert. Das EBIT werde voraussichtlich minus sechs Millionen Euro betragen. Der Aktienkurs brach zusammen, er fiel über 27,89 Euro am 27. Juli bis auf 17,51 Euro am 28. September. Bis Ende des Jahres hatte sich die Notierung bis auf 29,65 Euro erholt, der Jahresverlust beträgt 50 Prozent.

Das Potenzial für Biogas ist riesig, denn als eine der wenigen Erneuerbare-Energie-Formen sind Biogas-Anlagen, die Strom erzeugen, „grundlastfähig“: Sie arbeiten anders als Windkraftwerke und Solaranlagen auch bei Flaute und im Dunkeln. Auch Fahrzeuge lassen sich mit dem Gas betreiben. Und in Norddeutschland können die Erdgas-Bezieher nun auf Biogas umstellen. Der Hamburger ÖkoStrom-Lieferant Lichtblick hat das Biogas neu ins Angebot aufgenommen. Trotz der guten Marktperspektiven standen in 2007 neben Schmack Biogas auch die Aktien weiterer Biogasunternehmen unter Druck. Die Biogas-Anlagenhersteller und Anlagenbetreiber litten unter einer Preisexplosion bei Mais oder Getreide. Verunsichert wurde die Branche zudem von der Diskussion um die Erneuerung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes, es wurden Kürzungen für den Biogassektor befürchtet.

Gegen Ende des Jahres kamen Sebastian Zank und Peter Wirtz, Analysten der Düsseldorfer WestLB, zu einer optimistischen Einschätzung. Die Überarbeitung des Ernbeuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) werde deutliche Verbesserungen für die Biogasbranche mit sich bringen, so die Experten. Sie rechnen mit höheren Einspeisevergütungen für Energie aus Biogasanlagen. Der KWK-Bonus für die Nutzung der Wärme der Blockheizkraftwerke werde um 1 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh) auf 3 Cent ct/kWh angehoben, erwarten die WestLB-Analysten. Vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Rohstoffkosten werde über eine Anhebung des NawaRo-Bonus für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe um 2 ct/kWh beraten, hieß es. Zudem könne der Basistarif für die ersten 150 Kilowatt Leistung eines Biogaskraftwerks um 1 ct/kWh angehoben werden. Kleinere Anlagen werden nach Einschätzungen der Analysten besonders von den Änderungen profitieren, das könnte die Nachfrage bei der wichtigen Käufergruppe der Landwirte wieder beleben.

Zur aktuellen Situation der Schmack Biogas AG hat ECOreporter.de ein ausführliches Interview mit Wilhelm Stockel geführt. Stockel ist Geschäftsführer der Schmack-Tochter Schmack Energie Holding GmbH. Das Interview finden Sie auf unserer Seite www.ecoreportertv.de.

Die neben Schmack Biogas wichtigsten börsennotierten Biogasunternehmen sind die Biogas Nord AG aus Bielefeld und die EnviTec Biogas AG mit Sitz im niedersächsischen Lohne. Biogas Nord verloren in 2007 knapp 30 Prozent an Wert. EnviTec sind erst seit Juli 2007 börsennotiert, der Emissionspreis lag bei 47 Euro, Ende des Jahres kostete die Aktie 23,30 Euro. Der Kursverlust beträgt damit mehr als 50 Prozent.


Biokraftstoffaktien im freien Fall
Biokraftstoff-Aktien erwiesen sich in 2007 als schwieriges Terrain. Und die Anteilsscheine dieses Bereichs sind weiterhin mit etlichen Unsicherheiten behaftet. So ist es noch nicht sicher, ob Biodiesel in Deutschland so besteuert werden wird, wie es bisher vorgesehen ist. Bleibt die Gesetzeslage, wie sie ist, wird die Steuer vielen Biodiesel-Produzenten das Überleben erschweren – die Aktienkurse werden kaum einen Weg nach oben finden. Auch beim Bioethanol heißt es Vorsicht: Die Kapazitäten sind schwierig einzuschätzen, es sind viele neue Produktionsanlagen im Bau, vor allem in den USA.

Das größte Risiko für alle Biokraftstoff-Aktionäre sind die neuen Biokraftstoff-Technologien, die derzeit noch nicht marktreif sind. Werden eine oder mehrere von ihnen erfolgreich, wird es für die bisherigen Biokraftstoff-Anbieter schwierig. Eines allerdings ist heute sicher: Die Nachfrage nach Erdöl steigt, während die Erschließung neuer Ölfelder tendenziell sinkt. Treibstoff ist also ein Engpass-Markt. Spannend für Spekulanten – und gefährlich für den ganz gewöhnlichen Anleger.

Größter Verlierer unter den Biokraftstoffwerten war die Verbio Vereinigte BioEnergie AG, deren Aktien über 75 Prozent an Wert verloren. Es folgen: Petrotec AG (minus 69 Prozent), BDI – Biodiesel AG (minus 58,5 Prozent), Biopetrol Industries AG (minus 57,5 Prozent), EOP Biodiesel AG (minus 56,7 Prozent), CropEnergies AG (minus 43 Prozent) und Abengoa SA (minus 12 Prozent).


Schlechter Start für Neuemissionen
Die meisten Neuemission in der Bioenergiebranche erwischten in 2007 einen schlechten Start. Die Kurse der Börsenneulinge verloren seit Erscheinen bis Jahresende zwischen 10 und 50 Prozent an Wert. Einzige Ausnahme: Die BKN BioKraftstoff Nord AG aus aus dem niedersächsischen Sprakensehl-Bokel. Das Unternehmen konnte die Markteilnehmer offensichtlich mit seiner offensiven Akquisitionsstrategie überzeugen, zudem wurden ehrgeizige Ziele für das laufende Geschäftsjahr 2007/2008 ausgegeben. Laut BKN-Vorstand Ulrich Wogart soll sich der Umsatz bei einer EBIT-Marge von zirka acht Prozent auf rund 100 Millionen Euro mehr als vervierfachen. Die Grundlage hierfür bilde der aktuelle Auftragsbestand von 74 Anlagen mit einem Ordervolumen von insgesamt 150 Millionen Euro. Die Aktie kam am 6. Februar 2007 für 6,50 Euro an die Börse; Ende Dezember wurden 10,30 Euro für die Anteilscheine notiert, der Kurszuwachs beträgt damit 58,46 Prozent.

Informationen zur aktuellen Kursentwicklung der Bioenergieaktien finden Sie auf unserer Informationsseite Kurse.

Bilder: Sitz der Schmack Biogas AG; Fermenter der Biogas Nord AG; Stahltürme im Bioethanolwerk der CropEnergies AG. / Quelle jeweils: Unternehmen

Dieser Umweltaktien-Jahresrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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