01.12.02

3.12.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Quo vadis Windkraftbranche? - Vestas stürzt - REpower glänzt - Umweltkontor bleibt umstritten

(H.K.) Die volkswirtschaftlichen Daten der USA haben sich deutlich verbessert. Auch die Wirtschaft im Euroraum und besonders in Deutschland ist in einer besseren Verfassung als von vielen angenommen; das ist zumindest die Auffassung von Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung.

Die Aktienindizes in Deutschland und in den USA zeigten in der vergangenen Woche wenig Veränderung. Ausnahme ist der MDAX, der um zwei Prozent stieg. Der japanische NIKKEI-225 legte dagegen deutlich um sechs Prozent zu.

Der deutsche Aktienmarkt wird bereits ab dem 1. Januar 2003 neu segmentiert. Wie die Deutsche Börse AG mitteilte, soll es dann die beiden Segmente Prime Standard und General Standard geben. Unternehmen könnten ab sofort die Zulassung für das Prime-Segment beantragen, dieses stelle höhere Anforderungen an die Transparenz, hieß es. Die Prime-Zulassung sei Voraussetzung für die Aufnahme in einen der fünf Auswahlindizes DAX, MDAX, SDAX, TecDAX und Nemax-50. Im Februar will die Deutsche Börse über die Zusammensetzung der Indizes entscheiden, die Änderungen sollen am 24. März umgesetzt werden. Ein Sprecher der Analystenvereinigung GAIP nannte die Umgestaltung "positiv und im internationalen Vergleich richtig".

Der EU-Ministerrat hat beschlossen, die Öffnung der Energiemärkte und die rechtliche Trennung von Erzeugung, Handel, Vertrieb und Netzen erst im Jahr 2007 umzusetzen. Abgeordnete des Europäischen Parlaments kritisierten den Beschluss. Er ermögliche Quersubventionierungen und könne kleine Erzeuger beim Netzzugang diskriminieren. Die Parlamentarier wollen den Beschluss in zweiter Lesung ändern.

Kräftige Kursbewegungen gab es bei den Herstellern von Windenergieanlagen. Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769), Weltmarktführer aus Dänemark, korrigierte am Dienstag seine Geschäftserwartungen deutlich nach unten. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die USA, wo ein Gesetz zur steuerlichen Förderung der Windenergie nicht wie erwartet beschlossen wurde. Die Exporte nach Nordamerika würden deshalb massiv einbrechen; eine Erholung erwarten die Dänen frühestens im Jahr 2004. Weiterhin gebe es Verzögerungen bei der Netzanbindung des Offshore-Projekts Horns Reef, was zusätzliche Kosten verursachen würde. Nicht nur Umsatz und Gewinn, auch die Gewinnmarge verschlechtere sich dadurch. Aus der Mitteilung geht weiterhin hervor, dass Vestas an seinen Plänen festhält, eine neu entwickelte 3 Megawatt-Turbine ab Ende 2003 in Serie zu produzieren. Der Vestas-Kurs brach schlagartig um ein Drittel ein, er notierte zum Schluss bei 69,50 Dänischen Kronen (9,36 Euro). NEG Micon A.S. (WKN 897922), einheimischer Konkurrent und ebenfalls stark exportorientiert, verloren zeitgleich 21 Prozent auf 129,50 Kronen (17,45 Euro). Glimpflich kam die spanische Gamesa SA (WKN 589858) davon, hier betrug der Wochenverlust drei Prozent.

Am Freitag legten zwei deutsche Turbinenbauer Geschäftszahlen vor. REpower Systems AG (WKN 617703), Hamburg, hat die Umsätze in der Neunmonatsperiode gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) hat sich sogar fast versechsfacht. Das Ergebnis pro Aktie liegt bei 0,91 Euro. Das beim Börsengang angekündigte Wachstumsziel von jeweils 50 Prozent in den Jahren 2002 und 2003 werde man voraussichtlich noch überschreiten. Der Vorstand will beim Erreichen der Ziele bereits der nächsten Hauptversammlung im Mai vorschlagen, Dividenden auszuzahlen. REpower wies darauf hin, dass man weitere Kunden gewinnen konnte, darunter die Umweltkontor Renewable Energy AG. Der Auslandsanteil der Umsätze soll stark wachsen, bereits nächstes Jahr soll er 30 Prozent erreichen. Im Gegensatz zu Vestas hat REpower die Entwicklung einer 3 Megawatt-Turbine zurückgestellt, da man die Marktchancen als gering einschätzt. Die Aktie erreichte am Freitag 29,49 Euro und schloss dann bei 28 Euro - ein Wochengewinn von fünf Prozent.

Die Norderstedter Nordex AG (WKN 587357) meldete vorläufige Ergebnisse für das Geschäftsjahr, welches am 30. September endete. Umsatz und Gewinn stiegen demnach um jeweils 26 Prozent. Die eigenen Ziele - 30 Prozent Wachstum - seien damit verfehlt worden. Im laufenden Geschäftsjahr will das Unternehmen seine Typenvielfalt reduzieren und dadurch Kosten sparen. Nordex, dessen Finanzvorstand vor kurzem zurückgetreten war, verloren an der Börse zwölf Prozent auf 2,91 Euro.

Plambeck Neue Energien AG (WKN 691032), Projektierer von Windparks, steigerte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres die Umsätze um drei Prozent, zugleich brach das EBIT um 36 Prozent ein. Das Ergebnis pro Aktie betrug wie im Vorjahr 0,28 Euro, davon wurden im dritten Quartal nur 0,01 Euro erwirtschaftet. Im dritten Quartal 2001 lag dieser Wert bei 0,07 Euro. Man habe sich vor allem um die Sicherung weiterer Standorte für Windparks bemüht, kommentierten die Cuxhavener die schwachen Quartalszahlen. Das Biomassekraftwerk in Silbitz stehe kurz vor der Fertigstellung. Entgegen ursprünglicher Planungen wolle man es nicht sofort verkaufen. Man erwarte vom Gesetzgeber Verbesserungen der Vergütungsregelung und wolle das Kraftwerk so lange im eigenen Bestand halten. Die Analysten verschiedener Häuser verwiesen darauf, dass das dritte Quartal wenig aussagekräftig sei. Man müsse die Ergebnisse des Gesamtjahrs abwarten und behalte die Empfehlungen bei. Diese reichen von "Reduzieren" (HSBC Trinkaus & Burkhardt) über "Halten" (NordLB) bis zu "Kaufen" (mehrere Häuser). Einzig die österreichische Erste Bank stufte die Aktie von "Kauf" auf "Neutral" ab. Plambeck verloren neun Prozent auf 7,60 Euro.

Die Quartalszahlen der Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) fielen dagegen nach Analystenmeinung "unerwartet stark" aus. Die Umsätze stiegen um 21 Prozent, das EBIT ist deutlich positiv, nach einem negativen Wert im Vorjahresquartal. Pro Aktie ergibt sich im dritten Quartal ein Gewinn von 0,03 Euro. Die Eigenkapitalquote ist allerdings auf 38 Prozent deutlich zurückgegangen. Bei dem Biomassekraftwerk Helbra gibt es nach Angaben des Unternehmens technische Verzögerungen, es werde voraussichtlich erst Anfang 2003 umsatz- und ergebniswirksam. Der Vorstand bezeichnete die Ergebnisse als "voll im Plan". Für die Jahre 2002 bis 2004 hofft Umweltkontor auf starkes Wachstum, allein beim EBIT wolle man jährlich rund 70 Prozent zulegen, hieß es. Die Abstimmungen über die Konsolidierung der kürzlich übernommenen Beteiligungsgesellschaft New Mine Energy GmbH sind laut Umweltkontor noch nicht abgeschlossen.
Die vorgelegten Ergebnisse und Akquisitionen sorgten für Meinungsverschiedenheiten unter den Analysten. SES Research "tendierten" zu der Ansicht, dass der Kauf der New Mine sinnvoll gewesen sei, aufgrund der guten Zahlen wolle man demnächst die Prognosen anpassen. Das wollen auch die Kollegen von M.M. Warburg tun, diese stehen allerdings der New Mine sehr skeptisch gegenüber und empfehlen deshalb nur ein "Halten" der Aktie. Analysten von HSBC Trinkaus & Burckhardt sowie der Landesbank Baden-Württemberg kritisierten den Charakter der New Mine als "Wagniskapital-Investment" und rieten zum Verkauf der Umweltkontor-Aktie. Gegen die Einbringung der New Mine ist inzwischen Klage durch Aktionärsvertreter eingereicht worden. Umweltkontor gewannen einen Cent auf 2,73 Euro.

Wichtige Quartalsergebnisse weiterer Unternehmen und Kursbewegungen in Kürze:

Farmatic biotech energy AG (WKN 605192), Biogas-Spezialist aus Nortorf: Umsatz leicht gesteigert, EBIT stark negativ, neuer Business-Plan wurde angekündigt. Kurs: plus zwölf Prozent auf 2,01 Euro.
Sto AG (WKN 727413), Hersteller von Wärmedämm-Verbundsystemen aus Stühlingen: Umsatz leicht schwächer, EBIT plus vier Prozent, Ergebnis pro Aktie plus neun Prozent, Bruttomarge auf 59,2 Prozent gesteigert. Kurs: plus zehn Prozent auf 13,20 Euro.
IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850), Telematik-Anbieter aus Berlin: Umsatz und EBIT stark verbessert, Vorstand erwartet ausgeglichenes Ergebnis für das Gesamtjahr. Analysten der Bankgesellschaft Berlin empfahlen, die Aktie zu "halten". Kurs: minus drei Prozent auf 0,87 Euro.
Drägerwerk AG (WKN 555063), Spezialist für Medizin- und Sicherheitstechnik aus Lübeck: Neunmonats-Umsatz gesteigert, EBIT mehr als verdoppelt, positiver Ausblick für das Gesamtjahr. Dräger hat das hohe AA-Rating für Nachhaltigkeit der Zürcher Kantonalbank erhalten. Kurs: plus 15 Prozent auf 18,60 Euro.
Ifco Systems N.V. (WKN 932117), Logistik-Unternehmen aus Pullach: Umsatz leicht gesteigert, Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) deutlich verbessert, Nettogewinn im dritten Quartal nach Verlusten im Vorjahr. Kurs: Anstieg um drei Cent auf 0,16 Euro.
Adcon Telemetry AG (WKN 922220), Telemetrie-Anbieter aus Österreich: Umsatz gesteigert, EBIT negativ und deutlich verschlechtert, eigene Ziele wurden verfehlt. Ausblick: Im Jahr 2003 will Adcon ein ausgeglichenes EBIT erreichen. Kurs: minus ein Cent auf 1,55 Euro.

Der Kurs der US-amerikanischen Evergreen Solar Inc. (WKN 578949) ist um 69 Prozent auf 1,42 Dollar gestiegen und hat damit den Pennystock- Bereich deutlich verlassen. AstroPower Inc. (WKN 912953) kletterten um zehn Prozent auf 8,70 Euro. Beide Unternehmen stellen Solarzellen auf Basis kristallinen Siliziums her. Gründe für die Kurssprünge wurden zunächst nicht bekannt. Möglicherweise wirkte sich eine Mitteilung der BP Solar aus, einer Tochter des Ölkonzerns BP plc und weltweit einer der führenden Hersteller von Solartechnik. BP Solar will sich aus der Herstellung von Dünnschicht- Zellen zurückzuziehen und kündigte Werkschließungen in den USA an. Die kristalline Technologie verspreche höhere Profite, so BP Solar. Dünnschicht- Zellen gelten bei manchen Solarexperten als Konkurrenz für die kristalline Siliziumtechnik.

In den USA wird das Netz der Wasserstoff-Tankstellen ausgebaut. Gleichzeitig kündigten Autohersteller verstärkte Investitionen an, um Brennstoffzellen betriebene Fahreuge zur Serienreife zu bringen. Allerdings interessiert sich auch das Militär zunehmend für die Wasserstoff-Technologie. Die Aktien von Herstellern dieser Technik erfuhren in der vergangenen Woche einen breiten Aufschwung. In den USA stiegen H Power Corp. (WKN 940696) um 25 Prozent, Plug Power Inc. (WKN 928999) um 17 und FuelCell Energy Inc. (WKN 884382) um zehn Prozent. In Kanada legten Hydrogenics Corp. (WKN 588386) 24 Prozent zu, Ballard Power Systems Inc. (WKN 890704) und Stuart Energy Systems Corp. (WKN 579775) kletterten jeweils neun Prozent. Auch die Papiere des Schweizer Mischkonzerns Sulzer AG (WKN 854367), der eine Brennstoffzellen-Tochter besitzt, verteuerten sich deutlich um elf Prozent.

Nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster zugunsten der bundesweiten Einführung des sogenannten Dosenpfands stieg der Kurs der Tomra Systems ASA (WKN 872535) deutlich an. Insgesamt legten die Papiere im Wochenverlauf 13 Prozent auf 64,50 Norwegische Kronen (8,86 Euro) zu. Tomra stellt Automaten für die Rücknahme von Getränkeverpackungen her und ist unangefochtener Weltmarktführer. Das Unternehmen meldete zudem einen größeren Auftrag aus Israel mit einem Potenzial von bis zu 50 Millionen Kronen.

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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