03.12.04 Erneuerbare Energie

3.12.2004: "In Deutschland gibt es fast eine Überhitzung der Branche." - ECOreporter.de-Interview mit Peter Letter, New Value AG, über Finanzierungen im Bereich Erneuerbare Energie

Die New Value AG, eine börsennotierte Private Equity Investmentgesellschaft mit Sitz in Zürich, finanziert Unternehmen aus der Schweiz und dem deutschsprachigen Raum in Form von Eigenkapital und eigenkapitalähnlichen Finanzierungsformen. Dabei engagiert sie sich auch im Bereich der Erneuerbaren Energien. Im Rahmen unserer Schwerpunkt-Reihe zum Thema "Kapital für Erneuerbare Energien" sprachen wir mit Peter Letter, Investment Advisor der New Value AG.

ECOreporter.de: Ist die Branche der Erneuerbaren Energien aus Ihrer Sicht ein attraktives Feld für Private Equity Engagements?
Peter Letter: Ja, .im Grundsatz schon, denn in diesem Bereich gibt es Marktsegmente, die sehr stark wachsen. Außerdem wird die Entwicklung der Erneuerbaren Energien durch Innovation getrieben, das ist ein Aspekt der für uns sehr wichtig ist. Für uns ist es nicht interessant, Projekte zu finanzieren. Wir suchen im Idealfall die Kombination von Innovation und Wachstum, für die Erneuerbaren Energien trifft das zu. Außerdem erwarten wir eine weitere Expansion des Sektors.

ECOreporter.de: Was für eine zeitliche Perspektive veranschlagen Sie für Ihre Investments im Bereich der Erneuerbaren Energien?
Peter Letter: Wir halten die Anteile an den Unternehmen durchschnittlich fünf bis sechs Jahre lang. Natürlich kommt es sehr darauf an, wie sich ein Unternehmen entwickelt und um was für eine Technologie es sich handelt. Wenn die Technik noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium ist, muss man naturgemäß mit einer längeren Haltezeit rechnen.
Wir versuchen die Beteiligungen zu Stabilität, einer gesunden Eigenfinanzierung und einer guten Marktposition zu führen. Wenn die Unternehmen eine bestimmte Größe erreichen und der Kapitalbedarf wächst ist unsere Aufgabe erfüllt. Dann treten andere Investoren an, oder es folgt ein Börsengang.

ECOreporter.de: In welchen Bereichen und Technologien sehen Sie das größte Potenzial?
Peter Letter: Für uns als Private Equity Investoren ist die Wasserkraft weniger interessant. Ähnlich verhält es sich mit der Windkraft, die ist unserer Einschätzung nach technologisch ziemlich ausgereizt. Die Photovoltaik halten wir für aussichtsreich; Biomasse bietet Potentiale, wir haben uns da einiges angeschaut, haben uns aber noch nie positiv entschieden.
Bei der Photovoltaik sind wir gezielt nicht in den Bereich der Zellen gegangen. Unsere Beteiligung Swiss Sustainable Systems AG baut Laminatoren für die Fertigung von Solarmodulen (Maschinenbau). Eigene Module stellt sie nur für anspruchsvolle Maßnahmen der Gebäudeintegration her nicht für den Massenmarkt. Sicher gibt es im Bereich der Photovoltaik weitere Innovationen, allerdings ist es sehr schwierig, bei neuen Technologien den Zeithorizont abzuschätzen. Der wichtigste Hebel sind die Preise: Wenn es gelingt die zu drücken, ist viel Potential drin.

Beim Thema Biomasse haben wir als Private Equity Gesellschaft ein grundsätzliches Problem: Die Dinge bekommen immer sehr schnell Projektcharakter. In dieser Branche müssen die Technologieproduzenten oft zusätzlich die gesamten Angebots- und Nachfrageproblem lösen.

ECOreporter.de: Wo liegen Risiken für Investments in der Erneuerbare Energie Branche?
Peter Letter: Vor allem ist da die große Abhängigkeit von Subventionen zu nennen. Außerdem gibt es in Deutschland fast eine Überhitzung der Branche. Wird die anhalten, bricht der Markt zusammen? Es ist kaum möglich dazu eine Vorhersage zu treffen. Als zweites tritt häufig das Problem des "Time to market" bei den Technologien auf. Nehmen Sie das Beispiel der Brennstoffzelle, da gab es vor einigen Jahren sehr euphorische Prognosen darüber, wie schnell das in den Markt kommt. In der praktischen Umsetzung stand man dann aber vor großen Hindernissen. Wer baut beispielsweise die Infrastruktur für die Versorgung mit Wasserstoff auf? Das kann nicht der Hersteller der Brennstoffzelle sein.

ECOreporter.de: Welche Auswahlkriterien muss ein Unternehmen der Neue Energie Branche erfüllen, an dem sich die New Value AG beteiligt?
Peter Letter: Es muss eine innovative Technologie haben. Das Produkt muss marktrelevant sein; darunter verstehen wir: Es wird gebraucht. Das Management muss kompetent sein. Es gibt ausgezeichnete Tüftler, die aber vollkommen unfähig sind, in einem Team zu arbeiten. Mit solchen Leuten können Sie kein Unternehmen aufbauen! Sehr wichtig sind für uns auch, die Einzigartigkeit des Produktes und der mögliche Produktschutz zum Beispiel über Patente.

ECOreporter.de: Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen der New Value AG und den Gesellschaften, an denen Sie sich beteiligen konkret? Sind Sie über die Bereitstellung der Mittel hinaus beratend tätig. In weit sind Sie über das aktuelle operative Geschäft der Unternehmen informiert?
Peter Letter: Da sind vor allem drei Dinge zu nennen: Ein offener Informationsfluss, unterstützendes Coaching (Beratung) und schließlich die Mitgliedschaft von Vertretern der New Value AG im Aufsichtsrat oder Beirat des Unternehmens. Letztlich kommt es uns klar darauf an, Einfluss auf die Strategie und die Unternehmensentwicklung zu nehmen.

ECOreporter.de: Herr Letter, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Per Mausklick gelangen Sie zum ECOreporter.de-Interview mit Alec Rauschenbusch, Grazia Equity GmbH. Weitere Beiträge zu Finanzierern von Erneuerbaren Energien finden Sie, wenn Sie in der Suchfunktion das Stichwort "Private Equity" eingeben.

Bildhinweis: Peter Letter / Quelle: Unternehmen
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x