31.05.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

31.5.2006: Anlagecheck: Die W+S Beteiligungs AG bietet 1,8 Millionen Aktien an - Pläne mit Biomasse und Nanotechnologie überzeugen nicht

Die W+S Beteiligungs AG aus Dinslaken sieht sich als "Private Equity Finanzierer". Das nicht börsennotierte Unternehmen ist auf vier Geschäftsfeldern aktiv, darunter der Bereich Biomasse. W+S will gemeinsam mit der ISS Immobilien Schutz und Service AG, Langenfeld, "Blockkraftwerke" bauen - so schreibt es W+S. Weitere Geschäftsfelder sind die Nanotechnologie sowie Immobilien und der Großhandel mit Computerbauteilen. Was die einzelnen Geschäftsbereiche miteinander zu tun haben, sagt W+S den Investoren nicht - es gibt wohl kaum einen inneren Zusammenhang.

Private Equity Finanzierer engagieren sich gewöhnlich bei Unternehmen, die innovative Produkte oder Technologien anbieten können. Im Immobiliengeschäft der W+S dreht sich allerdings alles um den Markt für Zwangsversteigerungen, das wirkt nicht so innovativ, dass üblicherweise eine Privat-Equity-Gesellschaft einsteigen würde. Gleiches gilt für das Massengeschäft mit Computerbauteilen. Und der Geschäftsbereich Biomasse gehört zu einer seit Jahren eingeführten Branche - auch nicht besonders innovativ. Im Bereich Nanotechnologie will W+S Produkte für Hausfassaden entwickeln. Vergleichbares bieten schon Hersteller mit eingeführten Marken. Das Geschäftsmodell der W+S hat die ECOreporter.de-Redaktion nicht überzeugt. Die Erfolgschancen des jungen Unternehmens sind unseres Erachtens nicht so groß, dass wir Investoren derzeit zum Einstieg raten können. Interessenten sollten die weitere Entwicklung drei bis fünf Jahre aufmerksam beobachten, bevor sie in das Unternehmen investieren.


Börsengang innerhalb der nächsten fünf Jahre - "bei planmäßigem Geschäftsverlauf"

Im Detail: Die W+S Beteiligungs AG aus Dinslaken sucht Käufer für 1,8 Millionen ihrer Aktien. Aus der Platzierung der Namensaktien im rechnerischen Nennwert von einem Euro will das Unternehmen 4,5 Millionen Euro erlösen. Die Mindestzeichnungssumme beläuft sich auf 2500 Euro (1.000 Aktien), der Ausgabepreis beträgt 2,50 Euro je Aktie. Die Zeichnungsfrist läuft vom 21.3.2006 bis 30.11.2006. In Meldungen locken die Initiatoren der AG damit, dass ein Börsengang geplant sei. Im Wertpapierprospekt wird das genauer gefasst: Erst nach der "bei planmäßigem Geschäftsverlauf" innerhalb der nächsten fünf Jahre erwarteten Anerkennung als Unternehmensbeteiligungsgesellschaft werde der Börsengang angestrebt, so W+S. Anleger müssen sich also vorläufig in Geduld üben. Gründungsaktionäre der W+S sind die Schweizer Ceram AG, die ISS Immobilien Schutz und Service AG, Langenfeld, und die Mega Computer GmbH aus Neuss.

Insgesamt 2,5 Millionen Anteilscheine will das Dinslakener Unternehmen ausgeben. Die Initiatoren der Gesellschaft haben davon schon 700.000 übernommen. Für einen Euro je Aktie, einbezahlt haben sie laut dem Wertpapierprospekt allerdings nur 230.000 Euro.


Hohe "Weichkosten"

So eine Aktienemission ist nicht billig. Für die Konzeption fallen laut dem Prospekt 135.000 Euro an, für die Verwaltung der Gesellschaft in 2005 waren es demnach 90.000 Euro. Weit mehr soll der Vertrieb der Aktien beanspruchen, er ist den Angaben zufolge bei vollständiger Platzierung mit 855.000 Euro zu kalkulieren. Insgesamt fließen den Angaben zufolge 1,08 Millionen Euro der Gelder, die W+S bei Anlegern einwerben will, nicht den Projekten zu. Ein hoher "Weichkosten - Anteil" - uns erscheint das zu teuer.

Auch die Personen sollte man sich genauer ansehen. Andere haben das getan, und es lässt aufhorchen: So fiel ISS-Vorstand Elmar Kühnen - Mitglied im Aufsichtsrat der W+S - dem "Anlegerschutzarchiv" negativ auf. Und in der Onlineausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hieß es im Juli 2005 über Kühnen und Wolfgang Lechner, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der W+S, beide seien "auf dem grauen Kapitalmarkt keine Unbekannten".

Gemeinsam mit der ISS will die W+S Biomasse-Blockkraftwerke bauen. Das dafür notwendige Spezialwissen liefere die "erfolgreiche Fachfirma Kuchenbecker PMO GmbH", so der Emissionsprospekt. Am Markt gibt es derzeit Unternehmen im Bereich Biomasse, die erfahrener sind.


Fazit

Die im Prospekt beschriebenen Geschäftsmodelle erscheinen nicht geeignet, das nötige Vertrauen zu wecken, dass sie funktionieren werden. Anleger tun gut daran, ihr Geld in vielversprechendere Projekte als in diese Aktie zu stecken, die ja nicht an der Börse gehandelt wird. Die W+S Beteiligungs AG ist ein Fall für den ECOreporter.de Wachhund.


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