31.08.07 Fonds / ETF

31.8.2007: Themenfonds mit ethischem Anspruch – ECOreporter.de-Interview mit Rainer Ottemann, Leiter Fondsvertrieb und Asset Management der KBC Bank Deutschland AG, zum „KBC Eco Fund Water“

Die belgische Bank KBC Group bietet einen Themenfonds "Wasser" an, der auch ethische und ökologische Kriterien berücksichtigt. Mit der Auflegung des „KBC Eco Fund Water“ hat die Bank eigenen Angaben zufolge auf die zunehmende Bedeutung von Wasser im Hinblick auf das rasante Wachstum der Weltbevölkerung, der Weltwirtschaft sowie auf die zunehmenden Folgen des fortschreitenden Klimawandels reagiert. ECOreporter.de sprach mit Rainer Ottemann über den Fonds. Er ist Leiter Fondsvertrieb und Asset Management der deutschen KBC-Tochter KBC Bank Deutschland AG.


ECOreporter.de: Herr Ottemann, wie groß ist das Investmentuniversum des KBC Eco Fund Water?
Rainer Ottemann: Das sind gut 60 Unternehmen weltweit aus dem Themenbereich Wasserzyklus.


ECOreporter.de: Wo sind die Unternehmen ansässig, in die investiert wird?
Ottemann: Ein Großteil kommt aus den USA, es sind aber auch mitteleuropäische Unternehmen vertreten wie zum Beispiel Veolia, Suez oder Geberit.


ECOreporter.de: Kauft der Fonds jede Art von Aktien, unabhängig von der Größe des Unternehmens?
Ottemann: Der Eco Fund Water ist vorwiegend ein MidCap-Fonds. Natürlich gibt es viele kleinere Unternehmen, die sehr interessant sind. Und natürlich muss ausreichend Liquidität vorhanden sein. Erste Voraussetzung für ein Engagement ist aber, dass es hohe Umsätze im Bereich Wasserzyklus gibt. Grundsätzlich können wir aber auch in Unternehmen investieren, die neu an die Börse gehen (IPO).


ECOreporter.de: Wo liegen die wichtigsten Wachstumsmärkte für den Wassersektor?
Ottemann: Das sind zwei Felder: Zum einen ist der Bereich Infrastruktur sehr interessant; wie kann Wasser verfügbar gemacht werden? Zum anderen geht es um die Verteilung; wie wird Wasser zum Verbraucher transportiert? Da gibt es in den westlichen Industrienationen einen erheblichen Investitionsbedarf. In Großbritannien beispielsweise geht durch Leckagen in den Rohrleitungen enorm viel Wasser verloren. Ähnlich sieht es in US-amerikanischen Großstädten wie New York oder Chicago aus.

Gleichzeitig gibt es in Ländern wie Indien und China einen hohen Bedarf an Infrastrukturinvestitionen. Dort hängt das mit dem großen Wachstum der Städte, dem hohen Wirtschaftwachstum und steigenden Lebensstandard zusammen.

Ein anderes starkes Feld ist die Wasseraufbereitung, das Filtern und Reinigen von Wasser. Oft ist die mangelnde Verfügbarkeit von Wasser ein dringendes Problem. Deshalb kommt der Wiederverwertung und Aufbereitung große Bedeutung zu. Eine wichtige Komponente ist in diesem Zusammenhang übrigens auch die Qualitätsanalyse von aufbereitetem Wasser. In der Filtertechnologie sind amerikanische Unternehmen führend.


ECOreporter.de: Welche Rolle spielt der Klimawandel für den Erfolg des Fonds? Ist der Wasserfonds auch ein Klimafonds?
Ottemann: Ich würde umgekehrt formulieren: Das Thema Wasser spielt eine große Rolle beim Klimaschutz. Wir haben seit Anfang des Jahres einen speziellen Fonds zum Klimawandel, in dem gehört Wasser zu den wichtigen Anlagethemen.

Interessant ist die Betrachtung von der Investmentseite her: Der Bereich Wasser ist nicht so volatil (schwankungsfreudig) wie andere Themen, die mit dem Klimawandel zu tun haben. Ich verweise nur auf die Neue-Energien-Branche, dort braucht der Anleger sicher ein stärkeres Nervenkostüm, als wenn er in Wasser investiert.


ECOreporter.de: Wie stellen sie sich zu den Vorwürfen von NGOs, die Privatisierung der Wasserversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern führe bei Armen oft zu einer Verschlechterung der Versorgung?
Ottemann: Im Rahmen unseres SRI-Scoring Systems schauen wir uns das Sozialverhalten der Unternehmen an. Wenn ein Unternehmen zu den zehn Prozent schlechtesten in einer Kategorie gehört, dann kann es sich nicht für das Investmentuniversum qualifizieren.


ECOreporter.de: Woher beziehen Sie die Informationen für die Nachhaltigkeitsbewertung?
Ottemann: Unser internes SRI Research arbeitet für das Scoring mit der Datenbank des Dienstleisters Eiris aus London. Daneben haben wir ein unabhängiges Gremium außerhalb der Bank, das uns berät, das Environmental Advisory Committee /EAC). Darin sind vorwiegend Akademiker vertreten. Wir pflegen zudem auch Kontakte zu NGOs wie Amnesty International oder Ärzte ohne Grenzen. Unseren SRI-Prozess können wir dynamisch anpassen, so sind wir in der Lage, wichtigen aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Im Bereich der Umwelttechnologie – dazu gehört natürlich auch Wasser – holen wir uns Input von externen Spezialisten.


ECOreporter.de: Welche Wasserunternehmen kommen aufgrund ethischer Aspekte derzeit für ein Investment nicht infrage?
Ottemann: Aus dem Wasserbereich kann ich Ihnen aktuell kein Beispiel nennen. Generell möchte ich hervorheben: Wir sind über diese Fragen in Kontakt mit den Unternehmen. Wir sprechen mit ihnen über die Ergebnisse des SRI-Screenings. Wir sehen das Thema immer dynamisch; auch wenn es in einem Punkt einmal zu einer schlechten Bewertung gekommen ist, besteht immer die Möglichkeit, dass sich das wieder ändert.

Im Bereich Wasser gibt es selten Verstöße gegen die SRI-Richtlinien. Das ist eher bei traditionellen Old-Economy-Themen der Fall, zum Beispiel Bergbau, Energie oder Chemie.


ECOreporter.de: Wer gehört dem EAC an?
Ottemann: Es handelt sich um namhafte Professoren, Fachleute aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen. Ich nennen ihnen einige Beispiele. Es sind aktuell insgesamt zehn Personen. Ein Direktor Human Ecology der Universität Brüssel und Ratsmitglied Durable Development ist vertreten, ein Volkswirtschaftler mit Arbeitsschwerpunkt Durable Development von der Universität Leuven, ein Fachmann für Geschäftsethik und ein Spezialist für Sicherheit am Arbeitsplatz. Wenn aus dem Komitee ein Einspruch gegen ein Unternehmen kommt, hat das Gültigkeit, es hat eine Art Veto-Funktion.


ECOreporter.de: Wer stellt das Komitee zusammen?
Ottemann: Wir sprechen Leute an. Dazu suchen wir Menschen, die über entsprechende Qualifikationen verfügen und bereit sind mitzuarbeiten. Ausgeschlossen sind Mitarbeiter der KBC-Bank und ihrer Tochtergesellschaften.


ECOreporter.de: Wie oft trifft sich das Komitee?
Ottemann: Die turnusmäßigen Sitzung finden halbjährlich statt. Wenn sich dazwischen aber aus dem laufenden Geschäftsbetrieb Fragen ergeben, sind die Komiteemitglieder natürlich auch kurzfristig ansprechbar.


ECOreporter.de: Gibt es festgeschriebene Statuten, auf deren Grundlage das Komitee arbeitet?
Ottemann: Es gibt jeweils Listen von Positiv- und Negativkriterien. Schwerwiegende Verletzungen der Menschenrechte führen in jedem Fall zum Ausschluss aus dem Investmentuniversum.

Im Bereich der Positivkriterien schauen wir uns zum Beispiel die Umweltbilanz der Unternehmen an, die soziale Situation für die Mitarbeiter, die Sicherheitsstandards, den Umgang mit den Menschenrechten. Die Unternehmen die zu den 40 Prozent besten im jeweiligen Segment gehören, qualifizieren sich für die weitere Auswahl. Gleichzeitig dürfen sie allerdings in keinem Bereich zu den zehn Prozent schlechtesten Firmen gehören.

Zu den Negativkriterien gehört alles was mit Militär zu tun hat, das fällt vollständig heraus. Das Gleiche gilt für die Themen Tabak, Alkohol, reines Glücksspiel, Tierversuche und Gentechnik in der landwirtschaftlichen Manipulation. Einen Sonderstatus hat bei uns im Moment die Atomenergie. Unternehmen, die mehr als 50 Prozent ihrer Umsätze im Bereich der Atomenergie erzielen, sind disqualifiziert. Wenn sie weniger als 50 Prozent haben und gleichzeitig in die Weiterentwicklung von alternativen Energien investieren, können sie berücksichtigt werden. Wir sehen die Atomenergie als so genannte ‚Transition’-Energy, das heißt, dass wir aktuell nicht in der Lage sind, vollkommen auf die Atomkraft zu verzichten. Deswegen haben wir diese Übergangslösung geschaffen. Die beinhaltet im übrigen auch, dass in Unternehmen, die neue Atomkraftwerke errichten, nicht investiert wird.


ECOreporter.de: Wer kauft Anteile des Fonds? Wird er auch von professionellen Investoren genutzt, beispielsweise von Pensionsfonds?
Ottemann: Insbesondere in Deutschland und Österreich sind es vor allem Privatkunden, die unseren Wasserfonds kaufen. Wir verzeichnen zudem eine wachsende Nachfrage aus dem Bereich der Vermögensverwaltungen. Weitere wichtige Käufer sind institutionelle Investoren und NGOs. Besonders für die NGOs spielt der sehr transparente SRI-Ansatz eine große Rolle. Gute Kundenverbindungen haben wir auch nach Skandinavien und Asien, dort vor allem nach Japan und Korea.

ECOreporter.de: Herr Ottemann, wir danken Ihnen für das Gespräch.



Kurzportrait
Der Nachhaltigkeitsfonds „KBC Eco Fund Water“ (ISIN: BE0175479063) der KBC Asset Management wurde vor sieben Jahren aufgelegt. Er setzt auf Unternehmen, die sich auf Themen wie Wasseraufbereitung, Infrastruktur, Schadstoff-Feststellung oder Pumpen- und Filtertechnik spezialisiert haben. Wasser als Nahrungsmittel gehört nicht zu den Investmentthemen, die Gesellschaften dieses Sektors würden nicht dem Nachhaltigkeitsansatz des Fonds entsprechen, so KBC. Investiert wird vor allem in Small- und Midcap- Unternehmen weltweit. Der „KBC Eco Fund Water“ hat nach Angaben der Bank ein aktuelles Volumen von 350 Millionen Euro. Die Einjahresperformance betrage 27,31 Prozent, in den letzten fünf Jahren legte der Fonds durchschnittlich je 16,54 Prozent zu.

Bild: Rainer Ottemann / Quelle: Unternehmen
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