03.02.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.2.2006: Nachhaltiger Fischfang als Investitionskriterium für Fonds: Wal-Mart steigt auf nachhaltigen Fischfang um - Fischerei nach Marine Stewardship Council (MSC) wächst kräftig - ECOreporter.de-Interview mit Marnie Bammert, MSC-Co

Nur für wenige Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Ethikfonds ist umweltschonenender Fischfang bisher ein Auswahlkriterium für Investments: Der MI-FOnds Eco, der Swisscanto Equity Fund Green Investzwei, der Swisscanto Portfolio Fund Green Invest Balanced A und der Swisscanto Portfolio Fund Green Invest Equity B aber berücksichtigen diesen Aspekt bereits bei ihren Anlagen. Nun tut sich etwas in diesem selten beachteten, aber wichtigen Bereich der Nachhaltigkeit: Der größte Handelskonzern der Welt, Wal-Mart, will in Nordamerika künftig nur noch Wildfisch aus nachhaltigem Fischfang anbieten. Das teilte die Zentrale des Marine Stewardship Council (MSC) in London mit. Rupert Howes, Hauptgeschäftsführer des MSC, begrüßte den Kurswechsel bei Wal-Mart. "Das ist eine großartige und aufregende Entwicklung, mit der das Unternehmen seine führende Position unterstreicht", so Howes. Wal-Mart wolle innerhalb der nächsten Jahre seinen gesamten Bedarf an frischen und gefrorenen wilden Meerestieren für Nordamerika nach den Standards des MSC beziehen, hieß es weiter. ECOreporter.de sprach darüber mit Marnie Bammert, Communications Officer beim MSC in London.


ECOreporter.de: Frau Bammert, wie wichtig ist die Fischerei nach den Standards des Marine Stewardship Council für die Fischwelt? Gibt es schon Meeresgebiete, in denen Erfolge sichtbar und messbar sind?
Marnie Bammert: Im Moment sind 14 Fischereien weltweit nach dem MSC-Standard zertifiziert, 19 weitere sind im Bewertungsprozess. Wir rechnen damit, dass 2006 elf von diesen 19 Fischereien zertifiziert werden.Sollte dies der Fall sein, wird das Volumen an Wildfisch aus MSC-Fischerei auf über sechs Millionen Tonnen steigen. Das wären etwa sieben Prozent des Fischfangs weltweit.
Im Jahr 2005 sind viele Fischereien neu hinzugekommen. Nach der langsamen Entwicklung der Anfangsjahre geht die Kurve jetzt deutlich nach oben. Der MSC wurde 1997 gegründet, während der ersten zwei Jahre wurde allein an den Umweltstandards gearbeitet.

Aufgrund der Besonderheiten unseres Zertifizierungssystems können wir nicht genau prognostizieren, wie schnell das weitere Wachstum ausfallen wird. Der MSC führt die Prüfungen der Fischereien nicht selbst durch, das machen unabhängige Organisationen. Die Fischereien suchen sich die Zertifizierungspartner selbst aus, davon erfahren wir zunächst nichts. Es wird dann eine "Vorbewertung" durchgeführt, wenn die erfolgversprechend verläuft, steigen viele Fischereien in den Bewertungsprozess ein.

Unsere größten Erfolge verzeichnen wir bei Alaska Wildlachs. Der wird inzwischen zu fast 100 Prozent nach MSC-Standards gefischt. Aktuell führen wir eine Studie zur ökologischen Wirkung des nachhaltigen Fischfangs bei zehn zertifizierten Fischereien durch. Die Vorergebnisse sind sehr vielversprechend! Ein weiterer Schritt wird sein, die Studie auf ökonomische Folgen auszuweiten.


ECOreporter.de: Mit Wal-Mart schwenkt nun der größte Handelskonzern der Welt auf die nachhaltige Fischerei um. Ein anderes großes Handelsunternehmen, die niederländische Unilever N.V., engagiert sich schon seit Jahren für den MSC. Rechnen Sie jetzt mit einem Sog hin zum umwelt- und naturverträglichen Fischfang?
Bammert: Für den Fischfang ist Wal-Mart vom Volumen her nicht so relevant; das Unternehmen kauft beispielsweise längst nicht so viel Fisch wie die Unilever. Aufgrund seiner Größe und Marktposition rechnen aber damit, dass die Entscheidung des Unternehmens Signalwirkung haben wird.


ECOreporter.de: Ein Konzern wie Wal-Mart kann nicht per Knopfdruck von einem Tag auf den anderen seine kompletten Bezugquellen auf MSC-Fischfang umstellen. Wie passiert das praktisch?
Bammert: Zunächst werden alle Produkte von Wal-Mart, die bereits aus zertifiziertem Fischfang stammen, auch das Logo erhalten. Dafür muss allerdings jedes Unternehmen in der Lieferkette die sogenannte "chain of custody" erfüllen; die Herkunft eines Produktes muss sich vom Laden lückenlos bis auf das Fischerboot zurückverfolgen lassen. Dieser Prozess soll bis August 2006 abgeschlossen werden. Bis Anfang 2009 will Wal-Mart seine Zulieferer bei den Fischereien für die MSC-Bewertung fit machen. Das ist ein enormer Schritt: Wal-Mart kauft nicht einfach bereits zertifizierte Produkte ein, sondern bemüht sich bei seinen Zulieferern aktiv um deren Teilnahme am MSC-Programm.


ECOreporter.de: Führen Sie auch mit anderen großen Handelsunternehmen Gespräche über eine Umstellung auf MSC.Fischfang? Welche Unternehmen würden dafür in Frage kommen?
Bammert: Ja, wir sprechen natürlich mit vielen anderen Handelsunternehmen. Das Ausmaß des Engagements ist bei den meisten aber nicht so groß wie bei Wal-Mart. Eine Ausnahme bildet Unilever. Der Konzern hat zwar das selbst gesetzte Ziel bis 2005 seinen Fisch zu 100 Prozent aus MSC-Fischerei zu beziehen, nicht erreicht, bemüht sich aber weiter intensiv darum.


ECOreporter.de: Welche Bedeutung hat die nachhaltige Fischerei für Investmentfonds mit ethisch-ökologischem oder nachhaltigem Profil?
Bammert: Ich glaube, dass sich nur wenige Fonds den nachhaltigen Fischfang auf die Fahne schreiben. Bei der Bewertung von Unternehmen und Ländern durch die Ratingagenturen kommt der Aspekt schon eher zum Tragen.

ECOreporter.de: Frau Bammert, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Der Marine Stewardship Council ist eine unabhängige, globale und profitfreie Organisation, die gegründet wurde, um eine Lösung für das Problem der weltweiten Überfischung zu finden. Der Council wurde 1997 von Unilever, dem weltweit größten Käufer von Fisch und Meeresfrüchten und vom WWF, der internationalen Tier- und Umweltschutzorganisation, gegründet. Bis 1999 wurden der MSC von den beiden Gründungsförderern gänzlich unabhängig. Heute wird die Organisation eigenen Angaben zufolge von einem breiten Spektrum von Unterstützern in aller Welt, wie zum Beispiel karitativen Verbänden und auch kommerziellen Organisationen, finanziert.

Nähere Informationen zum MSC finden Sie hier: http://de.msc.org/

Bilder: MSC-zertifizierter Alaska Wildlachs von Whole Foods Market; Marnie Bammert / Quelle: MSC
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