03.06.02

3.6.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Schwache Quartalszahlen, gedämpfter Optimismus bei den Umweltunternehmen - Appetit der Großen ungebrochen: RWE schließt Übernahme der britischen Innogy ab

(H.K.) Die Frühindikatoren für ein stärkeres Wirtschaftswachstum im Euroraum haben sich weiter verbessert. Die Europäische Kommission sagte für das dritte Quartal ein deutliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) voraus. In Deutschland erwartet man bereits für den Mai eine sinkende Zahl von Arbeitslosen. Aus den USA wurden verbesserte Konjunkturdaten gemeldet; Sorge bereitet dort allerdings die weiter steigende Arbeitslosigkeit.

Trotz der insgesamt positiven Daten sanken alle wichtigen Indizes an den Weltbörsen weiter ab. Zur unsicheren weltpolitischen Lage kommt die Furcht vor weiteren Bilanzfälschungen: Ein Artikel in der "New York Times" hat die amerikanische Börsenaufsicht veranlasst, nun auch Ermittlungen gegen den Energiekonzern Halliburton Co. aufzunehmen.

Der Naturschutzbund NABU hat aus Anlass des Futtermittelskandals vor einer Verteufelung des Öko-Landbaus gewarnt. Den deutschen Öko-Bauern droht derweil neues Ungemach: Der Deutsche Bauernverband konstatierte einen drastischen Preisverfall, der die seit langem ökologisch wirtschaftenden Betriebe in finanzielle Schwierigkeiten bringen würde. Dabei ist das Interesse der Verbraucher weiter gestiegen. Die Edeka-Gruppe, führende deutsche Lebensmittelkette, meldete auf ihrer Bilanzpressekonferenz eine Verdreifachung des Umsatzes mit Bio-Produkten im abgelaufenen Geschäftsjahr - bei einem Anstieg des Gesamtumsatzes um nur fünf Prozent. Ein Umsatzplus von vier Prozent erzielte der Kölner TransFair-Verein laut seiner Jahresbilanz. TransFair zahlt den Erzeugern in der sogenannten Dritten Welt Preise, die nicht nur Kosten decken, sondern auch Investitionen in Produktqualität, Umwelt und Sozialprogramme ermöglichen.

Ungebrochen ist der Appetit der Großen auf Geschäfte mit Umwelttechnologien. Der britische Industriekonzern FKI plc, ein international agierendes Industrieunternehmen mit 17.000 Beschäftigten, wird den deutschen Windanlagenbauer DeWind AG übernehmen. SIF Energie, eine Tochtergesellschaft der Electricite de France, kauft einen dänischen Windparkbetreiber und wird damit zu einem "global player" auf dem Windenergiesektor. Die RWE AG hat den britischen Energieversorger Innogy Holdings plc. übernommen, Marktführer der Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen auf der Insel. Ein Tochterunternehmen der RWE baut im bayerischen Alzenau die größte Solarzellenfabrik Europas. Die französische Vivendi Universal SA hingegen will sich Zeitungsberichten zufolge von Anteilen an ihrer Umwelttechnik-Tochter Vivendi Environnement SA trennen, um Schulden abzubauen. Analysten von Lehman Brothers empfahlen daraufhin die Aktien der Vivendi Environnement SA (WKN 501451) mit "strong buy" zum Kauf. Der Kurs sank an der Pariser Börse um drei Prozent auf 33,93 Euro.

Die Unternehmen der erneuerbaren Energien erhoffen sich die Anbahnung neuer Geschäfte auf zwei internationalen Messen im Juni, der Wind Energy in Hamburg und der SolarEnergy in Berlin. Viele Neuheiten wurden bereits angekündigt und sollen nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. So will der dänische Windturbinenhersteller NEG Micon A.S. (WKN 897922) eine neue 2,75-Megawatt-Anlage vorstellen, die für den Offshore-Betrieb vorgesehen ist. Auch die Hamburger REpower Systems AG (WKN 617703) hat einen neuen 2-Megawatt-Typen im Portfolio, der sich nach Unternehmensangaben besonders für windreiche Standorte eignen soll. REpower berichtete über Verluste im zurückliegenden ersten Quartal des Geschäftsjahres 2002. Wie bereits andere Unternehmen der Branche begründete der Vorstand die schwachen Zahlen mit Vorlaufkosten für das geplante starke Wachstum; man verwies auf den hohen Auftragsbestand, an den Zielen für das Gesamtjahr halte man fest. Analysten von Independent Research merkten an, dass die Zahlen des ersten Quartals traditionell schwach seien. Man belasse die Einstufung der Aktie bei "marktneutral", bis sich das angekündigte Wachstum in Quartalszahlen manifestiere. REpower verteuerten sich um drei Prozent auf 36,95 Euro.

Quartalszahlen meldete auch der Norderstedter Windanlagen-Hersteller Nordex AG (WKN 587357). Die Ergebnisse entsprächen den Prognosen, allerdings ist der Auftragseingang geringer als erwartet. Analysten verschiedener Investmenthäuser zeigten sich leicht enttäuscht, wiesen aber übereinstimmend auf Anlaufverluste der neuen Produktionsanlage in Rostock hin. Man behielt die Empfehlungen bei, die teils "halten" lauten, teils "akkumulieren". Nordex verloren vier Prozent auf 5,14 Euro.

Der Bremer Windparkprojektierer Energiekontor AG (WKN 531350) berichtete über gestiegene Umsätze und Gewinne in den ersten drei Monaten des Jahres. Analysten waren sich darin einig, dass die Zahlen positiv zu werten seien, kamen aber zu unterschiedlichen Wertungen. ABN Amro empfahl zu verkaufen, Independent Research nannte die Aktie marktneutral, Concord Equity Research riet zu kaufen. M.M. Warburg will seine Einschätzung zunächst überprüfen. Der Kurs hielt sich unverändert bei 6,50 Euro.

Auch die Erkelenzer Umweltkontor Renewable Energy AG (WKN 760810) konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verbesserte Zahlen melden. Die Kommentare der Analysten lagen hier noch weiter auseinander, die Empfehlungen gehen von "verkaufen" über "marktneutral" und "halten" bis zu "outperform". Die Analysten lobten die Transparenz des Zahlenwerks. Der Streit entzündete sich vor allem an der Einschätzung der Biomasse-Projekte; hier kündigte der Umweltkontor-Vorstand bereits die Prüfung weiterer Vorhaben an. Der Kurs sank um drei Prozent auf 4,51 Euro ab.

Die farmatic biotech energy AG (WKN 605192), eine Spezialistin für die industrielle Umwandlung von Biomasse in Biogas, musste trotz gestiegener Umsätze ein negatives Quartalsergebnis melden. Schlechte Witterungsverhältnisse hätten zu Bauverzögerungen geführt, hieß es - ähnlich wie bei einem Windparkprojektierer in der Vorwoche. Die Vorbereitungen für den Bau des bislang größten Biogaskraftwerks Deutschlands in Lüchow sind nach farmatic-Angaben mittlerweile angelaufen. Künftig sollten 10.000 Haushalte mit Strom versorgt werden, der umweltfreundlich aus Abfällen der Landwirtschaft und der Industrie erzeugt werde. Die Farmatic-Aktie konnte um vier Prozent auf 10,40 Euro zulegen.

Die nicht börsennotierte Inergetic AG aus Schwerin wird ein Biomassekraftwerk in Spanien errichten. Der Strom soll aus Holzabfällen und Olivenrückständen erzeugt werden. Es sei vorgesehen, das Kraftwerk nach dem Kyoto-Protokoll zu zertifizieren, teilte Inergetic mit.

Auf der Hauptversammlung der Bonner SolarWorld AG (WKN 510840) wurde die Ausschüttung einer auf 0,35 Euro erhöhten Dividende beschlossen. Der Kurs sank um drei Prozent auf 15,07 Euro. Die börsennotierte Tochter WindWelt AG (WKN 635253) konnte dagegen um 19 Prozent auf 5,40 Euro zulegen.

Die Stuttgarter voltwerk AG (nicht börsennotiert) lässt in Bayern das nach eigenen Angaben größte Solarkraftwerk Deutschlands errichten. Die fertige Anlage soll jährlich 1,7 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen und der AG Einnahmen von 815.000 Euro bringen. Die Aktien der anderen börsennotierten deutschen Solarunternehmen stehen zur Zeit nicht in der Gunst der Anleger: S.A.G. Solarstrom AG (WKN 702100, Solarparkbetreiber aus Freiburg) minus acht Prozent, Solon AG (WKN 724630, Modulhersteller aus Berlin) minus elf Prozent, Sunways AG (WKN 733220, Solarzellenhersteller aus Konstanz) minus drei Prozent.

Gesteigerte Umsätze und ein überproportional verbessertes Ergebnis meldete die Centrotec Hochleistungskunststoffe AG (WKN 540750) für das erste Quartal. Die deutsch-niederländische Spezialistin für Hochleistungskunststoffe und Energiesparsysteme mit Sitz in Marsberg bekräftigte ihre Prognose für das Gesamtjahr. Künftig wolle man jährlich um 25 bis 30 Prozent wachsen, vor allem Produkte zur Wärmerückgewinnung und der Abgastechnologie sollen dazu beitragen. Centrotec gab außerdem einen Wechsel im Vorstand bekannt. Die Aktie notiert unverändert bei 10,80 Euro.

Die Sto AG (WKN 727413) aus Stühlingen wies gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres leicht gestiegene Umsätze und einen verringerten Verlust aus. Nach Angaben des Vorstands des Fassadenspezialisten und Herstellers von Wärmedämm-Verbundsystemen sei ein Verlust im ersten Quartal wegen des saisonalen Geschäfts üblich. Künftig wolle man vor allem im Ausland wachsen, die Prognose für das Gesamtjahr wurde bestätigt. Sto verteuerten sich geringfügig auf 17,15 Euro.

Ähnlich ist die Situation bei der Österreichischen SW Umwelttechnik AG (WKN 910497). Der Umsatz im ersten Quartal ist leicht gestiegen, das Ergebnis negativ, aber besser als im Vorjahr. Das auf Anlagen zur mechanischen und biologischen Wasserreinigung spezialisierte Unternehmen plant für das laufende Jahr ein Anschließen an das Rekordergebnis 2000. Der Kurs verlor an der Wiener Börse drei Prozent auf 37,25 Euro.

Einem Bericht der "Euro am Sonntag" zufolge ist Wien - gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) - weltweit eine der günstigsten Börsen. Der österreichische Index ATX habe ein KGV von 17; im Vergleich dazu seien der EuroStoxx-50 mit 21 und der DAX mit 27 teurer. Dabei habe der ATX seit Januar bereits 16 Prozent Wertzuwachs zu verzeichnen - weit mehr als der DAX oder der Dow Jones.

IVU Traffic Technologies AG (WKN 744850), ein im Bereich der Verkehrsleittechnologien tätiges Unternehmen aus Berlin, meldete eine kräftige Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahresquartal; die Verluste haben sich hingegen weiter erhöht. Diese Ergebnisse habe man erwartet, so IVU. Dennoch will das Unternehmen im laufenden Jahr eine schwarze Null erreichen. Der hohe Auftragsbestand gebe Anlass zu Optimismus, hieß es. Zur Deckung der Finanzierungslücke im vierten Quartal wolle man auf der Hauptversammlung im Juni ein Konzept vorstellen. Am Donnerstag gab IVU eine Kapitalerhöhung gegen Bareinlage unter Ausschluss des Bezugsrechts bekannt. Der Kurs machte danach einen Sprung von 0,75 auf 0,94 Euro. Der Schlussstand am Freitag lag bei 0,84 Euro.

Auch das Quartalsergebnis der Interseroh AG (WKN 620990), eines Dienstleistungs- und Rohstoffkonzerns aus Köln, blieb hinter den Erwartungen zurück. Infolge der schwachen Konjunktur rechne man nicht mehr damit, das Ergebnis des Jahres 2001 zu erreichen, so Interseroh. Die Aktie legte dennoch um sechs Prozent zu.

Ihre Prognosen für das Jahr bestätigt hat die Vossloh AG (WKN 766710). Der Bahntechnik-Hersteller aus Werdohl plant bei geringen Umsatzsteigerungen einen kräftig steigenden Gewinn. Der Kurs der Vossloh-Aktie hat von dieser Meldung nicht profitiert: Er sank um 14 Prozent auf 22,25 Euro ab.

Die Drägerwerk AG (WKN 555063), Lübeck, gab Absichten bekannt, ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Siemens AG im klinischen Akutbereich zu gründen. Das Joint Venture wäre in mehr als 100 Ländern präsent. Drägerwerk stellt Anlagen, Geräte und Systeme für die Medizin-, Sicherheits-, Luftfahrt- und Unterwassertechnik her. Die Anteilsscheine konnten um zwölf Prozent auf 20,10 Euro zulegen.

Der norwegische Automatenhersteller Tomra Systems ASA (WKN 872535) lädt seine Aktionäre zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Vorgesehen ist die Wahl der Norwegerin Hanne de Mora in den Vorstand. Tomra verloren elf Prozent auf 55 Norwegische Kronen (rund 7,36 Euro).

Die Anteilsscheine des kanadischen Brennstoffzellen-Unternehmens Hydrogenics Corp. (WKN 588386) fielen um 18 Prozent auf 5,30 Dollar. Gründe für den Kurssturz wurden nicht bekannt. Um sieben Prozent gestiegen ist der Kurs der Body Shop International plc (WKN 870803), einer Einzelhandelskette für natürliche Kosmetikartikel. Die Papiere notierten zum Schluss bei 110,5 britischen Pence, was rund 1,73 Euro entspricht.


Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x