03.06.03 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.6.2003: Höhlt steter Tropfen den Stein? - Exxon-Hauptversammlung lehnt erneut Klimaresolutionen ab

Bei ExxonMobil, dem größten Erdölunternehmen der Welt, ist die Welt noch in Ordnung. Einen Klimawandel gibt es nicht und fossile Brennstoffe werden auch die Energiequelle der Zukunft sein. Von diesem Glauben rückt jedenfalls Exxon-Chef Lee Raymond nach wie vor nicht ab. Auf der diesjährigen Hauptversammlung ist ihm dabei die Mehrheit der Aktionäre abermals gefolgt. Sie fand am 28. Mai statt.

Auf ihr hatten Aktionärsvereinigungen wie im Vorjahr Resolutionen über einen Kurswechsel vorgelegt. Dies geht aus verschiedenen Berichten US-amerikanischer Medien hervor. Demnach sollte Exxon darüber Bericht erstattet, inwiefern das Unternehmen das Klima gefährdet, wodurch es diese Gefährdung verringern und wie es erneuerbare Energiequellen erschließen wird. Die beiden Resoltutionen, eingebracht von christlichen und Umweltschutz-Gruppierungen wie dem Interfaith Center on Corporate Responsibility (ICCR), der Coalition for Environmentally Responsible Economies (CERES) und der Campaign ExxonMobil, erhielten wie 2002 etwa ein Fünftel der Stimmen. Vertreter der Aktionärsvertretungen sahen darin einen Achtungserfolg. Laut Pat Daly von der Tri-State Coalition for Responsible Investing offenbart das Abstimmungsergebnis, dass die meisten Investoren mittlerweile die Gefahr eines Klimawandels realisiert haben. Lee Raymond dagegen gab sich davon überzeugt, dass Erdöl und Erdgas auch weiterhin die vorherrschenden Energiequellen sein werden. Bis 2020 werde der Anteil von Wind- und Sonnenenergie weltweit allenfalls ein Prozent erreichen. Außerdem lehnte er es ab, zu Lasten der Anteilseigner soziale Verpflichtungen einzugehen.

Exxon, weltweit das drittgrößte Unternehmen überhaupt, agitiert seit vielen Jahren gegen die Notwendigkeit, den Verbrauch von Kohlendioxid (CO2) zu reduzieren. Laut Lee Raymond gibt es keinen Wandel des Weltklimas und wenn, dann existiere dafür keinen Zusammenhang mit dem Ausstoß von CO2. Das sei auch die Einschätzung der meisten Wissenschaftler und die des Weißen Hauses. Auf die US-Regierung übt ExxonMobil nicht wenig Einfluss aus, war der Konzern doch zweitgrößter Finanzier des Wahlkampfes von Präsident Bush. Vor allem auf sein Betreiben hin war Dr. Robert Watson als Vorsitzender des Weltklima-Forums (IPCC) abgelöst worden. Dies nachdem das UN-Gremium von Forschern aus aller Welt festgestellt hatte, dass sich das Klima wandelt und eben hierfür die Verbrennung von CO2 die Hauptursache ist.

Inzwischen gehen Versicherungsgesellschaften wie die Münchener Rück davon aus, dass durch einen menschlich verursachten Klimawandel in den nächsten 50 Jahre weltweit Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Dollar entstehen werden. Mit Ausnahme von Exxon haben sich alle Ölkonzerne wie etwa British Petrol (BP) oder Shell Oil Co. zu ihrer Verantwortung für einen verbesserten Klimaschutz bekannt. Sie wollen sich auch deshalb am Handel mit Treibhausgas-Emissionen beteiligen. Tom Cirigliano, Sprecher von Exxon Mobil, bezeichnete all dies laut Reuters als reine PR. Der Handel mit Emissionen führe zu nichts. Allenfalls technologische Fortschritte könnten verringerte Emissionen zeitigen. Seit 1970 seien dadurch bei Exxon-Raffinerien die Emissionen um 37 Prozent gesunken. Dem hält Peter Altmann von der Initiative Campaign Exxon Mobil entgegen, dass diese Einsparungen geringer seien als die von anderen Branchen, beispielweise der Stahl- oder der Chemieindustrie. Als Ganzes habe die US-Industrie in diesem Zeitraum ihre Emissionen um 45 Prozent gesenkt. Außerdem sei die Klimabelastung dennoch weiter gestiegen.
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