03.08.06 Nachhaltige Aktien , Meldungen

3.8.2006: Geheimniskrämerei bei der SuperNatural AG: Geschäftsführung verkauft drei von vier Filialen und will den Aktionären den Preis nicht nennen

Streit bei SuperNatural: Die Aktionäre des Biosupermarkt-Betreibers sorgten im Juli für eine turbulente Hauptversammlung. Nun will Philipp Spitz, Geschäftsführer des Großaktionärs Umwelt Aktiendepot Deutschland (UAD Deutschland), per Anwalt eine außerordentliche Hauptversammlung beantragen. Ziel sei die Sonderprüfung der Gesellschaft durch einen Wirtschaftsprüfer. Anlass für den Streit: Die Supernatural AG hat drei ihrer vier Märkte verkauft. ECOreporter.de fasst die Vorwürfe gegen Ex-Vorstand Andrew Murphy und seine Entgegnung zusammen.

"Aufsichtsrat und Vorstand der Super-Natural haben sich in der ordentlichen Hauptversammlung geweigert, den Kaufpreis für den Verkauf der Supermärkte zu nennen. Dabei lagen keine Gründe für eine Geheimhaltung vor", erklärt der UAD-Geschäftsführer gegenüber ECOreporter.de: "Laut dem Vorstand wurden die Märkte an die Münsteraner Superbiomarkt AG verkauft, weil sie der einzige Bieter gewesen sei, der alle drei Märkte übernehmen wollte. Andere hätten sich nur für Düsseldorf interessiert." Nach § 142 Aktiengesetz solle nun ein Wirtschaftsprüfer den Verkauf der Supermärkte durch den Vorstand Ruben Wend und die Aufsichtsräte Christoph Soika, Rechtsanwalt Peter Lamers und Theo Häni prüfen, so Spitz. Wenn die Hauptversammlung dieses nicht beschließe, werde man die Sonderprüfung über das zuständige Gericht beantragen.


Ein Markt soll weiter geführt werden - neuer Name "Bio to go"

An der Hauptversammlung der SuperNatural am Sitz der Gesellschaft in Bonn hätten neben den Gremiumsmitgliedern vier Aktionäre teilgenommen, berichtet Spitz. Drei von vier Märkten der Super-Natural AG seien laut Vorstand Ruben Wend verkauft worden. Davon seien zwei defizitär gewesen (Standorte in Mönchengladbach und Köln mit jeweils rund 20.000 Euro Verlust), einer habe Gewinn erwirtschaftet (Standort Düsseldorf mit 160.000 Euro Überschuss). Aufgrund einer sogenannten "Verwaltungsumlage" von mehren 100.000 Euro sei dennoch ein erhebliches Defizit entstanden. In dieser Umlage sei beispielsweise ein Warenwirtschaftssystem enthalten oder das Vorstandsgehalt.

Wend habe die Entscheidung, die Märkte zu verkaufen, mit verschärfter Konkurrenz begründet, die man an den Standorten erwarte, so Spitz weiter. Nach dem Verkauf bleibe einzig ein Markt in Bonn. Der solle mit verändertem Konzept weiter geführt werden. Der Markt sei dafür sehr aufwendig umgestaltet worden. Da er sich von anderen Biosupermärkten erheblich unterscheide, habe er keine direkte Konkurrenz zu befürchten. Als neuer Name und Marke des Unternehmens soll laut Spitz "Bio to go" etabliert werden.

"Das ist tatsächlich ein einmaliges Konzept. Es gibt damit keinen direkten Wettbewerb mit anderen Discountern", kommentiert der UAD-Geschäftsführer. Er berichtet weiter, dass das neue Konzept umfangreiche Investitionen für weitere Filialen erfordere. Die Mittel der Gesellschaft würden laut Vorstand Wend derzeit allerdings keine Expansion ermöglichen.



Schwere Vorwürfe gegen Ex-Vorstand Andrew Murphy

in seinem Lagebericht zum Jahresabschluss 2005 erhebt der amtierende Vorstand der SuperNatural AG, Ruben Wend, schwerwiegende Vorwürfe gegen seinen Vorgänger im Amt Andrew Murphy. Bei der SuperNatural hätten "jegliche zur Steuerung von Einzelhandelsunternehmen übliche Strukturen" gefehlt, heißt es da. Eine "komplette Neupflege des Warenwirtschaftssystems und der Aufbau eines Systems zur Sortimentsbearbeitung" seien notwendig gewesen. Man habe eine "gesetzeskonforme kaufmännische Buchhaltung" erst aufstellen müssen. Und schließlich: Die Arbeitsverträge mit den Mitarbeitern seien nicht einwandfrei gewesen, eine Prüfung der Rentenversicherungsanstalt werde zu Nachzahlungen für die Jahre 2003/04 führen.

Murphy, Partner von Philipp Spitz bei Murphy&Spitz Umwelt Consult, sieht sich zu Unrecht beschuldigt. Er stellte ECOreporter.de eine Stellungnahme zur Verfügung, die wir nachfolgend in gekürzter Form veröffentlichen:

"Die Supernatural AG habe ich im Mai 2002 gegründet und bis zum 10. Juni 2005 als Vorstand geführt. Die Supernatural ist in den drei Jahren zur schnellst wachsenden Biosupermarktkette in Deutschland aufgestiegen. Das enorme Wachstum wurde durch ein sehr kleines Team von drei Personen mir vollbracht. Einhergehend mit dem Wachstum wurde die Struktur aufgebaut. So wurde nach Absprache mit dem Aufsichtsrat und enger Zusammenarbeit mit Herrn Soika (Anmerkung der Redaktion: Aufsichtsratsvorsitzender) das Warenwirtschaftssystem MESS der Firma retaildata installiert. Ein System, das umfangreiche Aufschlüsse über die Entwicklungen und Abverkäufe der Filialen zuließ und schon in 2.000 Filialen deutschlandweit eingesetzt wird. Dieses haben wir zusätzlich zur Eröffnung und Eingliederung von Filialen vorgenommen.

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Die regelmäßigen Prüfung von staatlicher Seite zu Fragen der Hygiene und zum Arbeitsschutz waren ohne nennenswerte Beanstandungen.

Jede einzelne Frage zur Gestaltung der operativen Arbeit wurde mit dem
Aufsichtsratsvorsitzenden Soika abgesprochen.

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Der Aufsichtsratsvorsitzende war über alle operativen Tätigkeiten jederzeit auf dem Laufenden. Als Unternehmensberater hat er die Supernatural bei der Sortimentsanalyse und -gestaltung beraten.

Die Unternehmensphilosophie: "Biolebensmittel so preiswert wie möglich zu verkaufen", halte ich nach wie vor für das richtige Konzept. Die Konzeption direkt bei den Herstellern und Produzenten einzukaufen und dadurch eine Umgehung des Großhandels durchzuführen, hat enormes Einsparungspotential.

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Die Supernatural baute ihre Filialen strategisch zusammenhängend im Rheinland auf, um Synergie zu schaffen und den Bekanntheitsgrad zu nutzen. Die Supernatural war der führende Biosupermarkt in NRW. Mit fünf Filialen und einem Umsatz über 4,5 Millionen Euro war eine kritische Masse geschaffen. Das alles wurde mit einem Grundkapital von nur 500.000 Euro erschaffen.

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Auf der außerordentlichen Hauptversammlung im Mai 2005 habe ich mein Konzept des Einstieges weiterer Investoren und dem strategisch wichtigem Merger mit einem Großhändler vorgestellt.

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Bilder: Inzwischen Geschichte: ehemalige Filiale der SuperNatural AG in Düsseldorf; Ex-Vorstand Andrew Murphy / Quelle: Unternehmen
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