Atomenergie hat keine Zukunft. Die Altlasten dieser Form der Energieerzeugung werden dagegen noch viele Jahre ein Thema bleiben. / Quelle: Fotolia

11.03.15 Erneuerbare Energie

4 Jahre nach Fukushima – deutsche Energieriesen am Abgrund

Heute ist der vierte Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima. Am 11. März 2011 hatte ein heftiges Seebeben einen Tsunami ausgelöst, der gegen die Küstenlinie von Japan rollte, dort den Tod vieler Tausende Menschen verursachte und auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi traf. Es kam zu einer Kernschmelze und zur Freisetzung großer Mengen an Radioaktivität. Noch heute sind ca. 120.000 Menschen evakuiert, viele von ihnen werden nicht in ihre Häuser zurückkehren können. Wann die Fangverbotszone um die Anlage aufgeboben werden kann, und ob die von der Fischerei lebenden Menschen der Region zu ihrer Arbeit zurückkehren können, ist nicht absehbar, stellte dazu das deutsche Bundesumweltministerium in einer Erklärung fest.

Seit der Atomkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 hat sich der globale Abwärtstrend der Atomindustrie deutlich beschleunigt. Dies belegt Greenpeace in einem aktuellen Report. Demnach fiel die globale Atomstromproduktion nach Fukushima bis 2013 auf ein Rekordtief von elf Prozent der weltweiten Stromerzeugung. Zwar verursachte der Ausfall sämtlicher Atomreaktoren in Japan nach der Katastrophe einen Großteil des Rückgangs. Doch der Anteil der Atomstromproduktion verringerte sich auch in weiteren 16 Ländern, etwa in den USA, in Südkorea, in Frankreich und in Deutschland. Von den 17 deutschen Atomkraftwerken, die zum Zeitpunkt des Unglücksin Fukushima in  Betrieb waren, sind heute noch neun am Netz. In diesem Jahr wird auch das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld abgeschaltet, die übrigen sollen bis spätestens Ende 2022 folgen.

Atomkraft ist ein Auslaufmodell

"Atomenergie ist gefährlich, teuer und unnötig, das hat Fukushima bestätigt. Auch Atomkraftwerke, die technologisch am neuesten Stand sind, können keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten", sagt Walter Saurer, Klima- und Energiesprecher bei Greenpeace CEE in Österreich. Er weist darauf hin, dass es in einigen Ländern – etwa in Großbritannien -Bestrebungen gibt, Atomenergie mittels öffentlicher Steuergelder zu subventionieren, da in Europa zu den derzeitigen Marktpreisen Neuinvestitionen in Atomkraftwerke unrentabel sind.  

"Die nukleare Zukunft wird maßgeblich davon abhängen, ob es künftig Staaten erlaubt sein wird, Neuinvestitionen in AKWs staatlich zu subventionieren", so Saurer. Die britische Regierung plant Subventionen von bis zu 20 Milliarden Euro für den geplanten Ausbau des AKWs Hinkley Point, mit 35-jährigen Abnahmegarantien weit über dem Marktpreis inklusive Inflationsausgleich sowie Kreditgarantien und Entschädigungen bei Ertragsausfall. "Das ist nicht nur teuer für die britischen Steuerzahler, sondern verzerrt auch den Markt und behindert die Transformation der Energiesysteme hin zu erneuerbaren Energien", warnt der Greenpeace-Sprecher und verweist auf Studien, die belegen, dass bei gleichem öffentlichen Fördermitteleinsatz der Ausbau erneuerbarer Energieträger wesentlich kostengünstiger wäre, als der Ausbau von Atomenergie. Zudem widerspreche eine solche Förderung von Atomenergie den EU-Wettbewerbsregeln. Die von der österreichischen Regierung angekündigte Klage Österreichs gegen die Subventionen für das britische AKW Hinkley Point bezeichnet Saurer als einen wichtigen Schritt, auch weil eine solche staatliche Subventionierung von AKW-Neuinvestitionen, wie sie die Regierung in London anstrebt, als Modell in anderen Ländern Schule machen könnte, wie er befürchtet.

Der deutsche Atomausstieg hat die großen deutschen Stromkonzerne unter Druck gesetzt. Doch dass sie in eine tiefe wirtschaftliche Krise geraten sind, schweren und anhaltenden Managementfehlern geschuldet, nicht primär der Energiewende. Dies ist das Ergebnis einer umfangreichen Studie von Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup und Prof. Dr. Ralf-Michael Marquardt von der Westfälischen Hochschule in Recklinghausen. Sie haben diese Analyse (die Sie  hier  lesen können) im Auftrag von Greenpeace Deutschland erstellt. Konventionelle Energieversorger stehen heute aus eigenem Verschulden vor enormen Herausforderungen, so die Studie. Der Atomausstieg, die Energiewende und der zu reformierende Emissionshandel waren deren Autoren zufolge länger absehbare Entwicklungen, auf die sich die Versorger RWE, Eon, Vattenfall und EnBW hätten einstellen müssen. Doch statt sich am Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beteiligten, kämpften die Konzerne für eine Laufzeitverlängerung ihrer Atomkraftwerke und tätigten im Ausland teure und riskante Zukäufe. „Das Management der großen Versorger hat die Augen zu lange vor dem absehbaren neuen Energiemarkt verschlossen. Jetzt rächt sich das sture Festhalten an einem überkommenen Geschäftsmodell“, so Studienautor Heinz-Josef Bontrup.

Schlechte Zukunftsperspektiven gefährden Atomrückstellungen

Aussicht auf wirtschaftliche Besserung können die Autoren nicht erkennen. Der Schuldenstand der Konzerne ist hoch, Kreditratings schlecht, der Wert konventioneller Kraftwerke im Sinken begriffen. Diese vier Großkonzerne verlieren im früheren Kerngeschäft Stromerzeugung und -vertrieb kontinuierlich Marktanteile. Gleichzeitig setzt der steigende Anteil der Erneuerbaren Energien sie unter Druck, stehen ihnen in diesem Zukunftsgeschäft schlagkräftige neue Konkurrenten gegenüber. „Diese Schraubzwinge wird für die ehemaligen 'Big 4‘ absehbar nicht lockerer werden, sondern enger“, fasst Co-Autor Ralf-Michael Marquardt die Ergebnisse zusammen.

Die miserablen Geschäftsaussichten der vier großen Energieversorger bedrohen auch deren finanzielle Verpflichtungen. Ihre Rückstellungen für die Milliardenkosten des Rückbaus der Atommeiler und die Umweltfolgen des Braunkohletagebaus bestehen zum großen Teil aus dem Wert der konzerneigenen Kraftwerke. Deren Wert sank zuletzt deutlich, was hohe Abschreibungen nötig machte. Entsprechend unsicher drohen die Rückstellungen zu werden. „Die Bundesregierung muss dringend dafür sorgen, dass die Rückstellungen der Energieversorger in einer öffentlich-rechtlichen Stiftung gesichert werden“, so Austrup. „Der Steuerzahler soll nicht für die Managementfehler von vormals blendend verdienenden Konzernen aufkommen müssen.“
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