04.10.04 Nachhaltige Aktien , Meldungen

4.10.2004: Wochenrückblick: Run auf den US-Windmarkt steht bevor - polnische Tochter soll condomi retten - Plambeck bereinigt die Bilanz: 140 Millionen Euro Verlust im ersten Halbjahr

Die Aktienindizes legten in der vergangenen Woche zu. An den deutschen Börsen stieg der DAX um zwei Prozent und der TecDAX um vier Prozent. Etwas moderater war der Anstieg in den USA, wo der Dow Jones Industrial Average Index um ein Prozent und der Nasdaq Combined Composite um drei Prozent kletterte. Der japanische Index Nikkei-225 erhöhte sich um 0,8 Prozent. Der Euro verteuerte sich zum US-Dollar um mehr als ein Prozent auf 1,2417 Dollar. Rohöl ist weiter gestiegen, der November-Kontrakt für die Sorte Light Sweet Crude schloss in New York über 50 Dollar pro Barrel. Agenturberichten zufolge droht in Nigeria ein bewaffneter Konflikt - das wäre ein weiterer Kriegsherd in einem großen Ölexport-Land.

Eine Studie zum Umweltbewusstsein in Deutschland, die das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt in Auftrag gegeben haben, brachte zutage, dass die Mehrheit der Deutschen die Risiken des globalen Klimawandels als für sich persönlich sehr gefährlich einschätzt. Für den Ausbau der Windenergie sprachen sich mehr als zwei Drittel aus, während 59 Prozent der Befragten die von der Atomkraft ausgehenden Gefahren als äußerst oder sehr gefährlich einstuften. Die Mehrheit wünscht, dass Deutschland in der Europäischen Union eine klimapolitische Vorreiterrolle einnimmt. Die Erhebung wird alle zwei Jahre durchgeführt; im Vergleich zur letzten Studie ergaben sich deutliche Verschiebungen zugunsten des Umweltschutzes.

Der Hamburger Windturbinenhersteller REpower Systems AG hat den Aufbau der zur Zeit weltgrößten Windmühle in Brunsbüttel abgeschlossen. Die "REpower 5M" wurde am vergangenen Freitag mit der Installation des Rotors komplettiert. Nach Angaben des Unternehmens sollen in den kommenden Wochen noch Elektroinstallationen und Justierungsarbeiten erfolgen, bevor der Prototyp in Betrieb gehen kann. Die Anlage mit einer Nennleistung von fünf Megawatt ist für spätere Installationen auf der See konzipiert. Sie soll zunächst ausführlich getestet werden. Die REpower-Aktie erreichte in der vergangenen Woche neue Allzeit-Tiefs. Am Freitagabend lag der Kurs bei 13,96 Euro, 6,5 Prozent niedriger als vor einer Woche.

Ein Konkurrenzprodukt der gleichen Leitungsklasse ist die Multibrid-Anlage der Prokon Nord Energiesysteme GmbH werden. ECOreporter.de befragte Prokon Nord-Geschäftsführer Ingo de Buhr zu Aspekten dieser Windenergie-Anlage, deren Prototyp in Bremerhaven aufgestellt werden soll, sowie zu weiteren Projekten.

Vestas Wind Systems A/S, dänischer Weltmarktführer der Hersteller von Windkraftanlagen, meldete einen Anschlussauftrag aus Kanada. Für einen bereits bestehenden Windpark seien weitere 25 Turbinen mitsamt der schlüsselfertigen Errichtung bestellt worden. Der Auftrag habe ein Volumen von 55 Millionen Euro, so Vestas. Der Kurs zog in Kopenhagen um fünf Prozent auf 90,25 Dänische Kronen an.

Die russische Regierung hat das Kyoto-Protokoll gebilligt. Sollte das Parlament den Gesetzesentwurf in den nächsten Monaten ratifizieren, könnte es international in Kraft treten. Die Mechanismen des Vertragswerks würden Anbietern von Technik zur Vermeidung von Treibhausgasen neue Geschäftsabschlüsse ermöglichen.

In den USA haben Kongress und Senat die Wiedereinführung der steuerlichen Förderung für die Windenergie (Production Tax Credit - PTC) vorgeschlagen. Sollte Präsident Bush das Gesetz unterschreiben, würde dies einen Boom der Windkraft auslösen. Tom Gray, Direktor des amerikanischen Windenergieverbands AWEA, sagte, die Windenergie wäre zwar auch ohne PTC ins Geschäft gekommen. Jedoch würde sich die Situation entscheidend verbessern, da sämtliche anderen Energiearten staatliche Stützungen erhielten. Das erneute PTC soll nach seinen Angaben für 15 Monate, also bis Ende 2005 gelten. Damit könne ein Investitionsschub von drei Milliarden Dollar ausgelöst werden, was 2000 bis 3000 Megawatt Windleistung neu ans Netz bringen würde, sagte Gray.

Profitieren könnte in erster Linie der US-amerikanische Mischkonzern General Electric Co. (GE), dessen Windsparte im Jahr 2003 mehr als 50 Prozent Marktanteil erreicht hatte. Amerikanischen Presseberichten zufolge hat GE Wind-Chef Steve Zwolinski bereits groß angelegte Aufstellungszahlen angekündigt. Zweiter auf dem nordamerikanischen Markt war Vestas Wind Systems. Der dänische Hersteller hatte kürzlich seine Jahresplanungen revidieren müssen und dies eben mit dem Auslaufen des PTC begründet - auch für Vestas könnten sich also die Aussichten verbessern. Der spanische Maschinenbaukonzern Gamesa Corporación Tecnológica, im vergangenen Jahr mit nur drei Prozent US-Marktanteil vertreten, hat Medienberichten zufolge angekündigt, eine Produktionsstätte für Rotorblätter in den USA zu eröffnen. 400 Menschen sollen dort Arbeit finden. Den Angaben zufolge verfügt Gamesa bereits über Vorverträge für 400 Megawatt neu zu installierender Windenergie in den USA. Gamesa notierten in Madrid leicht schwächer bei 11,92 Euro.

Plambeck Neue Energien AG, Windparkprojektierer aus Cuxhaven, meldete Halbjahreszahlen. Die Umsätze sanken auf 12,5 Millionen Euro, nach 29,7 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Konzernergebnis liegt bei minus 141,5 Millionen Euro. Das Eigenkapital des Unternehmens ist auf 42,4 Millionen Euro geschrumpft. Drei Monate vorher hatte Plambeck diesen Wert noch mit 185 Millionen Euro angegeben. Das Unternehmen führt den hohen Konzernverlust auf Wertberichtigungen und Abschreibungen zurück. Aufgrund der Novellierung des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) und einer veränderten Marktsituation hätten die Windpark-Projekte in Deutschland neu bewertet werden müssen. Die Diskussionen über die Gesetzesnovelle im ersten Halbjahr habe Projektverschiebungen nach sich gezogen, für die Plambeck Vorleistungen erbracht habe. Die Banken hätten sich bei der Finanzierung von Windparks zurückgehalten. Darüber hinaus seien Wertberichtigungen bei Tochterunternehmen notwendig geworden. Das Unternehmen kündigte Maßnahmen zur Kostensenkung an. Die Solarthermie-Sparte soll verkauft werden. Im Kerngeschäft, der Windparkentwicklung, sollen im laufenden Jahr Projekte mit insgesamt 53 bis 104 Megawatt errichtet werden, so Plambeck. Der Kurs stürzte um 29 Prozent auf 0,74 Euro ab. Analysten der Nord LB und der Landesbank Baden-Württemberg empfahlen, die Aktien zu "verkaufen". Independent Research und M.M. Warburg rieten hingegen zum "Halten" der Papiere.

Die Umweltkontor AG hatte Anfang September die Einleitung des Insolvenzverfahrens beantragt. Zum 1. September sei Dr. Erik Silcher als neues Vorstandsmitglied berufen wurden, ein Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungs- und Insolvenzrecht, teilte das Unternehmen weiter mit. Das operative Geschäft werde weiterhin von Heinrich Lohmann geführt. Gegenwärtig würden Verhandlungen mit den Banken und möglichen Geldgebern geführt, die eine Fortführung des Unternehmens zum Ziel haben. Für die Dauer dieser Verhandlungen werde der Geschäftsbetrieb unter Aufsicht des vorläufigen Insolvenzverwalters uneingeschränkt fortgeführt. Nach Einschätzung des Unternehmens besteht aufgrund der Halbjahreszahlen die Chance auf eine Sanierung. Die Nachrichtenagentur dpa-afx meldete unterdessen Interesse von Investoren an der kompletten Gesellschaft oder an deren Teilen. Allein für Umweltkontors Photovoltaik-Tochter Ersol solle es laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Volker Quinkert "ein Dutzend" Angebote geben, so dpa-afx. Der Umweltkontor-Kurs zeigte bis zum Donnerstag eine Fast-Verdopplung auf 0,48 Euro. Insgesamt stieg die Aktie um 41 Prozent auf 0,38 Euro.

Im Wochenverlauf notierten beinahe alle deutschen Windenergie-Aktien im Pennystock-Bereich - mit Ausnahme der REpower Systems AG und der wenig gehandelten WindWelt AG. Der Windparkprojektierer Energiekontor AG verließ den Penny-Bereich in der zweiten Wochenhälfte. Die Aktie legte 17 Prozent auf 1,15 Euro zu, wobei jedoch relativ wenig Aktien umgesetzt wurden.

Ein anderes Bild boten erneut die Solaraktien. SolarWorld AG kletterten um zehn Prozent auf 38,75 Euro. Am Freitag wurden bis zu 39,50 Euro für die Papiere gezahlt. Ebenfalls um zehn Prozent verteuerten sich Solon AG, acht Prozent legten Solar-Fabrik AG zu.

Sunways AG, Hersteller von Solarzellen und Wechselrichtern, stiegen um 15 Prozent auf 4,35 Euro. Das Konstanzer Unternehmen gab die Begebung einer Wandelanleihe im Volumen von bis zu zehn Millionen Euro bekannt. Das Geld sei für eine zusätzliche Produktionslinie für Solarzellen in den neuen Bundesländern vorgesehen. Die Teilschuldverschreibungen im Nennbetrag von je 100,00 Euro werden bei einer Laufzeit von fünf Jahren mit 7,0 Prozent verzinst. Sie werden den Aktionären im Verhältnis 96 Aktien zu einer Schuldverschreibung angeboten. Frühestens nach der ordentlichen Hauptversammlung im Jahr 2006 könne die Anleihe bei einem Wandlungspreis von 4,85 Euro in Aktien gewandelt werden. Die Gesellschaft behalte sich vor, den Wandlungspreis unter bestimmten Umständen anzupassen, so Sunways.

Der Kölner Kondomhersteller condomi AG gab Einzelheiten des Finanzierungs- und Sanierungskonzepts bekannt. Die polnische Tochtergesellschaft unimil S.A. wird den Angaben zufolge die Verbindlichkeiten der anderen Gesellschaften der condomi-Gruppe erwerben. Der Kauf werde durch die Emission von mindestens 1,7 Millionen und maximal zwei Millionen Stück neuer unimil-Aktien der Serie C im Nennwert von 10 Polnischen Zloty finanziert. Vorgesehen sei, dass unimil danach einen teilweisen Forderungsverzicht aussprechen werde. Damit würde das Eigenkapital der condomi gestärkt und die Zinslast verringert. Zusätzlich solle unimil zusätzliche liquide Mittel für die Restrukturierung der condomi AG zur Verfügung stellen. Der Vertrag stehe unter der aufschiebenden Bedingung, dass die Kapitalerhöhung der unimil S.A. in das zuständige Handelsregister in Polen eingetragen wird, hieß es. Die condomi-Aktie stieg am Freitag bis auf 2,15 Euro. Insgesamt verzeichnete der Kurs einen Wochengewinn von 27 Prozent auf 1,80 Euro.

Der geplante Verkauf von 70 Prozent der Entsorgungstochter RWE Umwelt der RWE AG an den Rethmann-Konzern ist auf Kritik des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) gestoßen. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge warnte der bvse vor neuen Monopolen in der Recycling-Branche. Rethmann würde durch die Übernahme zum mit Abstand größten Entsorger aufsteigen. Laut bvse werde der Verdrängungswettbewerb durch personelle Verflechtungen zwischen Rethmann und dem Kölner Dienstleister Interseroh AG noch verschärft. Rethmann müsse sich aus der "von ihm gesteuerten Interseroh AG" zurückziehen, forderte der Verband. Die Interseroh-Aktie zeigte kaum Veränderungen, sie wurde am Freitagabend bei 13,33 Euro notiert.

Sto AG, Fassaden- und Wärmedämmspezialist aus Stühlingen, gab eine Neuentwicklung für Gebäudefassaden bekannt. Der Anstrichstoff StoPhotosan Color nutze das Sonnenlicht für eine selbstreinigende Wirkung. Das Produkt sei nach dreijähriger Entwicklungszeit nun serienreif, so die Mitteilung. Die Sto-Vorzugsaktie kletterte um fünf Prozent auf 14,50 Euro.

Ballard Power Systems Inc., kanadischer Hersteller von Brennstoffzellen, stiegen an der New Yorker Nasdaq-Börse um 16 Prozent auf 7,28 Dollar. Hintergrund könnte die Demonstration Brennstoffzellen betriebener Automobile sein, die mit Ballard-Technik ausgerüstet sind. Die Kanadier kündigten unterdessen weitere Demonstrationen von Wasserstoff-Anwendungen ihrer Brennstoffzellen an, darunter Stromversorgungsgeräte, die bei Netzausfall einspringen.

Die Kurse der Mitbewerber aus der Branche stiegen ebenfalls. Plug Power Inc. aus den USA legten acht Prozent zu, FuelCell Energy Inc., ebenfalls USA, kletterten um sieben Prozent. Hydrogenics Corp. verteuerten sich in Toronto um zwölf Prozent auf 5,60 Kanadische Dollar. Die kanadische Gesellschaft hatte mehrere Aufträge und Rahmenvereinbarungen gemeldet.

Ein Wasserstoff betriebener Kleinwagen hat die Strecke von Berlin nach Barcelona mit nur einer Tankfüllung von 3,3 Kilogramm Wasserstoff zurückgelegt. Das entspreche einem Verbrauch von etwa zwölf Litern Benzin für die 3000 Kilometer lange Strecke, sagte Jörg Schweigard, Sprecher des Hysun-Teams, das den Einsitzer Hysun3000 entwickelt hat. Nach Ansicht des Projektleiters Frieder Herb sei die Alltagstauglichkeit des Fahrzeugs damit erwiesen. Über Pläne zur Serienproduktion ist derzeit nichts bekannt. Der Kleinwagen wurde auf dem Brennstoffzellenkongress in Stuttgart der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zwei US-amerikanische Aktien konnten in der vergangenen Woche deutlich zulegen. Der Kurs der Kaffeerösterei Green Mountain Coffee Roasters Inc. stieg um 13 Prozent auf 22,24 Dollar. Natural Alternatives International Inc., Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, kletterten um elf Prozent und notierten am Freitag wieder zweistellig bei 10,19 Dollar. In Oslo zog der Automatenhersteller Tomra Systems ASA um acht Prozent auf 25,60 Norwegische Kronen an.

Ballard Power Systems Inc. (ISIN CA05858H1047 / WKN 890704)
condomi AG (ISIN DE0005444905 / WKN 544490)
Energiekontor AG (ISIN DE0005313506 / WKN 531350)
FuelCell Energy Inc. (ISIN US35952H1068 / WKN 884382)
Gamesa Corporación Tecnológica (ISIN ES0143416016 / WKN 589858)
General Electric Co. (ISIN US3696041033 / WKN 851144)
Green Mountain Coffee Roasters Inc. (ISIN US3931221069 / WKN 887856)
Hydrogenics Corp. (ISIN CA4488821006 / WKN 588386)
Interseroh AG (ISIN DE0006209901 / WKN 620990)
Natural Alternatives International Inc. (ISIN US6388423021 / WKN 880900)
Plambeck Neue Energien AG (ISIN DE0006910326 / WKN 691032)
Plug Power Inc. (ISIN US72919P1030 / WKN 928999)
REpower Systems AG (ISIN DE0006177033 / WKN 617703)
Solar-Fabrik AG (ISIN DE0006614712 / WKN 661471)
SolarWorld AG (ISIN DE0005108401 / WKN 510840)
Solon AG (ISIN DE0007246308 / WKN 747119)
Sto AG (ISIN DE0007274136 / WKN 727413)
Sunways AG (ISIN DE0007332207 / WKN 733220)
Umweltkontor Renewable Energy AG (ISIN DE0007608101 / WKN 760810)
Vestas Wind Systems A.S. (ISIN DK0010268606 / WKN 913769)
WindWelt AG (ISIN DE0006352537 / WKN 635253)
Tomra Systems ASA (ISIN NO0005668905 / WKN 872535)

Bilder: Nachtaktion: Der Rotor für die neue REpower-Windkraftanlage 5M wird montiert / Quelle: Unternehmen; Windturbinen der GE Wind energy in New Mexiko; Bild aus besseren Tagen: Umweltkontor-Vorstand Lohmann mit seinem Ex-Vorstandskollegen Nöthlichs; Photovoltaikmodul der Sunways AG


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