04.11.02 Nachhaltige Aktien , Meldungen

4.11.2002: ECOreporter.de-Wochenrückblick: Gewinnsprung bei Vossloh, Vivendi Environnement bewässert Marokko, Air Car lässt die Luft raus

(H.K.) Gemischte Konjunkturdaten: In der deutschen Industrie stiegen die Auftragseingänge, der Großhandel meldete zunehmende Umsätze in fast allen Bereichen. Indikatoren wie der Geschäftsklimaindex und der Einkaufsmanagerindex deuten auf eine leichte Aufhellung der Stimmung in der Wirtschaft hin, in Deutschland und in der gesamten Eurozone. Weiter gesunken ist dagegen das europäische Verbrauchervertrauen. Ähnlich ist das Bild in den USA. Das Verbrauchervertrauen ist auf einem Tiefpunkt, obwohl die Wirtschaft weiter gewachsen ist.

Die deutschen Aktienindizes haben letzte Woche ihre Verluste der Vorwoche wieder ausgeglichen. Die US-amerikanischen Indizes sind weiter gestiegen, während der japanische Aktienmarkt seine Talfahrt fortsetzte, allerdings in vermindertem Tempo.

Der Euro ist erstarkt und erreichte am Samstag, dem 2. November wieder die Parität zum US-Dollar. Aus dem Finanzministerium der USA verlautete, dass die Staatsverschuldung bereits im März 2003 die gesetzlich erlaubte Grenze überschreiten könnte. Die Leistungsbilanz der Volkswirtschaft weist ein hohes Defizit aus. Dem gegenüber ist die Leistungsbilanz der Eurozone nach Angaben der Europäischen Zentralbank positiv mit steigender Tendenz.

Die Deutsche Börse AG gab weitere Einzelheiten zu der geplanten Umstellung der Indizes bekannt. Neben dem DAX soll es einen MDAX mit nur noch 50 Werten, einen TecDAX mit 30 und einen SDAX mit 50 Titeln geben. In diese Auswahlindizes könnten nur noch Aktien aufgenommen werden, für die mindestens ein im Börsenkauderwelsch so genannter "Designated Sponsor" die Handelbarkeit sicherstelle, hieß es. Die Börse ermittelte in einer Szenario-Rechnung Vossloh AG und MVV Energie AG als Kandidaten für den SDAX; im TecDAX wären die Umweltaktien Drägerwerk, Nordex, Plambeck Neue Energien, REpower Systems und Wedeco enthalten. Die endgültige Entscheidung wurde für Ende Januar angekündigt.

Seit einigen Wochen lässt sich das folgende Spiel beobachten: Steigt der Kurs des deutschen Windturbinen-Herstellers Nordex AG (WKN 587357), dann verlieren die dänischen Konkurrenten NEG Micon A.S. (WKN 897922) und Vestas Wind Systems A.S. (WKN 913769), und umgekehrt. So auch in dieser Woche wieder: Nordex legten 16 Prozent zu, die Dänen fielen zurück.

Die Bonner SolarWorld AG (WKN 510840) kündigte an, dem Stromproduzenten WindWelt AG (WKN 635253) Solarkraftwerke zu liefern. Das Investitionsvolumen für WindWelt betrage 7,5 Millionen Euro. WindWelt war bis August 2002 mehrheitliche Tochter der SolarWorld AG; diese Anteile sind nun im Familieneigentum des Vorstandsvorsitzenden der SolarWorld AG, Frank Asbeck. Die WindWelt-Papiere kletterten um neun Prozent auf 2,79 Euro, SolarWorld bewegten sich weiterhin knapp unter der 7 Euro-Marke. Murphy & Spitz verwiesen auf die Freiberger Produktionsstätten der SolarWorld AG, die zu den größten in der Welt gehören würden. Sie nannten die Aktie "günstig bewertet", bemängelten aber zugleich, die Berichterstattung des Solarkonzerns sei wenig transparent.

Der US-amerikanische Solarzellen-Hersteller Evergreen Solar Inc. (WKN 578949) berichtete über sein drittes Quartal, die Umsätze hätten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um das Zweieinhalbfache zugenommen, und auch zum zweiten Quartal betrage der Zuwachs mehr als ein Drittel. Der Quartalsverlust habe sich auf 0,24 Dollar pro Aktie verringert. Vor allem Europa habe zu dem Umsatzwachstum beigetragen, allein der Export nach Deutschland wurde seit Jahresbeginn fast vervierfacht, sagte CEO Mark A. Farber. Die Evergreen-Aktie verteuerte sich um 24 Prozent auf 0,72 Dollar.

Ballard Power Systems Inc. (WKN 890704), ein kanadischer Brennstoffzellen-Hersteller, verdreifachte seine Umsätze, vergrößerte aber zugleich den Verlust pro Aktie auf 0,38 kanadische Dollar, gegenüber 0,22 Dollar im Vorjahresquartal. Ballard legten an der US-Börse Nasdaq leicht auf 11,27 Dollar zu. Plug Power Inc. (WKN 928999), ein Brennstoffzellen-Unternehmen aus den USA, stiegen dagegen 14 Prozent auf 6 Dollar. Das Unternehmen hatte für sein drittes Quartal deutlich gestiegene Umsätze und einen verringerten Verlust gemeldet. Der Kurs der kanadischen Hydrogenics Corp. (WKN 588386) kletterte um 20 Prozent - Nachrichten über Gründe gab es nicht.

Brennstoffzellensysteme sind kürzlich unter den extremen Bedingungen des Nordpols getestet worden. Wie die Ludwig-Bölkow-Stiftung berichtet, ist der französische Forscher Jean-Louis Etienne 500 Stunden lang ohne Probleme von einem neuartigen System des Unternehmens Air Liquide versorgt worden, während er sich vom Packeis treiben ließ und Umweltdaten sammelte.

Texaco Ovonic Battery Systems LLC gab die Absicht bekannt, in den USA ein neues Werk zu errichten und damit die bisherige Produktionskapazität für Nickel-Metallhybrid-Batterien zu verdoppeln. Texaco Ovonic ist ein Joint Venture von ChevronTexaco Corp. und Energy Conversion Devices Inc. (WKN 858643). Energy Conversion verbesserten sich um acht Prozent auf 10,65 Dollar. Im Gegensatz dazu stellt Active Power Inc. (WKN 502716) batterielose Speicher für Elektroenergie her. Active Power bietet neue Produkte an, die bestimmte Stromversorgungsgeräte zuverlässiger und zugleich billiger als chemische Batterien machen sollen. Das Papier gab um drei Prozent auf 2,20 Dollar nach.

Die Vossloh AG (WKN 766710), ein Verkehrstechnik-Konzern aus dem sauerländischen Werdohl, hat den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres verdoppeln können. Darin sind allerdings Einmalerträge aus der Entkonsolidierung der VAE-Gruppe enthalten. Ohne Sondereffekte sei das EBIT um 38 Prozent gesteigert worden, hieß es. Das Ergebnis pro Aktie belaufe sich auf 2,86 Euro, gegenüber 0,59 Euro im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr kündigte der Vorstand ein Ergebnis von 3,47 Euro pro Aktie an. Analysten zeigten sich überrascht, dass der Gewinn nicht nur durch die Einmaleffekte, sondern auch operativ stark gewachsen sei. Die im MDAX notierte Aktie wurde fast einhellig zum Kauf empfohlen, sie verteuerte sich um zehn Prozent auf 24,40 Euro.

Die Anteile an dem österreichischen Weichenhersteller VAE AG (WKN 093750) hatte Vossloh im Juli 2002 an die voestalpine Bahnsysteme GmbH abgegeben. Voestalpine teilte mit, dass sie die Kleinaktionäre mit 225,49 Euro pro VAE-Aktie abfinden wolle, um VAE auf voestalpine Bahnsysteme verschmelzen zu können. Für den 4. Dezember wurde eine außerordentliche Hauptversammlung angesetzt.

Die französischen Konzerne Alstom SA und Connex haben den Zuschlag für ein 2,5 Milliarden Schekel teures Eisenbahnprojekt in Israel erhalten. Connex ist eine Tochter der Vivendi Environnement SA (WKN 501451). Vivendi Environnement meldete außerdem die volle Kontrolle über den marokkanischen Wasserversorger Redal; nun könne man weitere zwei Millionen Kunden in Marokko versorgen, zusätzlich zu den bereits 110 Millionen Wasserkunden weltweit. Das Unternehmen kündigte umfangreiche Investitionen in Marokko an. Vivendi Environnement stiegen in Paris um vier Prozent auf 24,38 Euro.

Wedeco AG (WKN 514180) gab den Abschluss der Entwicklung einer neuen, leistungsfähigeren Serie von UV-Strahlern bekannt. Diese könnten in der gleichen Zeit mehr Wasser desinfizieren als die bisherigen Geräte. Wedeco bewegen sich derzeit knapp unter 12 Euro.

Trojan Technologies Inc. (WKN 902023), die Konkurrenz aus Kanada, legte den Jahresbericht vor. Der Umsatz sei um ein Viertel auf 92,7 kanadische Dollar gewachsen, der Gewinn liege bei 0,19 Dollar pro Aktie. Im Vorjahr hatte Trojan noch Verluste melden müssen. Für das Geschäftsjahr 2003 gab das Unternehmen einen verhalten positiven Ausblick. Ein Umsatzwachstum um 20 Prozent liege im Bereich des Möglichen; beim Gewinn pro Aktie wolle man 0,36 bis 0,40 Dollar erreichen, hieß es. Trojan-Aktien notierten unverändert bei 10 kanadischen Dollar. Aufgrund veränderter Wechselkurse entspricht dies nun 6,44 Euro (Vorwoche: 6,54 Euro).

Der Kölner Kondomhersteller condomi AG (WKN 544490) hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um acht Prozent auf 28,7 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis sei durch Sondereinflüsse belastet; außerdem werde in der neuen Erfurter Kondomfabrik zur Zeit auf Lager produziert, da erst im kommenden Jahr größere Lieferverträge zu erfüllen seien. Das EBIT sank um 70 Prozent auf 1,3 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2003 sei man zuversichtlich, hieß es. Analysten der Stadtsparkasse Köln stuften die Condomi-Papiere mit "Outperformer" ein, auch wenn sie kurzfristig unter Druck geraten könnten. So war es auch: Der Kurs gab drei Prozent auf 9 Euro nach.

Deutsche Gegner des Dosenpfands haben eine weitere Klage gegen dessen Einführung zurückgezogen. Der Kurs der norwegischen Tomra Systems ASA (WKN 872535) stieg daraufhin um sieben Prozent auf 55 Norwegische Kronen (7,47 Euro). Tomra stellt Rücknahmesysteme für Pfandflaschen und Einweg-Behältnisse her.

Natural Alternatives International Inc. (WKN 880900), ein Hersteller von Vitamin- und Diätpräparaten aus den USA, berichtete über positive Veränderungen in den Kreditlinien, die dem Unternehmen eingeräumt werden. CEO Mark LeDoux erhofft sich nun verbesserte Möglichkeiten für das langfristige Wachstum. Das sehen wohl auch die Anleger so: Der Kurs schoss um 29 Prozent auf 4,08 Dollar in die Höhe.

CECO Environmental Corp. (WKN 906379), ein amerikanischer Hersteller von Luftfilter-Systemen, meldete einen Großauftrag über 7 Millionen Dollar für sein Tochterunternehmen Kirk & Blum. CECO stiegen um zwölf Prozent auf 2,07 Dollar.

Stericycle Inc. (WKN 902518), US-amerikanischer Spezialist für die Entsorgung medizinischer Abfälle, berichtete für das dritte Quartal einen Umsatzanstieg um zwölf Prozent; der Gewinn pro Aktie sei um 40 Prozent auf 0,27 Dollar gestiegen. Das Papier verteuerte sich um fünf Prozent auf 36,53 Dollar. Der Kurs dieses Unternehmens zeigt seit zwei Jahren eine fast ununterbrochene Aufwärtsbewegung.

Zu den Umweltaktien, die stiegen, ohne dass Gründe dafür in Nachrichten auftauchten, zählten wieder mehrere amerikanische Werte. Interface Inc. (WKN 868656) kletterten um 23 Prozent, Transmeta Corp. (WKN 564775) um 19 und Horizon Organic Holding Corp. (WKN 915302) um sieben Prozent. Aber auch der österreichische Wasseraufbereiter Best Water Technology AG (BWT, WKN 884042) und der Kölner Entsorger Interseroh AG (WKN 620990) hatten mit jeweils rund zehn Prozent nach längerer Zeit wieder deutliche Kursgewinne. Ein Kuriosum ist der Kursverlauf des Freiburger Solarpark-Betreibers S.A.G. Solarstrom AG (WKN 702100): An der Frankfurter Börse sank der Kurs von 3 auf 2,80 Euro; durch eine sehr kleine Einzeltransaktion wurde der Kurs im elektronischen Xetra-Handel am Freitag drastisch auf 2,10 Euro gedrückt.

Zum Schluß eine Meldung über heiße Luft: Die Frankfurter Air Car AG hat Insolvenz angemeldet. Das nicht börsennotierte Unternehmen wollte das Druckluftauto, eine Erfindung des französischen Konstrukteurs Guy Nègres, in Lizenz bauen. Air Car und der französische Franchisegeber MDI werfen sich nun gegenseitig Vertragsbruch vor und verdächtigen sich des Betrugs. Jedenfalls ist die (Druck)Luft raus aus dem Projekt.

Dieser Umweltaktien-Wochenrückblick erscheint mit freundlicher Unterstützung der UmweltBank.
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