04.11.05 Nachhaltige Aktien , Meldungen

4.11.2005: Wie nachhaltig ist das Investment in nachwachsende Rohstoffe? - Biodiesel-Boom steht in Deutschland auf schwachen Beinen, gute Marktchancen für Biomasse und Biogas

Der Markt für Biodiesel in Deutschland boomt. In den vergangenen drei Jahren hat sich der Biodiesel-Absatz hierzulande auf gut 1,4 Millionen Tonnen mehr als verdreifacht und den h?chsten Wert in Europa erreicht. F?r 2005 erwartet der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) einen Absatzanstieg auf 1,65 Millionen Tonnen. Da verwundert es nicht, dass mit der European Oil Products Biodiesel AG (EOP) in diesem Jahr die erste Aktie eines Biodieselherstellers an die B?rse gekommen ist. Mit den Einnahmen aus dem B?rsengang will das Unternehmen mit Sitz im brandenburgischen Falkenhagen laut EOP-Chef Sven Sch?n seine Produktionskapazit?t auf j?hrlich 65.000 Tonnen Biodiesel verdoppeln und sich unter den Top Ten der Branche etablieren. Gegenw?rtig rangiert EOP auf Platz 16, weit hinter dem Marktf?hrer ADM. Der US-Konzern ist in Deutschland mit der ADM-Oelm?hle Hamburg und der ADM-Oelm?hle Leer Connemann der f?hrende Produzent von Biodiesel. Auf diese beiden M?hlen allein entfallen mit ?ber 400.000 Tonnen mehr als ein Viertel der deutschen Produktionskapazit?t für Biodiesel. Die EOP kann da bei weitem nicht mithalten. Vor ihr liegen au?er ADM weitere zehn Erzeuger. Selbst mit einer verdoppelten Kapazit?t l?ge sie dem VDB zufolge deutlich hinter Produzenten wie NEW Natural Energy West GmbH (225.000 Tonnen pro Jahr), Biodiesel Schwarzheide GmbH und MUW Mitteldeutsche Umesterungswerke GmbH (je 150.000 Tonnen) oder BIO-Diesel Wittenberge GmbH (100.000 Tonnen; alle Stand Oktober 2005).

Der gegenw?rtige Boom ist zum einen eine Folge der gestiegenen Benzinpreise; die Autofahrer halten vermehrt Ausschau nach billigeren Alternativen. Zum anderen ist die Beimischung von bis zu f?nf Prozent Biotreibstoff zum herk?mmlichen Treibstoff aus fossilen Quellen seit 2004 von der Mineral?lsteuer befreit. Diese steuerliche F?rderung wird damit begr?ndet, dass Biotreibstoff aus nachwachsenden Rohstoffe gewonnen wird und nicht das Klima belastet, im Gegensatz zu herk?mmlichem Benzin oder Diesel auf der Basis fossiler Brennstoffe. Die EU-Kommission hat daher das Ziel gesetzt, den Markt-Anteil von Biokraftstoff bis 2005 auf 2 Prozent und bis zum Jahr 2010 auf 5,75 Prozent zu erh?hen. Aber inwiefern ist die Produktion von Biotreibstoffen wirklich nachhaltig? Biodiesel wird in Deutschland vorwiegend aus nat?rlichem Raps?l hergestellt. Nach angaben des VDB baut man allein in diesem Jahr daf?r bundesweit Raps auf einer Fl?che von ca. 680.000 ha an. Doch gro?fl?chige Monokulturen wie Mais- und Rapsfelder haben erhebliche ?kologische Belastungen und negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt zur Folge. L?sst sich der gro?fl?chige Anbau von Energiepflanzen mit einer naturnahen Landnutzung vereinbaren?

"Mindeststandards beim Anbau, wie zum Beispiel den Verzicht auf Agro-Gentechnik, sind notwendig, um den guten Ruf der nachwachsenden Rohstoffe nicht zu ruinieren", hat Florian Sch?ne, beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) Referent für Agrarpolitik, dazu erkl?rt. Der NABU hat ein Positionspapier dar?ber vorgelegt, wie nachwachsende Rohstoffe natur- und umweltvertr?glich genutzt werden k?nnen. Er fordert, "Mischkulturen wie Lupinen-Sonnenblumen-Gemenge sowie mehrj?hrige Kulturen wie Schilfgras zu schaffen, die mehr Artenvielfalt erm?glichen" und weniger D?ngemittel einzusetzen. Unter diesen Voraussetzungen k?nne Biomasse auf ?ber zwei Millionen Hektar produziert werden, was rund zw?lf Prozent der heute landwirtschaftlich genutzten Fl?che entspreche. Damit w?rde ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

Dem Beitrag von Biotreibstoffen zum Klimaschutz sind in Deutschland allerdings Grenzen gesetzt. Darauf hat im Gespr?ch mit ECOreporter.de Werner Landwehr hingewiesen, bei der Bochumer GLS-Gemeinschaftsbank verantwortlicher Bereichsleiter für das Kreditgesch?ft. Ihm zufolge ist die Produktion der Nachwachsenden Rohstoffe für die Produktion von Biotreibstoff schon jetzt nicht nur ausreichend, es gebe bereits ?berkapazit?ten. Der Bedarf sei l?ngst nicht so gro?, wie gehofft werde. Schlie?lich gebe es nur für einen kleinen Anteil der Fahrzeuge eine Herstellerfreigabe zum Betanken mit Biodiesel. Bei PKW sei dieser nicht nur verschwindend gering, sondern sogar r?ckl?ufig. Hauptabnehmer von Biodiesel seien und blieben die Flottenbetreiber des Transportgewerbes, die für ihre Busse und Lastwagen ?ber eine eigen Betankung verf?gen. Dass zuletzt gro?e US-Konzerne zweistelligen Millionensummen in die Produktion von Biodiesel in Deutschland investiert haben (wir berichteten: ECOreporter.de-Beitrag vom 14. Oktober), sei kein Hinweis auf ein zunehmendes Nachfragepotential. Diesen Gro?unternehmen gehe es wohl mehr um den Ausbau ihrer Marktpr?senz. "Das Thema wird zwar in Deutschland enorm hochgekocht", so Landwehr. Tats?chlich aber sei statt mit einem Ausbau des Marktes für Biodiesel in Deutschland eher mit einer Konsolidierung zu rechnen. Die GLS-Gemeinschaftsbank gehe als Kreditgeber gar nicht mehr in diesen Bereich hinein. ?berdies mache der gro?fl?chige Anbau nachwachsender Rohstoffe in anderen L?ndern viel mehr Sinn, etwa in Osteuropa.

Positiv bewertet Landwehr dagegen die Marktchancen der Erzeugung von Strom und W?rme aus Biomasse und Biogas. Unter anderem aufgrund des steigenden ?lpreises werde hier die Nachfrage das Angebot immer st?rker ?bersteigen. Auf lange Sicht werde das Gesch?ft mit dieser Form erneuerbarer Energie sogar noch lukrativer. Zudem sei hier der Vorteil für die Umwelt leicht nachweisbar. Er verwies auf die Standards, die der NABU für solche Anlagen ver?ffentlicht habe. Sofern sie diese erf?llten, sei die Bewirtschaftung eindeutig nachhaltig. Es sei allerdings wichtig, dass die verwendeten Rohstoffe nicht von Gro?erzeugern bezogen w?rden, sondern m?glichst aus ?kologischem Landbau oder von Netzen kleinerer Landwirte. Dann werde der Vorteil für die Umwelt durch diese Technologie nicht unn?tig im Vorfeld der Verarbeitung verringert. Landwehr nannte gegen?ber ECOreporter.de ein weiteres Beispiel: Sei eine Anlage auf die Verarbeitung von Holz ausgelegt, m?sse sie auch in der N?he von Holzbest?nden stehen, damit die Lieferung nicht mit unn?tig hohen Treibhausgasemissionen durch den Transport einher gehe. Und um besonders nachhaltig zu sein, sollte aus Sicht der GLS ein solches Projekt nicht nur auf die Erzeugung von Strom beschr?nkt sein, sondern die Gewinnung von W?rme einschlie?en.

Die B?rse scheint in Sachen Biodiesel die Skepsis von Werner Landwehr zu teilen. Darauf weist zumindest der Kurs der EOP-Aktie hin. Die Anteilscheine waren im September zum Preis von bei 7,60 Euro an den Markt gekommen. Nach dem B?rsenstart am 14. September schoss der Kurs im XETRA zun?chst auf 16,75 Euro nach oben. Danach aber fiel er kontinuierlich ab bis auf ein Rekordtief von 9,74 Euro Ende Oktober. Heute morgen notierte die Aktie bei 9,73 Euro.

EOP Biodiesel AG: ISIN DE000A0DP374 / WKN A0DP37

Bildhinweis: EOP-Chef Sven Sch?n, EOP-Biodieseltanker / Quelle: Unternehmen
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