04.01.06 Erneuerbare Energie

4.1.2006: Oh, diese alten Schweden: - Elche schießen, Braunkohlekraftwerke bauen, Atomkraft bejubeln, nichts von Subventionen verstehen: der Vattenfall-Vorstandsvorsitzender im Interview zu Erneuerbaren Energien

Eine besonders schöne und ergiebige Quelle für Informationen über Erneuerbare Energie ist unerwarteterweise die Springersche "WELT" von heute. Die Redaktion hat unter anderem den Großwildwjäger Lars G. Josefsson interviewt, der nebenher auch noch den Stromkonzern Vattenfall führt. Er will demnach "als Betreiber von Braunkohlekraftwerken nach Umweltmaßstäben weltweit der beste Energiekonzern sein" - ein Widerspruch in sich, wie es scheint.

Dass der britische Konzern BP acht Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren will, bringt Josefsson in Zusammenhang mit "Imagewerbung". Mit Verlaub: Eine recht teure Werbekampagne wäre das...Vattenfall baut also lieber weiter Braunkohlekraftwerke, emissionsfreie aber, wenn es geht. Denn nach Josefssons Meinung hat die Klimaschutzkonferenz in Montreal klar gezeigt, dass man einen Weg zur nachhaltigen Nutzung von Kohle in der Stromproduktion finden müsse. Ob Herr Josefsson bei verschiedenen Montrealer Vorträgen auf Jagdausflug war?

In der Windkraft werde Vattenfall die Kapazität in den kommenden Jahren mehr als verzehnfachen, verspricht Josefsson in der WELT, gibt aber zu, dass man von einem niedrigen Niveau starte. Man wolle sich am Bau von Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee beteiligen. Geplant sei der Bau von Windparks im Öresund südlich von Malmö und auf Kriegers Flak, einem Flachwassergebiet in der Ostsee. Den schwedischen Teil von Kriegers Flak habe Vattenfall bereits übernommen, man überlege, auch die deutsche Seite zu erwerben und den Windpark an das schwedische und an das deutsche Stromnetz anzuschließen. Außerdem sei Vattenfall beteiligt an Borkum Riffgrund, einem Offshore-Windpark in der Nordsee.

Die WELT weiß nicht so richtig, was eine Subvention ist, oder sie will es nicht wissen, daher fragt sie Josefsson, ob die hohen Subventionen in Deutschland der richtige Weg seien, den Anteil Erneuerbarer Energien zu erhöhen. Josefsson dazu: "Neben Großbritannien ist Deutschland sicher Europameister in der Förderung. Wir sollten darüber diskutieren, wo das Optimum liegt." Nur am Rande: Erneuerbare Energien haben durch das EEG einen staatlich geregelten Preis, aber den zahlen letztlich die Verbraucher, und damit ist dieser Preis nun mal keine Subvention - die gibt es nur vom Staat. Großwildjäger Josefsson meint, Umweltziele erreiche man billiger mit der Ausgabe von Grünstrom-Zertifikaten als durch das Verteilen direkter Subventionen - von der Logik her sind da gleich zwei Fehlschüsse eingebaut: Erstens sind Einspeisevergütungen keine direkten Subventionen, zweitens sind die Erneuerbare-Energie-Preise dort, wo Einspeisevergütungen festgelegt sind, im Schnitt niedriger als bei Zertifikatlösungen. Marktwirtschaftler wundert das berechtigterweise, aber die Fakten sind so. Ach ja, und ganz gerne würde Josefsson Atomkraftwerke bauen, er setzt auf einen Wandel der Einstellung der Bevölkerung zu diesem Thema.
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